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  12.01.2009   07:16   +Feedback

Bericht von der Friedensdemo in Luxemburg-Stadt

AchGut-Leser Christian Klein schreibt:
Gestern war ich auf der Friedensdemo in Luxemburg aus Neugierde und Interesse. Erstaunlich war, dass ca. 1000 Leute dort waren, für unser kleines Land, ne erstaunliche Zahl. Es war aber erschreckend was da teilweise abging.
Vorweg: ich habe kein Problem damit, dass Israel kritisiert wird, eine Demokratie, jede Demokratie lebt davon dass ihre Regierung kritisiert werden darf und soll und man muss diese Gaza-Einsatz auch nicht unterstützten, wenngleich ich ihn persönlich für legitime Selbstverteidigung halte, was natürlich nicht ausschliesst, dass man über die Frage des “Wie” debattiert. Man kann immer Dinge hinterfragen, das sollte explizit erlaubt sein. Davon lebt ne Demokratie. Ich selber war auch von Beginn an ein Kritiker von Bushs Irakfeldzug und halte ihn auch heute noch für einen bedauerlichen Fehler, wenngleich ich froh bin, dass Hussein weg ist (die Welt ist halt nicht schwarz-weiß), aber eine Kritik muss verhältnismässig, vernünftig und ausgewogen sein.
Was aber auf der Demo gestern abging war teilweise nur noch widerlich…

Abbrennen einer Israel-Flagge, ein Mann mit einem Schild “Boycott Israel” (die moderne Variante von “Kauft nicht beim Juden” ???), eine Flagge Israels mit dem Hakenkreuz drin (!!!), jede Menge Palästina, teilweise Türkei-Fahnen (dagegen ist zwar an sich gar nichts einzuwenden, zeigt aber den einseitigen Charakter einer Veranstaltung, die doch offiziell einen gerechten Frieden für beide verlangen sollte). Dazu dann noch ne Gruppe Kommunisten der KPL, die u.a. meinten, der Kapitalismus sei schuld (eine Ansicht, die ich heute nicht mehr nachvollziehen kann, aber ich kann durchaus verstehen wieso manche das glauben, leider geht es aber nicht nur um Armut und materielle Ungleichheit in diesem Konflikt und zudem wären diese Dinge am besten marktwirtschaftlich zu überwinden, was manche Fortschritte im Westjordanland ja auch beweisen), “Israel=assassins” (nur Israel bringt Menschen um ? Kein Wort zum Schutzschildmissbrauch der Hamas ?), einige Moslems/Araber brüllten gar etwas proHamas, selbst eine Sprecherin, die auch der Hamas eine Mitschuld gab (nur ne kleine Mitschuld), wurde gleich von Einigen ausgebuht, plumpe emotionale Winkelzüge (Fotos von toten Kindern) usw.

Fragt sich natürlich auch, wieso diese Palästinafreunde nicht bereits 2007 demonstriert haben, wo soviele unschuldige Zivilisten im Bürgerkrieg Hamas-Fatah starben. Aber da war der böse Satan Israel halt nicht involviert und die Linken gaben nur einen Rundbrief heraus, indem sie die Gewalt kurz verurteilten und zugleich anmerkten, dass selbst daran (!!!) ja nur Israel im Grunde schuld sei wegen der Gaza-Abriegelung ... Naja. So ist es halt mit denen.

Da demonstrierten nun also Moslems, manche Frauen mit Kopftuch, neben Kommunisten, die stringent atheistisch denken. Wahnwitzig ! Gemeinsam ist allerdings beiden, dass sie eine altruistisch-kollektivistische Ideologie (sprich eine Opferethik im Randschen Sinne) vertreten und die Teufel Israel und USA nicht mögen. Für die drei Liberalen, die dort waren (zwei Bekannte und ich) und die sich bei dieser Übermacht auch nicht wirklich trauten, dagegen zu halten (die Stimmung war dazu viel zu aufgeheizt, die hätten uns wohl gelyncht, wenngleich es mir heute schon wieder leid tut, nicht mehr Courage besessen zu haben und stillschweigend zugesehen zu haben, während Andere am Mikrofon standen und “Stop à l´occupation") und seriöse Diskussionen zu suchen, war wieder mal klar: Kollektivisten demonstrieren, die Freiheit des Einzelnen und des Westens muss gegen beide Gruppen weiterhin eisern verteidigt werden.  Und wer solche Freunde hat, braucht wohl auch keine Feinde mehr, die Palästinenser tun mir aufrichtig leid ...

RTL-Video dazu: http://tele.rtl.lu/waatleeft/videoarchiv/v/20090110/3/1004526/

Für mich ist die Linke (jedenfalls ein grosser Teil davon) in Luxemburg seit gestern endgültig moralisch erledigt trotz guter Vorschläge in Sachen Drogen- und Prostitutionspolitik und ihrer klaren Haltung zur Trennung von Kirche und Staat, die in dieser Form die liberale DP sich leider nicht zu trauen gedenkt, weil man ja mit den Christsozialisten mitregieren will ab dem Sommer diesen Jahres…

Einzig schön an diesem Tag ist, dass nun wohl endgültig der Entschluss gefallen ist, demnächst auf wordpress.com einen stringent freiheitlichen Luxemburger Blog aufzumachen.

Bisher sind wir zu viert, eine bunte Truppe. Zwei klassisch Liberale, ein anarchistischer Gewerkschaftler und ein Querdenker, der sich als Fan von SPD-Bundeskanzler Helmut Schmidt, dem wackeren Bekämpfer des RAF-Terrorismus, versteht.

Nachtrag: nachdem ich eine Nacht darüber schlief, muss ich vielleicht sagen, dass vielleicht die obige Kritik etwas zu hart ist und es der breiten Masse dort vermutlich wohl wirklich nur naiv und besten Gewissens um Frieden für die Zivilbevölkerung ging, viele vielleicht auch nicht so informiert oder unwissend sind, auch über die Geschichte Israels und sich vom Underdogimage der armen Gaza-Bewohner, die zweifellos unter diesem Militärschlag leiden, blenden lassen (ich würde lügen, wenn ich sagen würde, dass mir die Bilder von dort nicht nahegehen.). Dies macht die einseitige Haltung einer offiziellen Veranstaltung für Frieden und Gerechtigkeit (so die Organisatoren) allerdings nicht besser. Die Verantwortlichen hätten zudem einfach etwas gegen manche Symbole offen sagen müssen. Sie fielen ja nicht nur mir auf. Die Fahne Israels wurde zudem nahe an der Statue der Großherzogin auf der Place Clairefontaine (wo die Redner standen) verbrannt und dies konnte kein Veranstalter übersehen haben. Als Fussballfan weiß ich, dass oft die Masse für Fehler von einzelnen Deppen verbal abgestraft wird, aber die Masse hat wohl die Pflicht, sofern sie es dann wirklich ernst meint, solche Aktionen einfach nicht zu tolerieren. Sogesehen haben dann allerdings auch wir Freidenker versagt, aber in Zukunft werden wir zumindest im Netz wohl Widerstand leisten.

(Michael Miersch)


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Kategorie(n): Ausland 

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