10.07.2011   08:52   +Feedback

Bildung macht skeptisch

Wenn es um das Thema Klima geht, dann können sich Deutschlands Schulen vor Hilfsangeboten kaum retten. Lehrer und Schüler werden mit Material und Aktionen regelrecht zugeramscht, man könnte glatt meinen, im Potsdam-Institut sei Schluss-verkauf. Das pädagogische Ziel ist stets das gleiche: Junge Menschen von der Existenz einer gefährlichen vom Menschen gemachten Klimaerwärmung zu überzeugen. Es wird nicht darüber diskutiert, ob diese Hypothese stimmt oder nicht, sondern lediglich darüber, wie man die dräuende Katastrophe abwenden kann. Die Kleinen sollen nachhause gehen und den Eltern verbieten das Schulbrot in Aluminiumfolie zu packen. Außerdem ist es mit biovegetarischem Aufstrich zu versehen und darf nur mit einem Hybridfahrzeug transportiert werden.

Als ein Beispiel von vielen, sei hier die “s’cooltour“ genannt,  eine „Initiative der von den Lampenherstellern gegründeten Lightcycle Retourlogistik und Service GmbH“, mit der Schüler ab der dritten Klasse malträtiert werden dürfen.  Schirmherrin ist Bundes-Bildungsministerin Annette Schavan: „Fachlich fundiert, altersgerecht und pädagogisch reflektiert mobilisiert die ‚s’cooltour’ Entdeckergeist und Kreativität und befördert den verantwortungsvollen Umgang mit unseren Lebensgrundlagen.”

Und das sieht laut Beschreibung in der Praxis dann so aus: „Die Kinder dürfen weiße Forscherkittel anziehen und starten mit den drei Wissenschaftlern des Klimamobil-Teams in die Erd-Umlaufbahn. Doch plötzlich geht der Alarm im Raumschiff Klassenzimmer los. ‚Die Erde hat Fieber’ leuchtete in großen roten Buchstaben die Warnung auf dem „Bordcomputer“. Anhand eines beleuchteten Globus wird die Klimaerwärmung verdeutlicht. Die Farbe wechselt von ‚Blau’ für kalt bis zu ‚Rot’ für heiß.“

Als flankierende Maßnahme zu dieser Art von Pädagogik empfehlen wir die gleichzeitige Abschaffung von Mathematik und naturwissenschaftlichen Fächern. Denn erst so lässt sich der volle Bildungserfolg sicherstellen. Dafür spricht zumindest eine aktuelle Untersuchung der Yale Universität. Professor Dan Kahan befragte mehrere tausend Probanden nach ihrer Einstellung zum Klimawandel. Ergebnis: Diejenigen mit der besten naturwissenschaftlichen und mathematischen Ausbildung waren gegenüber der These von der gefährlichen Klimaerwärmung skeptischer als diejenigen mit schlechterer Ausbildung. Merke: Gute Bildung erzeugt Skepsis, aber die ist im Falle Klima nicht erwünscht. Ein echtes Dilemma. 

Erschienen in DIE WELT am 08.07.2011

(Maxeiner und Miersch)


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Kategorie(n): Kultur  Wissen 

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