Beiträge von Vince Ebert
Kategorien
Archiv
07.04.2012 20:40
Wenn die fetten Jahre kommen
2004 wurde der Schauspieler Daniel Brühl mit dem konsumkritischen Kinofilm “Die fetten Jahre sind vorbei” bekannt. 8 Jahre später würde er sich gerne einen Ferrari kaufen, hat aber Angst, dass der von Berliner Chaoten abgefackelt werden könnte. Das nennt man “Ironie des Schicksals”.
www.spiegel.de/panorama/leute/a-826258.html
10.03.2012 12:13
Die Deutschen im Fukushima-Fieber
…In den folgenden Tagen erklärten in sämtlichen Talkshows fundierte Nuklearexperten wie Charlotte Roche, warum die Gefahren der Kernenergie nicht akzeptabel seien. Schauspieler, Philosophen und Theaterintendanten erläuterten, wie genau die Energiewende vonstatten gehen solle. Zahllose Menschen gingen auf die Straße und demonstrierten gegen die Atomlobby. In einer aktuellen Umfrage befürwortete eine absolute Mehrheit von 105 Prozent den sofortigen Ausstieg aus der Kernenergie. Das muss man akzeptieren, wir leben schließlich in einer Demokratie…
Hier lesen:
http://www.welt.de/debatte/kommentare/article13910506/Die-Hirnabschaltung-der-Deutschen-nach-Fukushima.html
09.12.2011 09:43
Luft anhalten für das Klima
Deutschland setzt in puncto Klimaschutz auf den sogenannten Emissionshandel. Keine neue Idee, der mittelalterliche Ablasshandel ist das Vorbild: Wenn ich an einer Stelle CO2 verbrauche, kann ich mich von der Sünde freikaufen, indem ich es an anderer Stelle wieder einspare. Angenommen also, Sie haben einen Porsche Cayenne und fahren im Monat 1000 km. Damit blasen Sie etwa 400 kg CO2 in die Luft. Diese immense Menge können Sie ganz leicht wieder einsparen und zwar durch – Atmung! Ich hab’s ausgerechnet: Wenn ich 35 Minuten lang die Luft anhalte, kann ich dafür mit einem Cayenne CO2-frei zum Bäcker fahren. Man muss eben auch mal kleinere Brötchen backen. http://www.schweizermonat.ch/artikel/luft-anhalten-fuer-das-klima
05.12.2011 21:38
Individualität als Massenphänomen
Charles Darwin machte vor 150 Jahren eine revolutionäre Entdeckung. Er zeigte, dass wir Menschen nichts weiter sind als überentwickelte Bakterien. Während wir 46 Chromosomen besitzen, haben manche Farnarten über 600. Selbst ein Wassermolch ist, was sein genetisches Material betrifft, fünfmal besser ausgestattet als ein Mensch. Und wer morgens um halbvier bei RTL II reinzappt, weiß, es stimmt.
Auch was das angeblich so individuelle Handeln angeht, sind wir eher wie eine große Masse von Lemmingen, die hin und her rasen, je nachdem wohin der Trend zeigt. Wir finden vor allem das logisch, was andere auch tun. Warum sonst bleiben wir zusammen mit anderen Fußgängern fünf Minuten lang an einer roten Ampel stehen, obwohl laut Zeugenaussagen auf dieser Straße das letzte Auto im Juni 2004 gesichtet wurde?
Wir kaufen IPhones, trennen Müll und tragen Anti-Atomkraft-Buttons – nicht unbedingt, weil wir uns kritisch damit auseinandergesetzt haben, sondern, weil es alle …
25.10.2011 22:50
Von nix kommt nix
Wer glaubt, in Deutschland geht’s krude zu, der muss nur mal zu unseren österreichischen Nachbarn schauen. Vor einigen Wochen veröffentlichte der Wiener Standard meine Satire über die Homöopathie:
http://derstandard.at/1316733487728/Ersatzreligion-alternative-Medizin-Wo-der-Zweifel-ist-da-ist-die-Freiheit
Das Forum lief heiß. Kurze Zeit später dann diese Replik:
https://derstandard.at/1317018878960/Komplementaermedizin-Die-Freiheit-des-Kabaretts---Wissen-und-Glauben
Auf die Replik folgte wiederum eine Replik:
http://derstandard.at/1317019900552/Wirkung-von-Homoeopathie-Von-Homoeopathie-Wissenschaft-und-Rosinen
Von wegen, Homöopathie hat keine Wirkung!
15.10.2011 17:45
Deutschland, deine Trolle (7)
Mein Lieblingstroll ist Prof. Dr. Klaus Töpfer, mit dem ich letzten Freitagabend in der Talkshow Tietjen und Hirschhausen saß. Warum?
- Weil er einer Ethik-Kommission vorsitzt, in der fundierte Nuklearexperten wie Kardinal Reinhard Marx, Landesbischof Ulrich Fischer und dem Vorsitzenden des Zentralkomitees der deutschen Katholiken Alois Glück beschließen, dass dieses Atom... dings... also, das mit den Strahlen... irgendwie... total unethisch ist..
http://www.europeonline-magazine.eu/mitglieder-in-merkels-atom-kommission_120954.html - Weil er auf meinen Hinweis, dass Deutschland seit der Abschaltung von sieben AKWs massiv Atomstrom aus Frankreich und Tschechien importieren muss, sagte: „Das stimmt nicht. Deutschland exportiert sogar noch Strom.“
http://www.wirtschaftsblatt.at/home/international/unternehmen/deutsche-strom-importe-schnellen-seit-aus-fuer-akw-nach-oben-487669/index.do - Und weil er meine Befürchtungen, dass die derzeit 62 im Bau befindlichen AKWs weltweit jetzt wohl nicht mehr mit Hilfe der sicherheitsbewussten deutschen Ingenieure, sondern doch eher von ukrainischen oder chinesischen gebaut würden, sinngemäß mit den Worten kommentierte: „Wir Deutschen müssen mit gutem Beispiel vorangehen. Wenn wir aussteigen, …
09.09.2011 21:05
Die Renaissance des Couch-Potato
Nach einer Studie der Hamburger Stiftung für Zukunftsfragen sind wir Deutschen ein Volk von passiven Stubenhockern. Rumsitzen und Nichtstun als Freizeitbeschäftigung ist der Megatrend der letzten Jahre. Während der Chinese nach Feierabend emsig Sprachen lernt, Staudämme baut oder giftige Chemikalien in Kinderspielzeug schmuggelt, hockt der Deutsche nur stuff vor dem Fernseher und glotzt.
Jeder vierte Bundesbürger leidet sogar massiv unter zu viel Freizeit. Und die macht müde und träge. Einzige Ausnahme: Berlin. Dort überwinden die jungen Leute ihren inneren Schweinehund, gehen auf die Straße und werfen Steine oder fackeln Autos ab.
Durch die Vielzahl von Konsum- und Medienangeboten wächst offenbar die Sehnsucht nach Ruhe“ so die Interpretation der Hamburger Forscher. In der Verkaufspsychologie ist dieser Effekt unter dem Begriff Marmeladenglasprinzip bekannt: Je mehr Marmeladensorten im Regal zu finden sind, desto seltener greift der Kunde zu.
Was ist nur mit uns Deutschen los? Noch wenigen Jahren sprangen wir wie die Verrückten …
04.09.2011 14:52
Wer hat Angst vor’m freien Markt?
Wir leben in einem Land, in dem Meinungs- und Religionsfreiheit hoch angesehen werden. Auch auf unsere Presse- und Reisefreiheit sind wir stolz. Beim Recht, freien Handel zu betreiben, sind wir jedoch skeptisch.
So auch mein Onkel Heinz. Jeder Wirtschaftsboss ist für ihn ein Krimineller. „Die Drecksäck da obbe mache doch, was se wolle. Un de klaane Mann guckt mim Arsch uff die Uhr.“ Heinz ist fünfundfünfzig Jahre alt, Kfz-Mechaniker und Gewerkschaftsmitglied. Seit ich denken kann, ärgert er sich grün, wählt rot, ist abends blau und arbeitet nebenbei schwarz. Ein bunter Hund. Dreimal im Jahr streift er sich eine Mülltüte über, stellt sich mit einer Rassel vor die Tore seines Arbeitgebers und ruft mit seinen Genossen Parolen, die man leider nicht verstehen kann, weil die meisten seiner Mitstreiter eine Trillerpfeife im Kehlkopf implantiert haben. Eigentlich sind die Forderungen der Gewerkschaften seit dreißig Jahren die gleichen: mehr Geld, weniger arbeiten. „Mir fordern …


