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  01.07.2009   03:12   +Feedback

Besser Adam Smith als FTD

Manchmal frage ich mich wirklich, warum ich mir die Lektüre der Financial Times Deutschland noch antue. Vielleicht ist es der Schein einer seriösen Wirtschaftszeitung, wie es die Londoner Mutter der FTD einmal war, der mich gelegentlich auf die Online-Ausgabe der FTD führt. Vielleicht mag ich auch einfach dieses grässliche Lachsrosa. Aber am Ende meiner Besuche auf den Meinungsseiten der FTD bleibt immer wieder das Gefühl, dass mich die Artikel der FTD nicht besser informiert, sondern nur ärgerlicher zurücklassen.

Der heutige Kommentar eines FTD-Kolumnisten brachte das Fass zum Überlaufen. Unter der Überschrift “Schulden müssen sich lohnen” wird dort nämlich erklärt, dass Schulden eine ganz wunderbare Sache sind - nur die dummen Deutschen hätten den Sinn der Verschuldung nicht richtig verstanden. Und um das zu illustrieren, führt der Autor dann ausgerechnet dieses Beispiel an:

“Durch Erschließung neuer Wohnbaugebiete, eine alternde Bevölkerung und strengsten Mieterschutz wird in Deutschland verhindert, dass Immobilienwerte langfristig real steigen. Und wenn Häuserpreise langfristig stagnieren, dann lohnt es sich auch nicht, riskante Kredite aufzunehmen. Der 100-Prozent-Kredit, wie er in London oder New York üblich ist, ist daher in Deutschland kaum zu erhalten. Hier wird erst gespart und dann gebaut - genauso wie es unsere Eltern und Großeltern gemacht haben.”

Wie bitte? Hat es sich etwa nicht bis zur FTD herumgesprochen, dass gerade die hoch riskanten 100-Prozent-Hypotheken zur Immobilienkrise beigetragen haben? Ist es dem FTD-Kommentator wirklich entgangen, dass man sich in London kaum noch Wohnraum leisten kann, weil dort über Jahrzehnte nicht genügend Bauland ausgewiesen wurde? Hat er wohl schon einmal etwas davon gehört, dass sich Länder wie Großbritannien oder die USA zu sehr von ihren volatilen Immobilienmärkten abhängig gemacht hatten? Man kann ja viel an Deutschland kritisieren. Dass dort aber zuerst gespart und dann erst gebaut wird, gehört nicht dazu.

Dass ein Volk im Übrigen nicht dadurch reicher wird, dass seine Hauspreise real steigen, ist dabei keine neue Erkenntnis. Man findet sie bereits bei Adam Smith. Im “Wealth of Nations” schrieb er 1776:

“A dwelling-house, as such, contributes nothing to the revenue of its inhabitant ; and though it is, no doubt, extremely useful to him, it is as his clothes and household furniture are useful to him, which, however, make a part of his expense, and not of his revenue. If it is to be let to a tenant for rent, as the house itself can produce nothing, the tenant must always pay the rent out of some other revenue, which he derives, either from labour, or stock, or land. Though a house, therefore, may yield a revenue to its proprietor, and thereby serve in the function of a capital to him, it cannot yield any to the public, nor serve in the function of a capital to it, and the revenue of the whole body of the people can never be in the smallest degree increased by it.”

Adam Smith würde sich bei der Lektüre der Financial Times Deutschland köstlich amüsieren. Aber vielleicht ist ja genau dies die Absicht der FTD-Kolumnisten: dass man mal etwas zu lachen bekommt. Ernst nehmen kann man diese Zeitung nämlich wirklich nicht mehr.

(Dr. Oliver Marc Hartwich)


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Kategorie(n): Wirtschaft 

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