Beiträge von Vera Lengsfeld
Kategorien
Archiv
06.01.2012 10:52
Wulff zum Letzten
Wulff wollte, so wird kolportiert, Krieg und er hat ihn bekommen. In der Medienschlacht gerät, wie in vielen anderen Schlachten, leicht in Vergessenheit, worum es eigentlich geht.
Eben nicht um Sieg für Bild oder Wulff, sondern es geht darum, ob Gesetze und Regeln, in diesem Fall die Antikorrupionsrichtlinien des Landes Niedersachsen für alle gelten, auch für den Ministerpräsidenten. Da kann es nur eine Antwort geben: Ja und zwar zu allererst. Dies bis heute nicht erkannt zu haben, werfe ich Christian Wulff vor. Statt dessen inszeniert er sich als das unschuldige Opfer vom Lande, das von der Meute gehetzt wird, obwohl es sich nichts zuschulden kommen ließ. Das Gegenteil ist wahr.
Deshalb noch mal die Knackpunkte:
Wulff: “Das hätte ich sagen sollen, wenn ich es heute noch mal entscheiden könnte von vornherein, dann würde ich heute in dem Moment, wo ich dieses …
05.01.2012 15:08
Bundespräsident Wulff lässt Einsicht vermissen
Das gestrige Interview des Noch-Bundespräsidenten war eine Zumutung.
Wulff zeigte, wie bei seiner ersten Stellungnahme im Dezember, weder echte Einsicht, noch Schuld- oder Unrechtsbewusstsein. Das gesamte Interview durchzieht eine unverfrorene Unterstellung: Alle seine Handlungen seien im Prinzip richtig gewesen, maximal wurden PR-Fehler gemacht und die Öffentlichkeit habe sich eigentlich eh aus der Bewertung von Privatangelegenheiten herauszuhalten. Er entschuldigte sich nur pro forma, wo es unvermeidlich war.
Ob Upgrade von Flugtickets, Gratis-Übernachtungen bei Freunden oder Annahme von Krediten: Bundespräsident Wulff entlastet sich selbst, obwohl dies in solchen Fällen objektiv gar nicht möglich ist.
Auch das privat finanzierte Gutachten seiner Anwälte, die versichern, alles sei in Ordnung, ist keine Entlastung. Nicht nur, weil es nach wie vor Ungereimtheiten gibt. Da wird zum Beispiel festgestellt, dass ein Upgrade bei der Lufthansa ausschließlich von Privatmeilen getätigt wurde, obwohl private und dienstliche Meilen über ein Konto liefen.
…
03.01.2012 18:31
Rettet das Bundespräsidentenamt - nehmt Gauck !
Wenn der Bundespräsident gehofft hatte, sich über die Weihnachtspause vor seinem Geiz –ist- geil- Skandal retten zu können, hat er sich gründlich getäuscht. Im Netz und in den Medien dominiert ein Thema: Wulffs Versuch, durch Intervention beim Bild-Chefredakteur Diekmann, beim Verlagschef Döpfner und sogar bei Verlegerin Friede Springer die Veröffentlichung seiner Kreditaffäre zu verhindern. Wie konnte der Noch-Bundespräsident sich so vergessen und seine Drohungen auf dem Anrufbeantworter verewigen? Die Antwort ist ganz einfach: Wulff ist Opfer der Arroganz der politischen Klasse, die längst agiert, als würden die Regeln für die Normalbürger nicht für sie gelten.
Nicht, dass Wulff glaubt, sich mit dürren Erklärungen, in denen er nur einräumt, was ihm ohnehin schon nachgewiesen wurde, im Amt halten zu können, ist inzwischen der größte Skandal. Nein, es ist die Weigerung der Opposition, vom Bundespräsidenten Konsequenzen zu fordern. Angefangen von Siegmar Gabriel, dem Möchtegern- Kanzlerkandidaten der SPD, der zwischen den …
01.01.2012 17:39
Neujahrsansprache einer Bürgerin an ihre Kanzlerin
Ohne ein Lächeln haben Sie mir gestern ein frohes neues Jahr gewünscht. Sie seien stolz auf mich, meine Tatkraft hätte Deutschland erfolgreich und menschlich gemacht. Ich fühle mich geschmeichelt. Ich würde Ihnen gern Ihr Kompliment zurückgeben. Das wird leider schwierig.
Nach dem kurzen arabischen Frühling, mit dem Sie ihre Ansprache einleiteten, folgte gleich die „verheerende Reaktorkatastrophe“ in Japan, der wir offenbar die „tiefgreifenden Veränderungen“ zu verdanken haben, die Sie uns für 2012 ankündiren. Warum das kommende Jahr eigentlich schwierig werden soll, obwohl Deutschland so gut dasteht, der Euro für die Wirtschaft so segensreich ist und die Arbeitslosigkeit niedrig, wie seit zwanzig Jahren nicht mehr, verraten Sie uns nicht. Natürlich, die Staatsschuldenkrise, die Sie beiläufig erwähnen, könnte etwas mit den zu erwartenden Schwierigkeiten zu tun haben, aber das führen Sie lieber nicht aus.
Dafür wissen Sie genau, dass sich viele von uns „Gedanken um die Sicherheit unserer …
01.01.2012 15:35
Theodor Fontane zum Ersten!
Ein neues Buch, ein neues Jahr -
Was werden die Tage bringen?
Wird’s werden, wie es immer war,
halb scheitern, halb gelingen?
Ich möchte leben, bis all dies Glühn
rücklässt einen leuchtenden Funken.
Und nicht vergeht wie die Flamm’ im Kamin,
die eben zu Asche gesunken.
In diesem Sinne wünsche ich allen Achse-Lesern ein gutes neues Jahr!
31.12.2011 18:55
Die Atomkanzlerin und ihr präsidialer Supergau
Welch ein Glück, dass dieses hysterische 2011 heute endlich zu Ende geht. Ein Jahr, der Katastrophen, die für mindestens ein Jahrzehnt ausgereicht hätten, vor allem, wenn man die bloß Gefühlten dazurechnet.
Erinnert sich noch jemand an den „Dioxinskandal“ zu Beginn des Jahres? Tagelang wurden wir von den Qualitätsmedien unseres Landes und einer sich zuständig fühlenden Ministerin, deren Namen sich niemand merken will, damit bombardiert, welche Gefahren in den Eiern auf uns lauern, vorausgesetzt, wir sind in der Lage, etwa einen Kilo pro Tag zu verspeisen, damit die versprochene Übelkeit nach einem Jahr auch eintritt. Wir konnten uns den exzessiven Eierkonsum sparen, denn uns wurde schon von der Berichterstattung schlecht.
Im März gab es nach einem fürchterlichen Tsunami in Japan 15 000 Tote, was bestenfalls in Fußnoten vermerkt wurde. Entscheidend für die deutsche Wahrnehmung war, dass ein Atomkraftwerk von den Naturgewalten so mitgenommen wurde, dass es Schaden …
30.12.2011 20:15
Heute hat Theodor Fontane Geburtstag
Zu den bekanntesten Gedichten Fontanes gehört „John Maynard“. Ich würde es gern unserem Bundespräsidenten Wulff schicken als kleinen Gruß aus einer Zeit, wo die Steuermänner noch dem Volke dienten, statt Ausschau nach dem eigenen Vorteil zu halten…
John Maynard
John Maynard war unser Steuermann,
Aus hielt er, bis er das Ufer gewann,
Er hat uns gerettet, er trägt die Kron’,
Er starb für uns, unsre Liebe sein Lohn.
John Maynard.«
Die »Schwalbe« fliegt über den Eriesee,
Gischt schäumt um den Bug wie Flocken von Schnee,
Von Detroit fliegt sie nach Buffalo -
Die Herzen aber sind frei und froh,
Und die Passagiere mit Kindern und Fraun
Im Dämmerlicht schon das Ufer schaun,
Und plaudernd an John Maynard heran
Tritt alles: »Wie weit …
21.12.2011 21:02
Die wahre Grundlegung der Demokratie fand in Israel statt
Laudatio für Henryk M. Broder
Am vergangenen Sonntag wurde der diesjährige Ehrenpreis der Deutsch- Israelischen Gesellschaft Aachen e.V. (DIG) an Henryk M. Broder verliehen. Hier meine dort gehaltene Laudatio auf den Preisträger:
Was sagt man über einen Preisträger, der so unterschiedlich wahrgenommen wird von seinen Freunden und seinen Feinden, dass man meinen könnte, es gäbe nicht einen, sondern zwei Henryk M. Broders? Man hasst ihn mit ganzer Kraft, oder man liebt ihn ebenso sehr. Tertium non datur.
Liest man die Ausfälligkeiten der Broderhasser, hat man sofort das Bedürfnis, sich unter die heiße Dusche stellen zu müssen, damit der Dreck, der aus ihren Zeilen spritzt, weggespült wird. Da ich nicht wiederholen will, was diese Leute von sich geben, habe ich mir mal vorgestellt, was heraus kommt, wenn man von dem, was sie behaupten, das Gegenteil annimmt. Dann ist Broder jung, groß, gutaussehend, versehen mit einem …


