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Beiträge von  

01.07.2010   11:25

Berlins beste Seiten

Man liest oft, wie schrecklich es sein muss, beim Drogeriediscounter „Schlecker“ zu arbeiten. Schlimmer kann eigentlich nur sein, dort einzukaufen. Mein Ratschlag: Betreten Sie diese Läden nur mit einem klimpernden Sortiment an Münzen und kleinen Scheinen, denn es geht schließlich darum, der Kassierin zu Diensten zu sein. Weil es früh am Morgen war, hatte ich das irgendwie vergessen und wollte mit einem 50-Euro-Schein bezahlen. Sofort ging das Gezeter los, ob es denn nicht kleiner ginge, ich wäre heute schon die Dritte, kurzum: Blabla. Die Schlecker-Mitarbeiterin maulte vor sich hin und als ich meinte, dass es doch vielleicht nicht die Aufgabe der Kunden sei, für Wechselgeld zu sorgen, wurde sie noch unfreundlicher. Sie kramte nach Scheinen und fuhr fort, mich maßzuregeln. Da empfahl ich ihr, doch besser in einem Archiv zu arbeiten, denn dort gibt es erfreulicherweise keine Kunden, keine Menschen, nur Bücher, Akten, stumme Dinge.

Das absolute Totschlagargument …

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30.06.2010   22:58

Berlin war eine Reise wert

Es ist eine Nachricht, die wehmütig stimmt: Der Berliner Senat stellt die Besuchsprogramme für jüdische Emigranten ein. Seit 1969 hat Berlin, die Hauptstadt der Nazi-Täter, jüdische Emigranten in ihre ehemalige Heimat eingeladen. Es war der Versuch einer Versöhnung, viele nahmen ihn an. Bewundernswert, denn alle hat es vermutlich Überwindung gekostet. Nicht alle, die vertrieben wurden, wollten oder konnten in ihre alte Heimat reisen. Manch einer konnte sich niemals dazu entschließen. War es doch oft ein Wiedersehen mit vertrauten Orten der Kindheit, die, dem Herzen entrissen, nun plötzlich in neuem Gewand dastanden. Und wohl stets von der Frage begleitet wurden, ob jene, die jetzt dort wohnen, wo man wohnte, die jetzt dort Kaffee trinken, wo man Kaffee trank, die man im Bus, im Museum, im Supermarkt traf; ob jene Schuld trugen oder nicht. Und jene, die nicht mehr da waren, weil man sie ermordet hat – sie sind wohl bei jeder …

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29.06.2010   00:00

WM 8: Auf der Alm, da gibt’s koa Fussball

In meinem Leben gibt es neue Helden: Kühe. Als Stadtkind kennt man sie ja eher aus der Ferne, winkt ihnen verschämt aus dem Auto zu und erfreut sich an abgepackter Milch. Kühe gehören zu den völlig unterschätzten Tierarten. Fast wie Gemsen bewegen sie sich behende auf steilen Almwiesen, fürchten keine Schluchten (zumindest tun sie so) und legen sich gerne auf den Rand eines Abgrundes. Bewundernswert. Höhenangst scheinen sie jedenfalls keine zu kennen. Und das bei ihrem eher plumpen Körperbau! Ich war fasziniert und hätte sie stundenlang betrachten können, doch leider fehlte mir die Zeit. Ich habe gerade ein paar Tage auf einer Alm im Salzburger Land verbracht.

Es war ein Selbstversuch, ich war Hilfs-Sennerin. Vermutlich kommt die Berufsbezeichnung daher, dass man zuweilen recht hilflos ist. Zum Beispiel, wenn es darum geht, eine Kuh dazu zu bewegen, in den Stall zu kommen. Gemolken wird nämlich erst, wenn alle da …

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22.06.2010   00:02

WM 7: Wehe, Sie jubeln für Deutschland!

Sagen Sie hinterher nicht, wir hätten Sie nicht gewarnt: Nehmen Sie sofort die Deutschlandfahnen vom Balkon! Werfen Sie Ihr Fußball-T-Shirt weg! Und jubeln Sie bloß nicht, wenn Deutschland gewinnt. Sie könnten die Initiatoren von „Nationen wegkicken“ verärgern. Und niemand weiß, wie sie reagieren, wenn sie sich provoziert fühlen. Die Menschen, die ihre Identität im Internet nicht näher outen, haben ein großes Problem erkannt. Während der WM, so sagen sie, „ist es an der Tagesordnung, stolz Nationalfahnen zu schwenken und gegen Menschen anderer Nationen zu hetzen. In Deutschland und anderen Staaten führt diese sportliche Großveranstaltung zu einer offenen zur Schaustellung des Nationalgefühls und vermittelt, dass es vollkommen legitim ist, stolz auf die eigene Nation zu sein.“ Von großer Hetze ist in Südafrika derzeit eigentlich nichts zu bemerken. Und dass Italiener für Italien die Fahnen schwenken und alle übrigen Menschen ebenfalls für ihr Heimatland, gehört seit Erfindung des Fussballspiels zur Grundidee. Den …

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20.06.2010   11:46

Menschen am Meer

Nachdem die Nordic Walker erfolgreich Deutschlands Wälder umgepflügt haben, nehmen sie sich die Ostseestrände vor: Es sieht blöd aus. Egal, wo. Ich habe noch nie einen Nordischen Spaziergänger gesehen, der ein Lächeln auf den Lippen hatte. Stur und verbissen bahnen sich diese so genannnten Sportler ihre Bahn durch die unschuldige Natur, hinterlassen mit ihren lächerlichen Ski-Abfahrtsstöcken Millionen Löcher im weißen Ostseestrand und gehen dann frühstücken. Und wehe, man kommt ihnen in die Quere. Vermutlich hauen sie einem dann eine mit den Stöcken übers Haupt. Feig sind sie auch noch, weil immer im Rudel unterwegs, niemals allein. Sie quälen sich auch mit 107 Kilogramm Körpergewicht, schließlich sind sie Sportler, in knallenge Radlerhosen der Kleidergröße 36, von durchtrainierten Michelle Obama-Oberarmen haben sie noch nie gehört, obwohl die Stöcke die Arme trainieren, angeblich. Gern präsentieren die Walker ihrer wehrlosen Umwelt Oberarm-Speckwülste, garniert mit Sonnenbrand, den Rest der möglichen optischen Beleidigungen erspare ich Ihnen …

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19.06.2010   00:24

WM 6: Fußball mit indischen Göttern

Diesmal haben wir bei einem Inder in Berlin-Schöneberg geguckt. Das kann man Fußball-Autisten nur empfehlen. Keine schwitzenden, stinkenden Leiber, keine unqualifizierten Kommentare (außer von Herrn Réthy, aber dazu kommen wir später), keine Tröt-Idioten, es ist Fernsehen im Schatten der wunderschönen indischen Beauties und Götter, die an der Wand hängen.  Über der Bar eine fröhliche Blink-Blink-Welt indischer Götter, in der Luft feiner Räucherstäbchenduft. Eine Opfergabe für die Götter, die offenbar aber leider zu den Serben hielten.

Wir waren fast unter uns: Der indische Wirt, die Kellnerin, vier beinahe stumme Fußballfans, ein schweigsames Ehepaar und ich. Die beiden waren die größten Anti-Fans, die ich je gesehen habe. Gemeinsam wogen sie, freundlich geschätzt, 250 Kilo und offenbar hatten sie nicht vor, ausgerechnet am Freitag eine Diät zu beginnen: In der größten Sommerhitze bestellten sie jeweils eine indische Riesen-Brutzel-Pfanne, die in Indien für eine mittelgroße Familie gereicht hätte. Die Inhalte der Brutzel-Pfannen …

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17.06.2010   21:49

WM 5 - Schulfrei in Argentinien

Argentinische Kinder sind heute vermutlich die glücklichsten der Welt: Sie haben für die Dauer des WM-Spiels gegen Südkorea schulfrei. Undenkbar bei uns. Wer in Ruhe, also ohne lästige Anrufe und noch lästigere Kollegen, Fußball gucken will, nimmt sich am besten vier Wochen lang frei. Bei uns ist nur schulfrei, wenn Naturkatastrophen den Lernwilligen die Wege abschneiden. Hochwasser, Lawinenabgänge, Schneemassen. Nicht, dass ich gegen die Schulpflicht wäre. Aber an wichtigen Tagen sollte man auch mal fünf gerade sein lassen: Es hört doch sowieso keiner zu, wenn der Lehrer über Kurvendiskussionen oder Rechtschreibregeln referiert, wenn Fußball ist. Alle denken dann nur an das eine.

An diesem wichtigen Tag für den Fußball frage ich mich, wie mein Leben verlaufen wäre, wenn mal etwas geklappt hätte: In den 90er-Jahren plante ich mit einer Freundin, nach Argentinien auszuwandern. Wir wollten endlich Tango tanzen lernen, für wenig Geld ein feudales Leben führen und ich …

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13.06.2010   23:52

WM 4: Sehnsucht nach Totti

Zitat des Abends: Oliver Kahn in der “ZDF-Analyse” in der Pause: “Die Australier müssen sehr viel laufen.”

Ja, was denn sonst?- haben wir Kahn zugerufen. Fußball hat halt sehr viel mit Laufen zu tun. Auch wenn es den Australiern am Ende nicht viel geholfen hat, das Laufen. Bleibt hinzuzufügen, dass Kahn in seinem schlecht sitzenden, grauen Konfirmandenanzug eine modische Katastrophe war. Gibt’s denn keine Sponsoren, die ehemalige Torhüter ausstatten? Mitleid wäre ein Grund. Ein dickes Lob hingegen gibt es für die supermegacoolen Schuhe der Australier: Die halbe Mannschaft trug orange-silbergraue Schuhe (die anderen Jungs kickten in Gelb-Silbergrau). Geholfen haben die schönen Schuhe leider nichts.

Deutschland- Australien war super, unter anderem deshalb,weil man viel Zeit hatte, nachzudenken. Die Mannschaften spielten, als hätten sie das Ergebnis der Einfachkeit halber beim Sonntagsbrunch vorab beschlossen. Gähn! Aber der Sieg ist natürlich toll. Ich habe viel an Totti gedacht. Ich vermisse …

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