Richard Wagner 12.11.2009 06:17 +Feedback
Beiträge zur Hermannstädter Logik
Kirche gerettet, Moral tot? Nach der Kritik von Herta Müller, anlässlich der Verleihung des Franz-Werfel-Preises, hat sich die Kirche Augsburger Bekenntnisses in Siebenbürgen zum ersten Mal in der Sache geäußert.
http://www.siebenbuerger.de/zeitung/artikel/rumaenien/9425-landeskonsistorium-nimmt-stellung-zu.html
Man könnte sogar meinen, ihr sei das Erinnerungsvermögen zurückgekehrt. Wäre das vorläufige Ergebnis bloß etwas konkreter ausgefallen, irdischer. Immerhin erinnert man sich jetzt, und das zum ersten Mal seit zwanzig Jahren, hinsichtlich Herta Müller und mir einen Ausladungswunsch Richtung Kirchentag ausgesprochen zu haben.
Was bisher geschah, finden Sie hier, wer es schon kennt, liest weiter.
http://www.achgut.com/dadgdx/index.php/dadgd/article/die_nashoerner_beim_tee/
Das ist dann aber auch schon alles, was die Kirche zugibt, und selbst das so Zugegebene dient noch der Selbstrechtfertigung, vor allem der Selbstgerechtigkeit. Folgt man den Beiträgern der Hermannstädter Logik, müsste man beinahe annehmen, unser geplanter Auftritt, 1989 beim Evangelischen Kirchentag in Berlin, hätte nicht dem Ceausescu-Regime geschadet, sondern die Kirche gefährdet, obwohl wir, so die messerscharfe Analyse A. B., ihr fern standen. Ferner denn je, füge ich hinzu. Und das aus gutem Grund.
Wenn es darauf ankommt, geht es wohl, auch in der evangelischen Sicht, um nichts weiter als um die Ewigkeit, und so kommt es, logo, auf den Bestand der Kirche an. So weit die Theologie der Institutionen, die sich gerne auf Gott beruft, ohne ihn wirklich zu meinen. Die Ewigkeit ist gesichtslos, sonst bräuchte sie nicht den Jüngsten Tag, und weil das so ist, kommt es mehr noch als auf den Bestand, auf die Bestände an. Meine ich.
Gott ist zwar nicht Jesus, aber dafür hat er diesen ja auch geschaffen. Und wer sich nicht auf Jesus beziehen will, der sollte sich auch nicht auf Gott berufen, und im Übrigen auch nicht Jesus überspringen, um sozusagen auf kürzestem Weg zu Paulus zu gelangen, so, als ginge das, vom Hölzchen aufs Stöckchen, und umgekehrt auch.
Zwei der Akteure aus Hermannstadt, Bischof Klein und sein Überlebens-Theologe Philippi, haben sich nun in der Kirchenaffäre zu Wort gemeldet. Sie sind vor Ort weiterhin in Amt und Würden, womit der Beweis erbracht ist, dass die Kirche, trotz unseres geballten Dissidentensperrfeuers überlebt hat, und das dank ihrer sozialen Kompetenz am kalten Büffet. Wir gratulieren!
http://www.siebenbuerger.de/zeitung/artikel/rumaenien/9426-si-tacuisses.html
Die zentrale Botschaft der Bibelbuchstabierer A.B.: Sie hätten in allem aus eigener Initiative gehandelt, und nicht auf Betreiben der Securitate. Dieser Aussage kann man nur schwer folgen, falls sie aber dennoch zutreffen sollte, macht sie die Sache insgesamt nur noch schlimmer. Es wäre ein Paradebeispiel für den vielgescholtenen vorauseilenden Gehorsam, der das Leben so mancher Diktatur verlängert hat.
Man könnte jetzt natürlich, Pünktchen für Pünktchen, die zum Teil dreisten Argumente des Theologen Philippi widerlegen, aber zu welchem Zweck? Der Mann ist unbelehrbar, das steht fest. Mit seinem Fall wird einem klar: Die Kirche hat tatsächlich überlebt, aber nicht als moralische Instanz. Und, angesichts der aktuellen Philippischen Unverfrorenheiten, sei gesagt: Es hat auch ganz andere Kirchen und Kirchenamtsinhaber im Ostblock gegeben, etwa die katholische Kirche in Polen und Wojtila. Sie hat gekämpft, und sie hat auch überlebt. Der Unterschied: Sie hat den Sieg der Freiheit mit errungen, die Evangelische Kirche in Siebenbürgen hat von dieser Freiheit mit profitiert. Sie profitiert heute noch, und empfiehlt weiterhin ihre Strategie des gebückten Gangs. Statt Aufklärungswillen hält sie Beiträge zur Brettl-Seite der Logik bereit. So long and Thanks for All the Fish!


