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  12.04.2009   12:11   +Feedback

Ab nach Afghanistan!

Von Jost Kaiser

Vom Rechtsstaat profitieren am meisten die, die ihn ablehnen.

Mörder werden nicht ermordet. Diebe nicht enteignet. Brandstiftern und brutalen Prüglern wird nicht die Bude angezündet und die Arme gebrochen.

Deshalb ist es so lustig in der Demokratie Krieg zu spielen: die vom Londoner Bürgermeister Boris Johnson völlig zutreffend als “Heinis mit Nasenringen” bezeichneten Mittelschichtskinder, die so gern Krieg spielen, wie jetzt beim Nato-Gipfel, sie wissen ja: passieren wird ihnen nichts. Selbst wenn sie noch so brutal gegen die Polizei vorgehen, bis hin zum Mordversuch – der Gegenseite bei diesen Geländespielen für Erwachsene sind im demokratischen Rechtsstaat die Hände gebunden. So bleibts beim Kriegsspiel mit Krankenversicherung und Grundrechten. Lustiger als Gotcha ist das auf jeden Fall. Vereinzelte Heinis mit Nasenringen, die im Graben zurückbleiben, so wie in Genua, sind die Ausnahmen, die die Regel bestätigen. Und sie werden von der “Bewegung” heftig bejubelt, scheinen sie doch der Beweis zu sein, dass es doch um den herbeifantasierten realen Krieg unter Männern geht und nicht um einen Klassenausflug von erlebnisarmen Oberstufenkindern.

Es ist das Hobby der Erlebnisarmen. Der erste Mai in Kreuzberg und Besuche des amerikanischen Präsidenten als August 1914 für gelangweilte Gymnasiasten und kryptofaschistische Autonomenbanden. Egal, wie sie sich sich jeweils nennen: Sie sind der Mob. Endlich gehts los. Endlich die große Reinigung. Endlich Krieg, bei dem man die wahrscheinlich vor dem Spiegel eingeübten kitschigen, theatralischen Streetfighter-Posen vor den Fernsehkameras in Szene setzen kann.

Weil es keine Gewalt gibt in bürgerlichen Rechtsstaaten, jedenfalls nicht so flächendeckend wie von den “Heinis mit Nasenringen” herbeigeredet und gesehnt, muss welche erfunden werden.

Die geniale Erfindung der extremen Linken: Dinge zu sehen, die sonst keiner sieht, weil sie nicht da sind. Nicht nur, dass hinter jedem Gartenzwerg der “Faschismus” lauert. Auch, wo der nicht steht, sondern der gute Geschmack der Mittel- und erst recht der Oberschicht regiert, ist erst recht alles im Argen. Denn: dort wird “strukturelle Gewalt” ausgeübt.

Mit dieser Fata Morgana läßt sich noch jede Gegengewalt begründen. Auch wo Hase und Igel sich Gute Nacht sagen, Kinder in blumenübersehten Gärten spielen und glückliche Kühe grasen – dort ist keineswegs alles in Ordnung, denn die “strukturelle Gewalt” führt ihr bitterböses Regiment!

Es ist ein bitterböses Erbe der Linken, dass deren führende Vertreter sich mental von diesem Unsinn eben doch nicht völlig losgesagt haben. Warum Christian Ströbele am Kinderkriegsschauplatz auftaucht, um irgendwie zu vermitteln, so, als seien Mob und Polizei gleichberechtigte Sparringspartner, ist völlig unverständlich.

Wichtiger ist aber etwas anderes: Bin Laden hatte recht. Der Kriegsphilosoph aus Arabien hat einmal gesagt: “Der Westen ist innerlich schwach”.

Seit vierzig Jahren phantasiert sich die linke Großstadtjugend einen Feind zusammen, den es nicht gibt. Sie war in diesen letzten Jahrzehnten so ziemlich gegen alles, von dem sie entscheidend profititierte: Sie warf Steine gegen die Marktwirtschaft, sie verlachte die lang erkämpfte Demokratie als “formal”, Bürgerlichkeit war allweil “faschistisch”, die Nato unter deren Schirm sich so prächtig leben ließ war “imperialistisch” und die USA sowieso. Jetzt ist die Globalisierung der Feind, die unter anderem dazu geführt hat, dass die indische Volkswirtschaft nicht mehr ausschließlich davon abhängig ist, ob westliche Bürgerkinder-Hippies dort ihre wallenden Gewänder bestellen.

Bis heute wird dieser Großstadtjugend irgendwie zugute Gehalten, ihren jugendlichen Furor und erhöhter Empfindsamkeit über die Stränge zu schlagen.

In Wahrheit ist diese Jugend nicht besonders empfindsam für die Probleme der Welt, sondern sie ist gefangen in totaler Wahrnehmungsverweigerung.

Nicht die Nato ist auf der Welt das Hauptproblem, sondern Nordkorea und Iran.

Nicht die irgendwie abstrakt bleibenden Ausgbeuteten und Unterdrückten dieser Welt brauchen unsere “Solidarität”, sondern konkret die Menschen in Afghanistan.

Sie wollen Krieg. Warum gehen die Streetfighter nicht nach Afghanistan? Dort haben sie ihren Krieg. Echten. Und natürlich kann geschossen werden.

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Kategorie(n): Kultur 

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