Bernd Zeller 13.12.2011 20:58 +Feedback
Überfällige Würdigung des nicht zu sehenden Aufwands
Man ist leicht verleitet, sich von satirischen Filmchen berieseln zu lassen, etwa dem Beitrag „Entnazifizierungs-Aktion“ in der heute-Show, und verkennt, welches immensen Aufwands die Herstellung bedarf. Im fertigen Einspieler sieht man Martin Sonneborn, den Mann, der Titanic zu dem gemacht hat, was es jetzt ist, lustig, wie er einigen Ossis in ihren Zonenbauten mit Glatteisfragen rechtsextreme Sätze entlockt. Ja, das sieht so einfach aus. Aber die paar Sendeminuten haben harte Arbeit bedeutet.
Dazu sind viele Stunden von Versuchen nötig, bis man ein paar Leute findet, von denen man geeignetes Material kriegt. Dafür gibt es keine Castingagentur. Die unbrauchbaren Stunden sieht man im Beitrag natürlich nicht. Auch nicht die harmlosen Fragen, mit denen man die Leute dazu bringt loszuplappern.
Die haben keinen Medienberater und im Gegensatz zum Publikum noch nie eine Süddeutsche Zeitung von innen gesehen, das muss doch eine Fallhöhe abgeben, könnte man denken, aber aus den brauchbaren Schnipseln muss ja ein flüssiger Film gemacht werden. Der rote Faden ist: Die schnallen es nicht, und solche Leute sind es, die sagen, die Ausländer sollen zurück dorthin, woher sie gekommen sind. Das löst einen Lacher beim Publikum aus wegen der Erleichterung, dass hier mal nicht nach sozialen Ursachen geforscht wird und wegen des Gemeinschaftsgefühls des westdeutschen Wesens dank der Überlegenheit gegenüber dem Raum im Osten. Ausländer zurückschicken, etwa ins Ausland? Die wissen wohl nicht, wie es dort aussieht, diese Ostprovinzler.
Nein, leicht gemacht kriegt es Sonneborn nicht von seinen Gesprächspartnern, er muss sogar seine Frage: „Was hätte Hitler mit denen gemacht?“, im Beitrag lassen, weil der Befragte nicht im Statement redet: „Hitler hätte die“, was die Krönung der Montage gewesen wäre, sondern zwar historisch zutreffend antwortet, aber eben nur im Nebensatz.
Und wofür? Für uns, das Publikum, um unser Bedürfnis nach Ausgrenzung zu stillen. Man kann nicht genug danken dafür, dass dem Publikum hier ein erlaubtes Objekt vorgeworfen wird; wer weiß, wen es sich sonst suchen würde.
Wer sich die Entstehung von Hochkomik so vorstellt, dass sich mittelmäßig begabte und übermäßig bezahlte Redakteure gegenseitig sagen: „Ja, das ist lustig“, sollte doch an die Mühen denken, die ihre Arbeit bedeutet und die zwecks Eleganz im Verborgenen bleibt.
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Kategorie(n): Kultur


