Wolfgang Röhl 03.05.2010 23:20 +Feedback
Das Elektroauto. Kurzschluss in der Birne
Zu den ewigen Versuchen, Pudding an die Wand zu nageln und Quark stark zu treten, gehört der Kult um das „Elektroauto“. Gestern huldigten ihm wieder die politischen und wirtschaftlichen Häuptlinge, Frau Merkel eingeschlossen. Alle eben, die es natürlich besser wissen, aber das nicht sagen möchten. Die meisten tanzen nur deshalb ums goldene Elektrokalb, weil sie Forschungs- und Förderungskohle vom Staat abgreifen wollen. Beziehungsweise, weil sie, indem sie vom baldigen „Siegeszug des Elektroautos“ schwafeln, als Klimaretter punkten möchten. In zehn Jahren, verkündet Merkel, fahren eine Million von den Dingern in unserem Land. Bescheiden genug, dieses Ziel, angesichts von aktuell 45 Millionen Vehikeln mit Brennstoffantrieb, dennoch total unrealistisch…
Dass 40 000-Euro-Autos, mit denen man ein bisschen in Städten herumkurven kann, vorausgesetzt, man kommt kommod an irgendein ein Ladekabel, in einem Flächenstaat wie Deutschland nur eine Nischentechnologie darstellen können, ist jedem klar, der was vom Mobilität versteht. Schon der konventionell angetriebene Smart war ja eine Pseudoerrungenschaft von gewissen Stadtbewohnern. Mit ihm standen statt einem plötzlich zwei Autos vor den Mittelstandswohnungen. Nie ersetzte der Smart ein richtiges Transportmittel; für die Ferien, zum Beispiel.
Dass Elektroautos, die eine aufwändige, komplizierte, störanfällige Technik besitzen und die dank schwerer, hoch giftiger Batterien die Umwelt extrem schädigen, auch ökologisch reiner Quatsch sind und dazu den Umbau eines ganzen Betankungssystems erfordern; Autos, die überdies nicht mit Luft und Liebe zur Umwelt fahren (wo käme der Strom für die Gurken denn her, wenn nicht aus der Steckdose?), dass diese angeblichen Hoffnungsträger also höchstens in einer sehr ferner Zukunft mal sinnvoll werden könnten, das muss man sich mit Argumenten verklickern lassen. Zum Beispiel durch die „FAZ“:
PS: Schon jetzt gibt es menschenwürdige, gebrauchs- und crashfeste Autos mit konventionellen Verbrennungsmotoren wie den VW-Polo, die bei vernünftiger Fahrweise dreieinhalb, vier Liter verbrauchen. Wenig mehr, als die hoch gejazzten Hybridfahrzeuge, deren Herstellung mehr Energie benötigt, als sie in einem ganzen Autoleben einsparen können. Die Polo- oder Clio- oder Dacia-Klasse sollte man fördern. Wenn überhaupt irgendwas.
Wer Visionen hat, sollte zum Augenarzt gehen, sagte ein Kanzler a.D. Wo er Recht hat, hat er Recht, der olle Rechthaber.
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Kategorie(n): Inland Wirtschaft


