13.05.2008   14:34   +Feedback

Das Elend der Kunstkritik

Christian Demand schreibt für NZZ FOLIO einen schönen Text über Sprachmüll in der Kunstkritik:

Um den Einwand gleich vorwegzunehmen: Ich bin kein Kunstkritiker. Ich bin es nicht, ich war es nicht, und ich habe auch nicht vor, es zu werden. Wenn ich vom Elend der Kritik spreche, stützt sich dieser Befund also nicht auf die Autorität dessen, der bewiesen hat, dass er es selber besser kann.

Mein Antrieb ist zunächst der schlichte Missmut des kunstinteressierten Lesers, der einfach nicht fassen kann, welche Ansammlung von sprachlicher Wichtigtuerei, moralischer Hochstapelei und schlechtem Denken ihm in diesem Genre regelmässig zugemutet wird. Zum Beispiel im offiziellen Begleittext zur Ausstellung von Anish Kapoor im Münchner Haus der Kunst (2007/08): «In Kapoors Schaffen ist die Materie von zentraler Bedeutung, ­allerdings stets verbunden mit einer Idee von Präsenz und Spiritualität, welche die oberflächliche ‹Tatsächlichkeit› des Objekts übersteigt. In Kapoors Worten: ‹Materie führte in gewisser Weise immer zu etwas Immateriellem.› Er betrachtet dies als zwar fundamental widersprüchliche, dabei aber stets komplementäre Bedingung der materiellen Welt. (…) Bei Kapoors neuen kinetischen Objekten und Raumobjekten in dieser Ausstellung scheinen Begriffe von Leichtigkeit, Langsamkeit und Wachstum die Inspiration und treibende Kraft. All diesem eingewurzelt ist Kapoors Ausdruck einer Art Beklemmung, die er durch unverhohlene Zeichen und förmliche Bezugnahme auf Sexualität und Gewalt zum Ausdruck bringt: Das Unsagbare wird ausgesprochen.»

Die meisten der Texte, die die zeitgenössische Kunstproduktion begleiten, sind derart haarsträubend verkorkst und verblasen, dass sie problemlos als ihre eigene Satire durchgehen könnten. Hier lesen!


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Kategorie(n): Kultur