Dr. Cora Stephan 18.03.2010 18:18 +Feedback
Das Buch neu erfinden
Es wird sein, wie es jedes Jahr ist, zu einer der beiden Buchmessen: für ein paar Tage ist alles im Lot. Alle Welt singt das Hohelied auf die Lesekultur und Das Buch. Das Buch, das nicht sterben wird. Das nicht sterben darf. Das eben unsterblich ist. Seit Gutenberg.
Nun, ja und nein: Das Buch wird vielleicht sterben – aber nicht sofort. Und im übrigen ist das ganz abhängig davon, was man für „Das Buch“ hält. Den Inhalt? Die wunderbare Gedankenwelt bezaubernder Autoren, die wir über Augen und Ohren zu uns nehmen, wozu es gemeinhin Buchstaben braucht?
Oder dieses Ding da, das mehr oder weniger schwer in der Hand liegt, ein Objekt aus Druckerschwärze und Papier, zwischen zwei Deckel geklebt oder gebunden, das man nach gehabter Lektüre ins Regal stellen, weiterverschenken, verleihen oder verramschen kann?
Wenn Autoren und Verlage „Das Buch wird nicht sterben!“ intonieren,
ist meist letzteres gemeint – und begeisterte Leser bekräftigen, was sie an Hardcover oder Taschenbuch haben: einen angenehmen Bettgefährten und eine interessante Farbe in der Bücherwand. Dieser Treue aber ist nicht zu trauen. Noch sind elektronische Lesegeräte keine attraktive Alternative, die man mit ins Bett nehmen möchte, aber ihre Zeit wird kommen – spätestens mit der 3. Generation von Apples iPad. Was dann?
Die meisten Autoren haben vor dem elektronischen Buch, dem E-Book, Angst, und das aus vielerlei Gründen. Sie befürchten die Entwertung ihrer geistigen Arbeit – und die ist ja bereits zugange. Nicht nur, weil fast jedes halbwegs erfolgreiche Buch in seiner digitalen Form illegal und kostenlos im Internet zu haben ist. Sondern auch dadurch, daß die Wundertüte Internet geistiges Eigentum relativiert, zumal wenn man, wie es jüngst die Autorin von Axolotl Roadkill als Angehörige der Generation copy and paste für sich reklamierte, das Abschreiben zum ästhetischen Prinzip erhebt.
Vor allem aber fürchten Autoren einen Preisverfall durch das E-Book und damit den Verlust der Möglichkeit, von der Verwertung ihres geistigen Eigentums auch leben zu können.
Doch solche Sorgen sind nichts im Vergleich zu denen, die sich die Branche insgesamt machen muß. Die Entwicklung des elektronischen Buchs bringt insbesondere die Verlage in ihrem Zusammenspiel mit dem Buchhandel in eine bedrohliche Zwickmühle.
Die großen Buchhandelsketten haben bereits vorgesorgt – dort wird man… mehr auf bLogisch
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Kategorie(n): Kultur


