02.12.2012   18:19   Leserkommentare (0)*

Brust und Keule für Europa, der Rest nach Afrika

Rupert Reiger

Aus einer Fernsehsendung zur Verwertung von Hähnchenfleisch (wohl präziser als Hühnerfleisch):

Die Deutschen essen nur noch die Hähnchenbrust, da sie dieses Teil nicht mehr an das Tier erinnert … ,
es könnte sich dabei auch um ein Stück Tofu handeln,
deshalb werden die restlichen Hähnchenteile tiefgekühlt nach Afrika exportiert !

Dazu auch (wer suchet der findet):

Gefrorenes Hühnerfleisch zerstört Märkte in Afrika
Kamerun wehrt sich erfolgreich
Von Yvonne Mabille
Hähnchenschnitzel liegen im Trend, Hühnerfleisch von Rücken, Hals, von Flügeln oder Beinen lässt sich hierzulande dagegen immer schwerer verkaufen. So wird aus hochwertigem Fleisch Abfall - es sei denn, man findet Abnehmer in der dritten Welt. Billiges Hühnerfleisch aus Europa ruiniert dort heimische Kleinbauern. Nun regt sich Protest: Eine Bürgerrechtlerin aus Kamerun ist derzeit unterwegs in Deutschland, um hier auf die Folgen unseres wählerischen Konsums hinzuweisen.

Heute finden sie kein einziges Rezept mehr, in dem “Nehmen Sie zwei Kilo Huhn” vorgeschlagen wird, sondern immer nur Brustfilet.

Francisco Mari vom Evangelischen Entwicklungsdienst weiß, welchen Weg die restlichen Hünchenteile nehmen, wenn das Bruststück für deutsche Verbraucher herausgetrennt ist:

In der Statistik können sie ganz genau sehen, was wird exportiert. Das sind zu 80% Hühnchenteile, ohne Brust und fast ohne Schenkel. Und 20% ganze Hühner, das sind Suppenhühner. Das heißt Legehühner, die dann auch exportier werden, weil bei uns eben bei Suppenhuhn kaum noch Markt ist. Kaum noch jemand macht sich Hühnerbrühe aus Suppenhuhn.

Mit dem Preis für Brust oder Schenkel sei das ganze Huhn so gut wie bezahlt, sagt Mari. Umso größer die Gewinnmarge, wenn sich die restlichen Hähnchenteile anderweitig verkaufen lassen. Zum Beispiel in Kamerun, auf dem “Boulevard der gefrorenen Hühnchen”. So heißt eine Marktstraße in der Stadt Mokolo, weil hier Schenkel, Flügel, Hähnchenteile in allen Größen auf den Tischen der Händler liegen. Alle Fleischstücke sind ungekühlt und keiner wisse, wie oft die ursprünglich gefrorene Importware aufgetaut und wieder eingefroren wurde, bis sie im Kochtopf landet, erzählt Tilder Kumichii aus Kamerun:

Es heißt gefrorenes Hühnchen, aber es wird nicht gekühlt. Es liegt offen auf dem Tisch. Und wenn die Qualität sinkt, dann sinkt auch der Preis. Noch viel schlimmer ist es, wenn man sieht, dass das Fleisch auf Zeitungspapier am Boden liegt. Sie können sich vorstellen, wie verseucht es inzwischen ist.

Sehr viele Salmonellenvergiftungen habe es gegeben, fügt Tilder Kumichii hinzu.

zu lesen hier:
http://www.dradio.de/dlf/sendungen/umwelt/428371/

und auch hier:

http://bilddung.wordpress.com/2012/06/05/europaische-hahnchen-des-todes-fur-die-afrikaner/

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Kategorie(n): Wissen  Wirtschaft 

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