07.09.2008 22:25 +Feedback
Clemens Wergin: Die Anti-Antisemitismuskeule
Das ist inzwischen ein eingespieltes Muster der nicht jüdischen deutschen Debatte über Israel: Man thematisiert Stilfragen und strickt an der Legende von der Antisemitismuskeule, die angeblich alle mundtot macht. Die Behauptung, man dürfe in Deutschland keine Israelkritik üben, hält zwar keiner Überprüfung stand. Man denke nur an konservative wie liberale Parlamentarier, die bis in die 60er-Jahre gegen die Aufnahme diplomatischer Beziehungen mit Israel waren, an die 68er-Studenten, die den ersten israelischen Botschafter niederschrieen, oder an die harten Auseinandersetzungen zwischen Helmut Schmidt und Menachem Begin. Die Reihe ließe sich bis zum späten Norbert Blüm fortsetzen. Die Behauptung, Kritik an Israel sei in Deutschland nicht möglich, ist aber inzwischen selbst zu einer Keule geworden, mit der unliebsame Kritik an der Kritik an Israel weggewischt wird. Eine „freie Debatte“ wäre nach Meinung der Bahners und Steinfelds wohl erst dann gegeben, wenn man Israel kritisieren kann, ohne überhaupt Widerspruch zu ernten. Eine seltsame Vorstellung vom demokratischen Wettstreit der Meinungen. Dass Israels Image in Deutschland so schlecht ist wie in kaum einem anderen Land Europas, spricht nicht gerade dafür, dass Israel besonders geschont würde.
http://debatte.welt.de/kommentare/88898/die+antiantisemitismuskeule
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Kategorie(n): Inland

