27.11.2011   10:05   Leserkommentare (0)*

Das jüngste Gericht

In der Klima-Debatte kann man grob zwischen drei Gruppen unterscheiden: „Gläubige“, „Agnostiker“ und „Skeptiker“. Erstere haben aus der These von der dräuenden Klimakatastrophe ein Dogma gemacht. Wer ihnen widerspricht, macht sich der Gotteslästerung schuldig und soll am besten in der Hölle schmoren. Ein Unterschied zwischen Agnostikern und Skeptikern wird gar nicht erst gemacht, jede dissidente Meinung über einen Kamm geschoren.

Dabei könnte die Bandbreite unter den Abweichlern nicht größer sein. Agnostiker halten sowohl für möglich, dass die Katastrophisten recht haben, als auch dass sie irren. Sie sind schlichtweg nicht überzeugt, weil der Wissensstand in Sachen Klima sehr lückenhaft ist. Die so genannten „Skeptiker“ lehnen das gedankliche Gebäude der Klimakatastrophe hingegen in verschiedenen Abstufungen ab. Die meisten sind der Meinung, dass der Einfluss des Menschen geringer ist als befürchtet, einige glauben, dass das menschliche Tun auf das Klimageschehen einen vernachlässigbaren oder gar keinen Einfluss hat.

Wer den Werdegang von „Agnostikern“ und „Skeptikern“ verfolgt, dem fällt dabei ein Muster auf: Sie waren meist „Gläubige“ und fielen durch ihre unangenehmen Erfahrungen mit Dogmatikern vom Glauben ab. Bei Journalisten steht am Anfang meist ein relativ harmloser Bericht über die eine oder andere Ungereimtheit in der etablierten Klimaforschung.

Das wird dann von Seiten mancher Dogmatiker mit wütenden Briefen an Chefredaktionen und persönlichen Unterstellungen beantwortet. In Deutschland besonders hervorgetan hat sich dabei der Klimaforscher Stefan Rahmstorf vom Potsdam Institut. Das ist jetzt auch gerichtsnotorisch: Die freie Wissenschafts-Journalistin Irene Meichsner klagte auf Unterlassung entsprechender Behauptungen und Unterstellungen und bekam vom Kölner Landgericht weitgehend Recht: Das Vorgehen von Rahmstorf gegen einen Beitrag von Frau Meichsner sei diffamierend und rufschädigend. Ein ausführlicher Bericht in der Vierteljahreszeitschrift der Wissenschafts-Pressekonferenz widmet sich dem Fall. „Er (Rahmstorf) tarnt sich als wissenschaftlicher Experte, obwohl er tatsächlich ein politischer Agitator ist“, schreibt darin Markus Lehmkuhl, Dozent für Wissenschaftsjournalismus an der freien Universität Berlin. Wer Journalisten so richtig misstrauisch machen will, muss sich nur so verhalten wie der Klimaforscher Rahmstorf.

Erschienen in DIE WELT am 25.11.2011

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Kategorie(n): Klima-Debatte 

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