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  16.09.2009   23:01   +Feedback

Abzug der Kultur

Letzte Woche haben sich in einer Friedens-Aktion des Wochenblatts „der Freitag“ 25 Künstler und Schriftsteller für den Abzug der Bundeswehr aus Afghanistan ausgesprochen. Nicht sofort, aber aufgrund eines Zeitplans, innerhalb von zwei Jahren.

Ungefähr so steht es auch im Wahlprogramm der Linkspartei und auf deren dreisten Plakaten. Aber auch dem Kanzlerkandidat der SPD, Frank-Walter Steinmeier, scheint die Idee gut gefallen zu haben. Sein Büro ging noch am Sonntag, kurz vor dem Nullsummenspiel mit der Kanzlerin, mit einem moderaten Afghanistan-Vorschlag an die Öffentlichkeit. Die SPD, doch nicht mehr als eine gemäßigte Linkspartei? Oder war alles nur ein genialer Schachzug von Ehren-Taliban Willemsen, einem der Unterzeichner?

Nun hat jeder das Recht parteiisch zu sein, auch in der Afghanistanfrage. Vielleicht war seinerzeit die Einschätzung des Ex-Verteidigungsministers Struck bezüglich unserer Verteidigung am Hindukusch ja überzogen. Die Bundeswehr verteidigt dort aber nicht nur unsere Sicherheit, sondern vor allem die der Einheimischen. Ohne Bundeswehr und NATO übernehmen die Taliban wieder das Land. Und zwar sofort, und mit allen Konsequenzen.

Und genau das ist das Problem. Und dazu steht in dem Aufruf der 25 ein skandalöser Satz: „Der Gegner ist keine Armee, sondern eine Kultur“. Pardon! Eine Kultur? Die Taliban?

Thierry Chervel hat daraufhin im „Perlentaucher“ den Aufrufenden die Übernahme rechter Werte vorgehalten. Chervel wörtlich: „Die Rechte war dabei ehrlicher, weil sie diese Werte und die daraus resultierenden Zwänge auch fürs eigene Milieu einforderte. Die Linke aber hat für die ‚anderen Kulturen’ ein anderes Programm als für die eigene. Sie ist also nicht nur reaktionär, sondern rassistisch.“ Das saß.

Und so griff gestern der Chef persönlich zur Feder. Freitags-Herausgeber Jakob Augstein. Und damit erfuhren wir in der Kulturfrage noch mehr Erstaunliches: „Konflikte, die kulturelle Wurzeln haben, sind mit Waffengewalt nicht zu lösen“, schreibt Augstein. Und wenig später erreicht er tatsächlich die Spitze der salonlinken Erkenntniskletterwand: „Der Universalismus der Menschenrechte droht unter den Bedingungen des globalen Kapitalismus leicht zum Kultur-Imperialismus zu werden.“

Habe ich etwas verpasst, in den letzten Jahren? Gab es eine von mir unbemerkt gebliebene feindliche Übernahme von Aufklärung und französischer Revolution durch das Kapital? Und ich Ahnungsloser dachte immer, da sei was mit Stalin gewesen oder gar mit Mao. Mao? Bei den Taliban, wo sogar die Pekingoper verboten war, wäre der ja ein Dissident!

Liebe 25 besorgte Kollegen, warum verfasst ihr nicht einen Aufruf zur Unterstützung Chinas, Ehrengast der Frankfurter Buchmesse, das schon im Vorfeld der Veranstaltung von Anhängern der Universalität der Menschenrechte bedrängt und schlechtgeredet wird? Wirklich, ihr könnt China jetzt nicht allein lassen!

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Kategorie(n): Inland  Ausland  Kultur 

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