27.05.2012   21:35   Leserkommentare (0)*

Boykottiert Pax Christi!

Kevin Zdiara

Während im letzten Jahr eine anti-israelische Boykottdemonstration in Bremen, die unter anderem von der dortigen Linkspartei unterstützt wurde, noch für großes Aufsehen sorgte – vor allem weil die Demonstranten mit ihren Schildern an die „Kauft nicht beim Juden“ Aktionen der Nationalsozialisten erinnerten –, interessieren ganz ähnlich lautende Forderungen einiger Christen fast niemanden in Deutschland.

Die katholische Organisation pax christi, unterstützt vom notorischen „Israelkritiker“ und Jenaer Oberbürgermeister Albrecht Schröter, hat wohl aus der Kritik an ihren Bremer Gesinnungsgenossen gelernt und geht deshalb in ihrer anti-israelischen Aktion „Besatzung schmeckt bitter“ zweistufig vor. So setzt sie sich zum einen für eine besondere Kennzeichnung von Waren aus den „besetzten Gebieten“ ein und fordert zum anderen die Menschen zu einem Boykott auf, den sie blumig „Kaufverzicht“ nennt.

Es geht also um einen Boykott und da, wie die Organisation selbst schreibt, die zu boykottierenden Waren nicht extra gekennzeichnet sind, kann sich die Aktion gar nicht ‚nur‘ gegen Erzeugnisse aus den „besetzten Gebieten“ richten. Sie fordern zum unterschiedslosen Kaufverzicht aller Waren aus Israel auf und es ist somit schlicht eine subtilere Fortsetzung der unsäglichen Forderungen der linken Friedensfreunde in Bremen. Aber schon die Geschichte lehrt, dass die Kennzeichnung der Juden und der Boykott jüdischer Geschäfte nur ein Vorspiel waren. Logisch zu Ende gedacht bedeutet der Aufruf der Friedenschristen die Delegitimierung Israels und damit auch seines Existenzrechts.

Entscheidender sind aber andere Aspekte. Beispielsweise der, dass legal knapp 25.000 Palästinenser in den israelischen Siedlungen arbeiten und es wird geschätzt, dass weitere 10.000 illegal in diesen Orten ihr Brot verdienen.  Insgesamt sind circa 10 Prozent der Palästinenser aus der Westbank in Israel angestellt oder arbeiten bei israelischen Unternehmen. Bei einer durchschnittlichen Größe eines palästinensischen Haushalts von sechs Personen kann man sich ausrechnen, dass weitere zehntausende Palästinenser von den in Siedlungen erworbenen Gehältern abhängig sind. Das Ergebnis eines konsequenten Boykotts wäre damit verheerend für die Lebensbedingungen der Palästinenser. Aber für deutsche Freunde Palästinas zählt das nicht.

Nicht einfache Palästinenser werden deshalb von der Aktion profitieren, sondern die Ideologen und Agitatoren unter ihnen oder wie pax christi schreibt, diejenigen Kräfte vor Ort, die mit gewaltfreien Mitteln ein Ende der Besatzung und einen gerechten Frieden im Nahen Osten erreichen wollten. Worauf die katholischen Palästinafreunde hierbei abzielen, ist die von Omar Barghouti geführte Bewegung BDS, die sich für einen Boykott, für De-Investitionen ausländischer Gelder und für Sanktionen gegen Israel einsetzt. Barghouti, ein „Palästinenser“, der in Katar geboren und ironischerweise an der Universität Tel Aviv ausgebildet wurde (für deren Boykott er sich stark macht!), hat sich in den letzten Jahren durch eine aggressive und unversöhnliche anti-israelische Rhetorik hervorgetan.

Schaut man sich die Gründungsurkunde seiner Bewegung von 2005 an, findet man ziemlich klar formuliert, um was es den Boykotteuren geht. Von Siedlungen ist da nur am Rand die Rede. So finden sich im großspurig mit „Aufruf der palästinensischen Zivilgesellschaft zum BDS“  übertitelten Pamphlet drei Aussagen, von denen zwei ganz klar darauf hinauslaufen, Israel zu beseitigen. Es wird gefordert: „1. Die Beendung der Besatzung und Kolonisierung aller arabischen Gebiete und die Zerstörung der Mauer; 2. Die Anerkennung der fundamentalen Rechte der arabisch-palästinensischen Bürger Israels auf volle Gleichstellung; 3. Die Respektierung, den Schutz und die Unterstützung der Rechte palästinensischer Flüchtlinge auf Rückkehr in ihre Häuser und auf ihr Eigentum, wie es in der UN Resolution 194 angeregt wurde.“

Insbesondere der erste Punkt, wo von „allen arabischen Gebieten“ die Rede ist, ist ein klarer Hinweis darauf, dass man sich nicht mit den Gebieten in der Westbank oder Gaza zufrieden gibt. Im Denken der BDS ist auch Haifa, Beerscheba und Jerusalem „arabisches Gebiet“ und die israelischen Kolonisten müssen von dort entfernt werden. Beim zweiten Punkt ist nicht ganz klar, wo sich diese Forderung von der bereits bestehenden rechtlichen Gleichheit aller Bürger Israels unterscheiden soll. Erst im Zusammenhang mit dem dritten Punkt wird deutlich, dass damit nicht die bereits in Israel lebenden arabischen Israelis gemeint sind, sondern die prospektiv zurückkehrenden palästinensischen Araber. Denn der dritte Punkt fordert, dass auch die mittlerweile knapp 5 Millionen Nachkommen der ehemals 700.000 palästinensischen Flüchtlinge ein Recht auf Rückkehr nach Israel haben. Dies bedeutet wiederum nichts anderes, als dass Israel de facto aufhören würde als jüdischer Staat zu existieren. Wer sich dieser Bewegung anschließt, so wie es pax christi getan hat, weiß um diese Forderungen und nimmt ihre anti-israelische Stoßrichtung billigend in Kauf.

Dass die BDS-Bewegung mehrheitlich von radikalen anti-israelischen Kräften geführt wird, hat sogar der ansonsten keineswegs zimperliche Israelhasser Norman Finkelstein erkannt. In einem bemerkenswerten Interview vom Februar dieses Jahres hatte er sich öffentlich von dieser Bewegung distanzierte, weil sie seiner Meinung nach Israel das Existenzrecht absprechen würde. So sagte er in dem Gespräch, das man auf YouTube anschauen kann, dass die BDS-Bewegung Israel nicht akzeptiere. Und weiter führte er aus: „Sie glauben, sie seien besonders clever. Sie nennen es ihren dreistufigen Plan: wir wollen ein Ende der Besatzung, das Recht auf Rückkehr und wir wollen dieselben Rechte für Araber in Israel. Und sie meinen, sie seien besonders schlau, weil sie wissen, dass die Umsetzung dieser drei Bedingungen was bedeutet, zu was führt? Sie und ich wissen, was das Ergebnis ist: Es wird kein Israel mehr geben!“ Die Nichterwähnung Israels ist seiner Meinung nach nicht ein „zufälliges und unbeabsichtigtes Versäumnis“, sondern Kalkül, um die anti-israelische Mehrheit in der Bewegung zufriedenzustellen.

Die Forderung von pax christi nach einem „Kaufverzicht“ steht in dieser Tradition.  Aus diesem Grund findet man bei den Friedenschristen auch keine ähnlichen Aufrufe, wenn es um Menschenrechts- und Völkerrechtsverbrechen der Palästinenser geht. Die fortgesetzten schweren Verletzungen der Meinungs- und Versammlungsfreiheit oder die Todesurteile gegen Palästinenser durch die Verwaltung von Mahmoud Abbas findet ebenso wenig die Aufmerksamkeit von pax christi, wie der völkerrechtswidrige Raketenbeschuss Israels durch die Hamas. Verwundert es da noch, dass dieselbe Organisation im Hinblick auf den andauernden Massenmord von Basher Assad in Syrien keinen Boykott fordert. Stattdessen findet man auf der Internetseite von pax christi den Appell: „In Syrien ist Vermittlung angesagt - nicht Drohung oder Scharfmacherei!“

Bedauerlich ist, dass die katholische Kirche sich nicht öffentlich von dieser Organisation und insbesondere von ihrer Übernahme anti-israelischer Propaganda distanziert und diese verurteilt. Entgegen ihres Namens zielt pax christi nicht auf Frieden, sondern schürt Unfrieden und solidarisiert sich mit denjenigen palästinensischen Elementen, die an einer Dämonisierung, Delegitimierung und letztlich auch an einer Zerstörung Israels interessiert sind.

Der Jenaer Oberbürgermeister Albrecht Schröter und die anderen Erstunterzeichner unterstützten im vollen Bewusstsein dieser Tatsachen den Aufruf von pax christi und haben damit einmal mehr deutlich gemacht, dass wenn deutsche Christen vom Frieden reden, sie dem jüdischen Staat keinen Platz in ihrem Heilsplan einräumen.

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Kategorie(n): Inland  Kultur 

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