23.07.2012   18:43   +Feedback

Auf sie mit Gesang!

Entschiedene Kreise beim DFB haben sich kritisch zur Singpflicht bei internationalen Fussballspielen geäußert. Der Versuch, bisher nicht singende Nationalspieler zum Absingen der Nationalhymne zu zwingen, sei unausgegoren und halbherzig. Wenn schon Singzwang, so die Kritiker, dann müsse man den bisherigen Hymnenverweigerern auch eine Mindestlautstärke beim Gesang abverlangen.

Sonst bestehe bei der hymnenskeptischen Einstellung einiger Spieler die Gefahr, dass sie lediglich ihre Lippen bewegen und so den Anschein erwecken, sie würden singen, während sie in Wirklichkeit über die Strategie des vor ihnen liegenden Spieles nachdenken. Eine solche Haltung sei nicht akzeptabel. Lautloses Gesangmimen bringe keine Verbesserung sondern verstärke noch den Eindruck, dass einige Spieler zu ihrem Deutschtum nur Lippenbekenntnisse abgeben.

Es sei unveständlich, dass der DFB bisher nicht bereit sei, in einer so entscheidenden Frage die moderne Technik einzusetzen. Dabei sei es doch ein Leichtes, an jedem Spieler ein Drahtlosmikrofon anzubringen. Auf diese Weise könne man nicht nur das Volumen des Gesangs verstärken sondern auch überprüfen, ob einer bei bewegten Lippen stumm bleibt.

Notorische Singverweigerer könne man des Platzes, ja in besonders harten Fällen des Landes verweisen. Auch künstlerisch seien Mikrofone von Vorteil. Mit ihrer Hilfe könne man Falschsänger herausfiltern und ihnen für das nächste Spiel gesangspädagogisch zu einem schöneren Klangbild verhelfen. Damit würde auch die Ausrede einiger Nichtsänger nichtig, die sich für unmusikalisch erklären und behaupten, sie würden nur aus Rücksicht auf ihre Nachbarn nicht singen.

Im Übringen müsse man sich durchaus fragen, ob ein nicht oder schlecht singender junger Mann überhaupt für fussballerische Höchstleistungen taugt. Fussball verlange wie der Gesang eine künstlerisch zu nennende Köperbeherrschung. Im Grunde könne man sagen: Fussball ist Köpergesang; der Ball ist das Stimmband des Kickers. Vieles spreche fuer die These, dass, wer nicht singen kann, auch nicht Fussball spielen kann. Oder wenn doch, dann allenfalls als Blutgrätschenspezialist in der Hintermannschaft.

Am besten wäre es, den Nationalgesang bei der Spielbewertung in geeigneter Weise mit zu berücksichtigen. So könnte eine gut geschmetterte Hymne ein Abseits wettmachen oder eine zusätzliche Ecke einbringen. Denkbar sei auch, für herausragenden Gesang einen Elfmeter zu gewähren.

Dies könne allerdings zu diplomatischen Verwicklungen führen. Die Spanier, die ihre Hymne ja gar nicht singen, könnten hier einen Verfahrenstrick vermuten, der es ihnen unmöglich machen soll, ihren Welt- und Europameistertiteln weitere hinzuzufügen. Es gibt allerdings Gerüchte, dass die Spanier bereits an einem Gesangstext für ihre Hymne schreiben. Sie seien überzeugt, dass sie die schwerzüngigen Deutschen auch gesanglich schlagen können, selbst dann, wenn die bisher stummen Spieler mit Migrationshintergrund mitsingen sollten.     

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Kategorie(n): Inland  Kultur 

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