Dr. Oliver Marc Hartwich 26.07.2008 20:42 +Feedback
Australische Trockenübungen
Das Projekt “Umzug nach Australien” geht weiter. Seit Anfang der Woche wird nun mein Visumsantrag bei der australischen Botschaft in London bearbeitet, was ich zunächst daran bemerkte, dass man mir als erstes die Gebühr von 725 Pfund von meinem Konto abgebucht hat. Ein paar Tage später dann die Aufforderung, nun noch dringend ein deutsches Führungszeugnis in beglaubigter Übersetzung beizubringen (was zu diesem Zeitpunkt schon längst beantragt war, aber eben seine Zeit braucht). Eine Geburtsurkunde wollte man auch noch sehen, zum Glück aber nur in beglaubigter Kopie und nicht in beglaubigter Übersetzung der beglaubigten Kopie. Die Deutschkenntnisse meines Sachbearbeiters ersparen mir damit 63 Pfund.
Heute schließlich hat mir der von den australischen Behörden bestellte Arzt eines Londoner Privatkrankenhauses bestätigt, dass ich für das Land gesund genug bin - jedenfalls, wenn auch die angeforderten Röntgen-, Hepatitis-, HIV- und sonstigen Bluttests gut ausfallen. Mit den 330 Pfund für den medizinischen Check belaufen sich die Kosten meines Antrags auf ein Ehepartner-Visum bislang auf etwa 1.200 Pfund.
Manchmal haben europäische Menschenrechtskonventionen doch ihr Gutes: Als meine Frau vor zwei Jahren über meine EU-Staatsbürgerschaft eine Aufenthaltsgenehmigung für Großbritannien beantragte, da war das zwar nicht minder bürokratisch, aber immerhin kostenlos. Begründung: Der grundrechtliche Schutz von Ehe und Familie in Europa. Aber auf den Beitritt Australiens zur EU wollten wir dann doch nicht warten.
Immerhin lassen mich die Australier noch während der Bearbeitung meines Antrags in ihr Land einreisen. Das wird normalerweise nicht gerne gesehen, denn man könnte ja auf den Gedanken kommen, direkt dazubleiben. Aber ich habe wenigstens eine gute Entschuldigung: Am Dienstag werde ich via Sydney zu einer Konferenz nach Queensland fliegen, an der unter anderem der australische Regierungschef und der Oppositionsführer teilnehmen werden. Eine bessere Gelegenheit, sich in die australische Politik einzuarbeiten, gibt es wohl nicht.
Also habe ich keinen Moment gezögert, die Einladung anzunehmen - auch wenn ich schon wieder zurückfliegen muss, noch ehe ich wirklich in der Eastern Time Zone (9 Stunden vor London) angekommen bin. Ach so: Ich fliege natürlich Qantas. Wenn ich Glück habe, müssen wir nicht zwischendurch in Manila notlanden. Und wenn alles gutgeht, bin ich schon nächste Woche Mittwoch wieder zurück in London.
Der Rest des Umzugs kommt mir derweil vor wie eine große Trockenübung. Man kann alles Mögliche organisieren, aber bis es dann endlich soweit ist, werden noch etliche Wochen vergehen. Zum Beispiel kann man bereits von London aus ein australisches Bankkonto eröffnen. Die großen australischen Banken haben sich inzwischen auf britische Auswanderer eingerichtet und bieten zentrale Umzugsseminare an. Wir haben uns direkt für das nächste Mitte August angemeldet. Auch holen wir nun Angebote von Umzugsdiensten ein und machen uns schon Gedanken, wie wir möglichst schnell unsere europäischen Führerscheine in NSW Driving Licences umwandeln können.
Aber am liebsten schauen wir uns schon einmal virtuell auf dem Wohnungsmarkt von Nord-Sydney um. Denn bei einem Blick in die dortigen Angebote fällt einem schlagartig wieder ein, warum sich der ganze Aufwand dieses Umzugs für uns lohnt. Für so etwas, zum Beispiel (doch irgendwie attraktiver und preis-werter als Londoner Wohnungen).
Und für das Wetter natürlich. In Sydney und Queensland war es in diesem Juli bislang in etwa so warm und sonnig wie hier in London. Nur nennt man das da unten Winter. Ich werde mir ein paar warme, kurzärmelige Hemden für die nächste Woche einpacken.
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Kategorie(n): Ausland

