12.04.2012   18:14   +Feedback

Agenten der Erinnerung

Wir sind Gedächtnis-Agenten, deren Aufgabe es ist, den Rest der Welt zu jeder Zeit - sei es Smalltalk, Tischgespräch oder eine große Diskussionrunde - daran zu erinnern, was den Juden passiert ist; im Holocaust oder in den Kriegen, oder einfach daran, dass alle Welt die Juden hasst. Wenn sie es nicht wissen sollten, ich bin da, um sie daran zu erinnern. Wir müssen uns erinnern - ohne Frage -, aber wir müssen auch lernen zu vergessen. Wir müssen lernen, Kritik von anderen zu ertragen, ohne sofort davon auszugehen, dass sie uns schaden wollen. Wir sollten lernen, Menschen wie Günter Grass reden zu lassen, ohne ein Drama daraus zu machen. Denn das Drama ist manchmal gefährlicher als es die Worte sind. Auch Günter Grass ist gefangen. Auch er ist ein Gedächtnis-Agent, geformt von den Symbolen seiner Kindheit…
http://www.stern.de/politik/ausland/israel-von-israel-aus-gesehen-das-recht-zu-vergessen-1812163.html

Ahmadinejad spricht andauernd davon, den Staat Israel zu zerstören und die Juden zu töten. Das ist Fakt. Wir wissen nicht, ob er das ernst meint oder nicht. Auch Hitler kündigte in »Mein Kampf« die Auslöschung der Juden an, und niemand nahm das ernst. Jedenfalls ist klar, dass Ahmadinejad nicht der nette Typ von nebenan ist. Er ist ein Dummkopf. Und wenn Grass so über ihn denkt, macht ihn das auch ein bisschen zum Dummkopf. Wie gesagt, ich denke nicht, dass Grass ein Antisemit ist, denn ein Antisemit würde sich schlauer verhalten. Aber es ließen sich so viele schreckliche Dinge auf der Welt finden, über die er ein Gedicht schreiben könnte. Aber Grass möchte etwas haben, woran er den Juden die Schuld geben kann. http://jungle-world.com/artikel/2012/15/45228.html

Die Pläne von Ahmadinedschad sind mit denen Hitlers identisch. Auch er plant die Auslöschung des israelischen Volkes. Eigenartigerweise sind es in beiden Fällen je sechs Millionen. Und Ahmadinedschad, der seine Mordabsichten nicht verheimlicht, wird von Günter Grass praktisch als Opfer Israels dargestellt. Wie viel Bösartigkeit und Antagonismus muss man noch offenbaren, um den Paranoia-Hass von Ahmadinedschad als wahr zu bewerten? http://www.juedische-allgemeine.de/article/view/id/12758

Für Grass geht von amerikanischen, russischen, britischen, französischen, chinesischen, indischen und pakistanischen Atombomben keine Gefahr aus. Und auch eine iranische Atombombe stellt nicht wirklich eine Bedrohung dar. Was unsere Welt wirklich an den Rand der Zerstörung bringen könnte, sind die Atomwaffen, die Israel zugeschrieben werden. Die Fähigkeit der Juden, sich selbst zu verteidigen und damit ihre Vernichtung zu verhindern, raubt dem Moral-Guru aus Lübeck den Schlaf… Es liegt darin der Versuch, Israel das moralische Sicherheitsnetz abzusprechen, das die Basis für das strategische Sicherheitsnetz darstellt, das wiederum die Existenz des Staates Israel garantiert. Dieses Mal werden nicht die Besatzung und die Siedlungen angegriffen, sondern Dimona. Der Vorkämpfer der europäischen Linken versucht jetzt, Israel die Macht der Abschreckung abzusprechen, auf der seine Sicherheit beruht. http://embassies.gov.il/berlin/NewsAndEvents/Kommentare/Pages/Guenter-Grass-und-das-Schweigen-der-Linken.aspx

Das Einzige, was ich Ihnen zu diesem Projekt liefern kann, ist: Günter Grass ist natürlich kein Antisemit. Wer bei uns einen anderen einen Antisemiten nennt, gesteht dadurch, dass er seiner eigenen Argumentation nicht vertraut, also flieht er zum Totschlagwort schlechthin. Wenn unsere Auseinandersetzungen noch das Fairness-Niveau eines normalen Fußballspiels hätten, würde der Gebrauch des Totschlagworts die sofortige Disqualifikation bringen. http://www.zeit.de/2012/16/Walser-Interview

Grass aber hat seit Jahrzehnten immer wieder dies gemacht: zur Wiederwahl regierender Kanzler aufgerufen, wenn sie nur Sozialdemokraten, also das „geringere Übel“ waren. Zola hat sich in der Dreyfuss-Affäre nicht gefragt, was das geringere Übel wäre, sondern er hat ein Übel benannt und es bekämpft. Mir ist keine Unterstützung Zolas für irgendeinen Regierenden oder Herrschenden bekannt. Das ist der Unterschied, und mir ist schleierhaft, wie Grass jemals mit einem „deutschen Intellektuellen“ verwechselt werden konnte. Er ist ein gefundenes Fressen für jene Medien, die zynisch oder womöglich ernsthaft glauben, dass ihr Dünnschiss, den sie nach dem Fressen haben, eine wichtige Nachricht in der Rubrik „Shit happens“ ist. http://www.news.at/articles/1215/512/324557/gedicht-guenter-grass-clown-medienindustrie

Politisch zu Ende gedacht, hieße das die Aufkündigung der Solidarität mit Israel. Noch ist sie Staatsräson - aber würde sich deutsche Außenpolitik nach den jüngsten Umfragen richten, könnte das alte Blatt sich eines Tages noch wenden. Einer Schlussfolgerung wie dieser versucht der Pamphletist zuvorzukommen mit der Floskel, er sei mit dem Land Israel „verbunden“. Woran liegt es, dass mich bei diesem Wort ein Frösteln überkommt? Es erinnert mich an die Bekundungen brüderlicher Verbundenheit unter den latent verfeindeten Führern der ehemaligen Ostblockstaaten. http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/durs-gruenbein-zum-fall-grass-er-ist-ein-prediger-mit-dem-holzhammer-11714446.html

Auf die Frage, was Grass in diesem Jahr noch an Veröffentlichungen plane, gibt sich sein Sekretariat bedeckter als der Verlag: “Herr Grass ist Schriftsteller, er schreibt immer”, heißt es aus Behlendorf. Und wenn er etwas schreibe, wolle er das auch veröffentlichen. Was das genau heißt, lässt die Auskunft des Verlags vermuten: Für den Herbst sei ein Gedichtband geplant. Ob es ein dem Israel-kritischen Gedicht entsprechend politisches Werk werde, sei noch unklar. http://www.stern.de/kultur/buecher/ein-paar-fragen-zu-grass-das-buch-zum-eklat-1812473.html#utm_source=standard&utm_medium=rssfeed&utm_campaign=kultur

Günter Grass ist die bei Weitem berühmteste Stimme des Landes, es wäre unanständig, es sich mit ihm leichter zu machen. Auch die ZEIT hat sehr wohl erwogen, sein Gedicht zu drucken. Man möchte fast sagen: Es gehört sich nicht, einen Grass nicht zu drucken. Aber es wäre in der ZEIT auch niemand bereit gewesen, das Gedicht gegen die erwartbare Empörung zu verteidigen, nicht einmal als notwendigen Anstoß zu einer Debatte. Und in der Tat ist die Nahost-Debatte denn auch, nach Tagen gewaltigen Flügelschlagens, genau dort wieder gelandet, wo sie zuvor schon stand: bei der Erkenntnis eines bedrohlichen Konflikts zwischen Israel und Iran, der durchaus den »Weltfrieden« gefährden kann, wie Grass pathetisch zuspitzt – aber eben keineswegs zuvörderst durch verantwortungsloses Agieren der »Atommacht Israel«, wie er suggeriert.
http://www.zeit.de/2012/16/Grass-Debatte

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Kategorie(n): Kultur 

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