Unterstützung für Achgut

  30.12.2011   15:55   +Feedback

Adieu, Herr Hawelka!

Beim letzten Besuch im „Hawelka“, da hab‘ ich ihn vermisst. Es war im November und er war nicht da und ich dachte mir: „Er wird frei haben“. Nun ist Leopold Hawelka im Alter von hundert Jahren gestorben. Natürlich wird es weitergehen in diesem herrlichen Wiener Kaffeehaus; aber es wird nie mehr das selbe sein. So wie früher. So wie ganz früher, als Herr und Frau Hawelka das legendäre Etablissement führten. Sie erklärte mir einmal die Männer, unaufgefordert und das Fazit ihrer Ausführungen lautete, dass man die Männer nicht allzu ernst nehmen sollte. Ich war damals sehr jung und aus heutiger Sicht kann ich nur sagen: Sie hatte Recht, die gute Frau Hawelka. Ich habe viele schöne Stunden dort verbracht, am schönsten waren jene, die ich eigentlich in der Schule hätte verbringen sollen. Aber meine Philosophie lautete, dass man mehr lernt, wenn man alle Zeitungen liest. Und so ging ich morgens häufig ins Kaffeehaus.

Als ich eine Zeitlang in Halle an der Saale arbeitete, kam ich nur einmal im Monat nach Wien und fuhr natürlich umgehend nach der Landung ins Kaffeehaus. Dort gab es einen entzückenden Kellner, dem mein Schicksal völlig rätselhaft erschien: „Was wollen Sie denn in der ehemaligen DDR? Finden Sie in Wien keinen Job?“, fragt er jedes Mal fassungslos. Auch er hatte natürlich Recht, was will man in der ehemaligen DDR, wenn man gleichzeitig auch in Wien im Kaffeehaus sitzen kann? Das Hawelka war immer ein sehr schöner, sehr weiser Ort.

Mein Lieblingskellner servierte mir in meiner Hallenser Zeit auf Diensturlaub immer ein großes Frühstück und weigerte sich, Geld dafür zu nehmen. Er lud mich immer ein, weil ich ihm so leid tat. Irgendwann war der Kellner verschwunden, jemand erzählte mir, er hätte sein eigenes Kaffeehaus eröffnet. Und jetzt? Was machen wir jetzt? Jetzt, wo die Hawelkas beide tot sind, wird das Hawelka auch weiterhin geöffnet sein. Manchmal war er ein bisserl grummelig, der alte Herr Hawelka. Aber das gehörte zu ihm, zum Kaffeehaus. Trotz Rauchverbot (eine spinnerte EU-Erfindung), so lese ich, hat er seinen Gästen stets einen Aschenbecher hingestellt. Weil einen, der hundert wird, den interessieren EU-Gesetze nicht wirklich. Man kann nur hoffen, dass es im Himmel Buchteln gibt.

Silvia Meixner ist Journalistin und Herausgeberin von http://www.good-stories.de

()


Permanenter Link | Druckversion

Kategorie(n): Bunte Welt 

Helfen Sie uns Die ACHSE DES GUTEN noch besser zu machen
und auszubauen!

Spendenkonto
Kontonummer: 4893891
Augusta-Bank, Augsburg
Bankleitzahl 720 900 00
Internationale Bankleitzahl BIC GENODEF1AUB
Internationale Konto-Nr. IBAN DE93720900000004893891

Google-Anzeige