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14.01.2012 22:46
Freakshow
Es gibt in Berlin gerade ein Varietéprogramm, das „Freakshow“ heißt. Ich brauch‘ das nicht; ich gehe einfach vor die Haustür. Die Stadt ist voller Freaks und Zombies und schrecklicher Begebenheiten. Als ich vor drei Tagen frohgemut aus der Tür trat, war gerade drei Häuser weiter ein Mann aus dem Fenster gesprungen. Er lebte noch, bot aber keinen schönen Anblick. Als ich abends nach Hause ging, stand in seinem Hausflur ein Mann mit Fahrradhelm und ich werde nie, nie wieder einen Mann mit Fahrradhelm ansprechen. Ich habe es leider getan, denn ich wollte wissen, wie es dem traurigen Menschen ergangen war. Der mickrige Mann mit dem Helm fragte mich, vermutlich ist er ein Beamter mit eingebautem Fragekatalog, allen Ernstes, wie der Mann denn geheißen habe.
Ich glaube nicht, dass es Selbstmörder gibt, die eine Visitenkarte einstecken, bevor sie aus dem Fenster springen – nur für den Fall, dass sie …
11.01.2012 13:17
Frauen, Alkohol und gutes Essen
Die Österreicher brauchen immer etwas zum Jubeln. Mal jubeln sie Diktatoren zu, dann wiederum, in Friedenszeiten, am liebsten ihren Künstlern. Die zweite Variante ist mir lieber. 2012 ist wieder ein großes Jubel-Jahr: Gustav Klimt wäre 150 Jahre alt geworden, aber leider werden Menschen nicht so alt und deshalb wird ihr Geburtstag nur dann nach eineinhalb Jahrhunderten gefeiert, wenn sie wirklich Großes geleistet haben. Kürzlich in Wien, da beklagte eine deutsche Reisende, sie könne überhaupt nicht nachvollziehen, warum Klimt angeblich so berühmt sei; ihr erschließe sich die Kunst in seinen Werken überhaupt nicht, alles sei schön bunt und golden, mehr aber auch nicht. Millionen Menschen in aller Welt sehen das anders, sie kaufen Regenschirme, Aschenbecher, Poster und Halstücher, auf denen der „Kuss“ zu sehen ist, Klimts „Goldene Adele“ gehört zu den teuersten Kunstwerken der Welt.
Am 14. Juli wird Wien Kopf stehen. Und bis dahin bereitet sich die Stadt …
11.01.2012 00:54
Dodl- und Lawinenalarm
Enthüllung: Im Winter schneit es! Wir erinnern uns: Vor einem Jahr war Deutschland weitgehend eingeschneit. Die Menschen jammerten, wie sie über jedes Wetter jammern. In diesem Jahr sind nur wenige eingeschneit und dann noch, halten Sie sich fest, in den Alpen. Das sind diese hohen Berge, in denen so merkwürdige Völker wie Schweizer oder Österreicher hausen. Und die Eingeschneiten sind freiwillig hingefahren, weil sie Skifahren wollten. Und nun das. Man wird sie verklagen müssen, die Bergvölker. Sollen die es doch im März schneien lassen oder nur nachts. Im Winter schneit es, da können Sie in Ö;sterreich oder der Schweiz jeden Bauern fragen. Manchmal sogar im Sommer! Als Kind staunte ich immer über die Radio-Schneekettenwarnungen für den Großglockner, die in den Sommerferien verlautbart wurden. Und erfreute mich an den Fotos von hilflosen Zweibeinern, die liegengeblieben waren und im T-Shirt versuchten, aus dem Schlamassel wieder rauszukommen. Meistens hatten sie keine österreichischen Autokennzeichen. …
06.01.2012 22:40
DHL - Das halbe Leben
Guter Service sieht anders aus: Gerade wollte ich mit dem Herrn von DHL die Sache mit dem nicht ausgelieferten Paket klären. Auf Kunden-Kritik scheinen die DHL-Mitarbeiter allerdings nicht eingestellt zu sein. Sofort pampte mich der Mann an: „Dann werden Sie nicht zu Hause gewesen sein!“ Ich bin sicher, dass ich am betreffenden Tag zu Hause gewesen bin. Und auch am Tag davor, denn da will der DHL-Mitarbeiter angeblich auch hier gewesen sein. Mein Einwand, dass Bekannte ähnliche Erfahrungen mit DHL gemacht haben, macht ihn wütend. Jetzt holt er die Hammer-Keule raus: „Ich kann Sie das nächste Mal auch in die Hauptstraße schicken!“
Für Post – und DHL-Kunden bedeutet das Wort Hauptstraße in Berlin-Schöneberg nichts Gutes: Das Postamt ist meistens hoffnungslos überlastet, man steht dort bis zu einer halben Stunde (und länger) an, wenn man nur schnell eine Sendung abholen will. Seinen Namen nennt mir der Mitarbeiter nicht, als …
05.01.2012 07:31
Wir entschuldigen uns für die Entschuldigung
Das können die unmöglich ernst meinen! Im Internet lobt sich das Unternehmen DHL als „Internationaler Logistik-Marktführer“. Leider scheitert der international tätige Konzern an der harmlosen Auslieferung eines kleinen, bescheidenen Paketes. Der Zusteller, der mein Paket bringen soll, macht sich weder die Mühe, bei mir anzuläuten noch das Paket mitzubringen. Er schiebt einfach einen Info-Zettel ins Postfach, darauf die Adresse, an der ich das Paket abholen kann.
Da ich zu Hause bin, als der Mann das Paket nicht liefert und nicht anläutet, frage ich die Frau aus dem Kiosk, an dem DHL das Paket abgeworfen hat, wie das möglich sei, es ist nämlich schon öfters passiert. Sie erklärt mir, dass das Unternehmen das häufig mache, sie aber auch keine Erklärung dafür habe. Also schreibe ich eine Mail an den Kundendienst mit der Bitte um Aufklärung unter Weglassung von PR-Blabla. Zurück kommt: Eine Mail mit PR-Blabla. Auszug: „Wir bedauern, dass …
30.12.2011 15:55
Adieu, Herr Hawelka!
Beim letzten Besuch im „Hawelka“, da hab‘ ich ihn vermisst. Es war im November und er war nicht da und ich dachte mir: „Er wird frei haben“. Nun ist Leopold Hawelka im Alter von hundert Jahren gestorben. Natürlich wird es weitergehen in diesem herrlichen Wiener Kaffeehaus; aber es wird nie mehr das selbe sein. So wie früher. So wie ganz früher, als Herr und Frau Hawelka das legendäre Etablissement führten. Sie erklärte mir einmal die Männer, unaufgefordert und das Fazit ihrer Ausführungen lautete, dass man die Männer nicht allzu ernst nehmen sollte. Ich war damals sehr jung und aus heutiger Sicht kann ich nur sagen: Sie hatte Recht, die gute Frau Hawelka. Ich habe viele schöne Stunden dort verbracht, am schönsten waren jene, die ich eigentlich in der Schule hätte verbringen sollen. Aber meine Philosophie lautete, dass man mehr lernt, wenn man alle Zeitungen liest. Und so ging ich morgens …
21.12.2011 12:03
Lieber Herr Wowereit,
Sehr geehrter Herr Hauptstadt-Hasenfuß,
ich hoffe, Sie fahren gemütlich in Ihrem Dienstwagen, wenn Sie diese Mail lesen. Ja, ich bin eine Bürgerin, die nervt! Aber Sie nerven mich auch und deshalb müssen wir jetzt beide da durch. Zumal, wenn Sie eines Tages wiedergewählt werden möchten. Nicht, dass ich Sie jemals wählen würde, aber ein paar Stimmen außerhalb der Seniorenheime erträumen Sie sich vielleicht ja insgeheim schon. Also: Seien Sie ein Mann, schlagen Sie drein, nehmen Sie den Saftladen Deutsche Bahn auseinander! Ach so, Sie wissen ja gar nicht, wie und warum und wo. Hier ist die aktuelle Lage: In der Stadt tobt ein S-Bahn-Chaos (das ist k e i n e Party!), die Kunden können das Problem leider nicht lösen, sie sind nachgerade verzweifelt, aber Sie als Regierender Bürgermeister haben da sicherlich ganz andere Möglichkeiten. Natürlich erwartet niemand, dass Sie aussteigen und sich vor Ort von der Lage …
19.12.2011 16:46
Wer tot ist, kauft keinen Räucherlachs
Wer nach der Lektüre dieser Geschichte http://www.spiegel.de/wirtschaft/service/0,1518,804463,00.html noch Fisch kauft oder sich wundert, wenn ihm nach Genuss desselben schlecht wird, dem ist eigentlich nicht mehr zu helfen. Die Reaktionen der Händler sind an Überheblichkeit und Arroganz nicht zu überbieten. Aber natürlich haben wir als Kunden längst gelernt: Bevor es keine Toten gibt, werden die Behörden auch nicht wach. Und ein bisschen Durchfall oder Übelkeit gehört eben zum Leben dazu. Was uns nicht umbringt, macht uns härter. Selbst wenn Sie, lieber Leser, tot sind, wird Ihnen das Bedauern der Unternehmer, denen es piepegal ist, welche Ware sie ausliefern, vermutlich nachlaufen. Denn wer tot ist, kauft auch keinen Räucherlachs mehr.
Die Reaktion der vom NDR getesteten Räucherlachspackungen, deren Inhalt einen erschauern lässt ohne jemals davon gekostet zu haben, sind die völlige Verarschung der Kundschaft. Aldi, Edeka, Lidl, Netto, Penny, Rewe und Sky reagierten auf Nachfrage „gelassen“. Man sollte in diesen …


