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  03.10.2009   20:39   +Feedback

Am Ende des Ganges 4

Indien - das ist maximale Freundlichkeit mit optimaler Ineffizienz. Jeder Job ist doppelt und dreifach besetzt. Einer bringt die Cola an den Tisch, ein zweiter macht sie auf. Beim Verladen des Gepäcks in einen Bus gibt es einen, der die Koffer wuchtet und einen zweiten, der ihm sagt, wie er es machen soll. Beim Einsteigen ins Flugzeug kontrolliert eine die Bordkarte - und reicht sie an eine Kollegin weiter, die sie an den Passagier zurück gibt. Überhaupt: Wer nur einmal Air India geflogen ist, fragt sich, wie ein Land mit über einer Milliarde Menschen regiert werden kann, wenn es schon zwei Stunden dauert, 60 Reisende in eine Maschine zu packen.
Die Sache hat natürlich auch ihre guten Seiten. Als Gast des Maharadscha habe ich nicht nur einen Wagen zur Verfügung, sondern auch einen Fahrer und einen Begleiter. Es dauerte allerdings eine Weile, bis ich begriff, dass ich nicht einfach die Fond-Tür aufmachen und aussteigen, sondern warten sollte, bis der Fahrer ausgestiegen und um den Wagen gegangen war, um mir die Tür aufzumachen. Mein Begleiter seinerseits war beleidigt, weil ich meine Einkaufstüten selber tragen wollte. Er hat sie mir regelrecht aus der Hand gerissen. Ein Massanzug, den ich heute früh bei “Jodhpur’s Royal Tailor”, dem Schneider des Maharadscha und seiner Familie, bestellt habe, ist 24 Stunden später fertig. So was gibt es bei uns nicht einmal im Hinteren Kandertal. 

(Henryk M. Broder)


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Kategorie(n): Ausland 

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