05.06.2007   07:51   +Feedback

Britische Muslime: Verschwörungstheorien zu 7/7

Am 7. Juli 2005 töteten vier Attentäter in drei Londoner U-Bahnen und einem Doppeldeckerbus 52 Menschen. Der Hergang der Ereignisse konnte durch die Aufzeichnungen von Überwachungskameras praktisch lückenlos rekonstruiert werden, und es bestehen keine Zweifel daran, dass es sich bei den Attentätern um Hasib Hussain, Mohammad Sidique Khan, Germaine Lindsay und Shehzad Tanweer, vier britische Muslime, handelte.

Gestern veröffentlichte der Fernsehsender Channel 4 die Ergebnisse einer Umfrage unter britischen Muslimen, aus der hervorgeht, dass in dieser Gruppe Zweifel an der offiziellen Version der Ereignisse bestehen: Über die Hälfte der Befragten (52 Prozent) glaubte demnach, dass der britische Geheimdienst Beweismaterial gefälscht hat, um die Täter zu identifizieren; knapp ein Viertel (24 Prozent) hielt die vier als Attentäter identifizierten Männer nicht für die Anschläge verantwortlich; 59 Prozent glauben, dass die Regierung die vollständige Wahrheit über die Anschläge zurückhält. Über zwei Drittel (68 Prozent) sehen keine Mitverantwortung der britischen Muslime für die Radikalisierung junger Muslime, obwohl 58 Prozent meinten, dass sich die muslimischen Gemeinden stärker dagegen engagieren sollten.

Die Umfrage zeigt vor allem eines, nämlich die Distanz zwischen Teilen der muslimischen Bevölkerung und dem britischen Staat. Man glaubt den abstrusen Verschwörungstheorien zu den Anschlägen des 7. Juli 2005, um sich letztlich als Opfer der nicht-muslimischen Gesellschaft fühlen zu können.

Für die 24 Prozent der Befragten, die die identifizierten Täter für unschuldig halten, sind die Anschläge wahrscheinlich ein Komplott der britischen Regierung, um Stimmung gegen Muslime in Großbritannien zu machen. Dies ist der Nährboden für eine zunehmende Radikalisierung junger Muslime, die weitere Terrorakte wie jene vor knapp zwei Jahren wahrscheinlich macht.


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Kategorie(n): Ausland