Unterstützung für achgut

Archiv

Beiträge von  

17.12.2011   13:58

Bigottes Berlin

m Advent hat der Mensch gern Geschichten, die gut ausgehen: Eine alleinerziehende Mutter, die ein Radiosender mit einem Gänsemenü-Gutschein beglückt. Ein Obdachloser, der am 23. Dezember eine kleine Wohnung findet. Ein entlaufener Hund, der pünktlich zum Fest wieder zu seiner Familie zurückkehrt und die Geheimnisse seines Ausbrechens für sich behält. Aber das Leben ist böse, auch zur Weihnachtszeit. Dies ist eine traurige und seltsame und seltsam-traurige Adventsgeschichte ohne Happy-End: Martin Beer ist tot. Seit Monaten. Und kein Journalist, niemand seiner Widersacher, scheint es bemerkt zu haben. In einer globalen Welt, in einer großen Stadt wie Berlin, in der jeder Quatsch tagelang on- und offline bis zur Unerträglichkeit aufgebläht wird, ist der Tod dieses Mannes, der einst die Schlagzeilen bestimmte, auf seltsame Weise untergegangen.

Am 11. Mai fand in Berlin die Trauerfeier für ihn statt. Mehr als sieben Monate lang hat niemand darüber berichtet.

Martin Beer war …

Kompletter Artikel: permanenter Link
 

09.12.2011   09:18

Occupy go home!

Wer am Rande der Gesellschaft steht, bestimmt: Occupy. Die wollen zwar aus unserer Mitte sein, verhalten sich am Rande, neben ihren großen Zielen, in Berlin aber derzeit sehr unschön. Obdachlose Menschen, die sich laut Presseberichten im „Occupy“-Camp am Bundespressestrand in Berlin eingerichtet haben, sollen vertrieben werden. Und tschüss. Vielleicht war es auch nur ein Obdachloser, vielleicht drei oder sieben, die Berichterstattung ist vage, aber immerhin, der Protest der Protestanten scheint groß zu sein. Die Leute haben ja auch Zeit, da kann man aus einer Mücke mühelos einen Elefanten machen. Wenn ich es richtig verstanden habe, treten die Okkupanten gegen die Banken an; in der Folge aber auch gegen Ungerechtigkeit in der Welt. Wenn ich es richtig verstanden habe, war die Prozessfindung ihrer genauen Ziele ein langer Weg.

Für den Fall, dass die Protestanten, die sich weltweit feiern lassen, ihren Weg noch nicht zu Ende gedacht haben beziehungsweise neu …

Kompletter Artikel: permanenter Link
 

05.12.2011   12:32

Die Krone des Journalismus!

Als Kind hielt ich die „Kronen-Zeitung“ nebst anderer Zeitungen für ein Füllhorn der Überraschungen. Als Erwachsene brauche ich ein Beatmungsgerät, wenn ich den Schwachsinn lesen muss, den die „Krone“ seit über hundert Jahren ohne Rücksicht auf Verluste über mein Heimatland Ö;sterreich wirft. Schon das Impressum ist höchst interessant, viel Platz nimmt es, verglichen mit anderen Presseerzeugnissen, nämlich nicht ein: Es gibt nur einen Herausgeber und Chefredakteur, Dr. Christoph Dichand, und den Eintrag Mode: Michaela Schwarz. Eine Grafikerin, gedruckt wird in Nürnberg. Das schmalste Impressum aller Zeiten, drei Zeilen, sonst nix. Als Kind dachte ich immer, eine Zeitung bräuchte auch Politik, Wirtschaft, Kultur, Panorama, Sport etc. und als Erwachsene wurde ich in meinem Kinderglauben bestärkt. Was soll, kann, darf man von einer der auflagenstärksten Zeitungen der Welt erwarten, die offiziell nur aus Chefredaktion und Moderessort besteht?

Wir haben ein bisschen geblättert. Kürzlich frohlockte die „Kronen-Zeitung“, dass sich immer mehr …

Kompletter Artikel: permanenter Link
 

05.12.2011   00:20

Schau mir in den Ausschnitt, Kleiner

Wie kleine, wagemutige Perlen, die die Erdanziehungskraft verleugnen wollen, laufen die Wassertropfen an den Innenseiten der Glasscheiben nach unten, wo der uralte Fensterrahmen sie doch nur stoppen wird. Seit 1916 findet im Gasthaus „Zur Eisernen Zeit“ an kalten Winterabenden dieser Wettlauf ohne Gewinner statt. Die Gäste schauen zu oder sie schauen in ihr Bier oder sie schauen der Wirtin ins atemberaubende Dekollete. Oder sie essen etwas. „Hauerweine“ steht auf einem Schild über der uralten Theke, dass es so etwas noch gibt! Wo doch heute viele der österreichischen Winzer ohne die Prädikate „Nobel“ oder „Edel“ gar nicht mehr in den Weingarten gehen wollen und einen Gutteil ihrer Zeit offensichtlich damit verbringen, auf Partys den Eigenwert zu erhöhen.

Weinhauer ist kaum noch jemand; alle sind jetzt Promi-Winzer. In der „Eisernen Zeit“ waren sie vermutlich noch nie, denn dieser Ort ist nicht schick genug, um sogenannte „Prominente“ (halb Wien …

Kompletter Artikel: permanenter Link
 

01.12.2011   01:12

Es geht auch ohne

Wenn es um Facebook geht, mutiere ich im Freundeskreis gelegentlich zum Unikum. Ich bin Mitglied, es kann aber durchaus sein, dass ich mal fünf Tage lang vergesse, die Magenschmerzen meines Wellensittichs, die Fotos meines Frühstücks (vorher/nachher) oder den Quatsch, der sonst so durch mein Hirn geistert, zu posten. Dann bekomme ich Mails, die aus meiner Sicht eines Konzerns, der an die Börse gehen will, nicht würdig sind: „Deine Freunde vermissen dich“ winselt mir Facebook via Privat-Mailaccount zu. Komisch, wenn meine Freunde mich vermissen, können Sie mich anrufen oder mir eine Mail schicken.

Manchmal trudeln auch Mails mit „wertvollen Informationen“ über irgendeinen Informationsfluss auf Facebook, den ich – aus Unternehmenssicht – gerade verpasse, ein. Parallel zur Häufigkeit der Berichterstattung zum angeblichen Erfolgsunternehmen mehren sich die Jammer-Mails, sodass sich eine Frage aufdrängt: Gibt es etwa weitere Menschen, die nicht nonstop die Facebook-Absonderungen ihrer 722 „Freunde“ verfolgen? Da ich davon ausgehe, …

Kompletter Artikel: permanenter Link
 

29.11.2011   09:41

Hilfe! Immer mehr Deutsche wollen Ösis sein

Erkenntnis nach sieben Tagen in meiner Heimat Wien: Immer mehr Deutsche wollen Ösis sein. Servus, Bussi-Bussi, na geh, hör auf, darf das sein? Und was hätte die Sisi dazu gesagt? Nach über 20 Jahren als Ösi in Deutschland habe ich aufgehört, mir das zuweilen schwierige Verhältnis der beiden Nachbarn romantisch schönzureden. Für mich zählen nur noch Fakten. Beide Volksgruppen machen aus meiner Sicht Fehler, ich darf mit den eigenen beginnen: Seit 1938 haben die Österreicher panische Angst davor, dass noch mehr Fotos auftauchen könnten, die belegen, wie meine Vorfahren auf dem Heldenplatz Hitler zujubelten. Darüber hinaus haben sie Angst, dass ihnen jemand die Schnitzel, Surbraten und Topfenstrudel wegessen könnte.

Herr und Frau Österreicher stehen kurz davor, zu verhungern. Wenn sie sich noch ein bisschen mehr fürchten möchten, malen sie sich aus, wie es wäre, wenn Deutschland Ö;sterreich wieder übernehmen tät‘. Viele glauben, dass das derzeit wieder einmal, peu …

Kompletter Artikel: permanenter Link
 

26.11.2011   20:16

Wien weint

Es ist November und es ist nebelig und es ist traurig in Wien: Ludwig Hirsch ist tot. Held meiner Jugend, Erklärer der dunkelgrauen Seiten der Welt, nur er konnte er glaubhaft besingen, wie es so ist, im Grab, eines Tages, wie man so „am Rücken liegt“ und „mit zugemachten Augen in die Finsternis starrt“. Liedermacher, Sänger, Star. Unvergleichlich. Hoch verehrt. Aus lauter Verzweiflung ist er nach der Diagnose Lungenkrebs in einem Wiener Spital aus dem Fenster gesprungen. Schlimmer kann man nicht sterben. Wien weint. Zum zweiten Mal in dieser Woche, nach dem Tod von Georg Kreisler ist dies der zweite Todesfall eines berühmten Menschen.

Ludwig Hirsch sang über Omamas, die böse waren, trotzdem Karussell fahren durften und an ihren falschen Zähnen erstickten. „Dunkelgraue Lieder“, so hieß seine erfolgreichste Platte, waren sein Metier. Er sang über Dorftrottel, nette, ältere Herren, die sich in der letzten Liedzeile als Päderasten entpuppen …

Kompletter Artikel: permanenter Link
 

23.11.2011   19:27

Wiener Brut 2

Neues aus Wien, leider: Georg Kreisler, der Mann, der das „Tauben vergiften im Park“ irgendwie gar nicht schlimm erschienen ließ, ist tot. Er wurde 89 kreative, fröhliche, schwarzhumorige Jahre alt und Österreich verneigt sich vor ihm und sagt beim Abschied laut „Servus“. Jetzt ist er natürlich wieder einer von uns. Er hätte ja schließlich nicht seine Heimatstadt verlassen müssen! „Wie schön wäre Wien ohne Wiener“ war einer seiner größten Erfolge und wer das Leben des begnadeten Kabarettisten nachliest, weiß auch, warum. 1938 musste der Wiener Jude fliehen, seine Familie wanderte in die USA aus. Kreisler wurde US-Staatsbürger, arbeitete als Pianist, Dirigent, Arrangeur für Film und Musicals. Und hatte vermutlich redlich Heimweh. Wien bleibt Wien, in den 50er-Jahren kam er zurück, begeisterte sein Publikum in der „Marietta-Bar“ als Musiker und Kabarettist. Und wie immer hatten die Wiener ihn wie alle, die auswandern, um zurückzukehren, wenn er lieb war, auch lieb. War …

Kompletter Artikel: permanenter Link
 

Seite 3 von 16 Seiten « Erste  <  1 2 3 4 5 >  Letzte »