Archiv

Beiträge von  

06.05.2008   09:50

Unsere Antisemiten und ihre Freunde

Dass wir in einer Zeit der Moralisierung von allem und jedem leben, finden große Teile unserer Öffentlichkeit bekanntlich immer noch gut, obwohl diese Moralisierung laufend zu Verboten und Tabuisierungen führt. So sehen nicht nur immer mehr Menschen mit großer Verlegenheit dem Rind in die Augen, das medium auf ihrem Teller liegt, nein, sie gruseln sich sogar zunehmend vor der unschuldigen Milch.

Die Lektion, die die Europäer im ausgehenden 20. Jahrhundert gelernt haben, folgt einem aberwitzigen Register des Schuldbewusstseins. Seither leben sie vorwiegend geduckt, stets in der Erwartung eines neuen Vorwurfs. Die Europäer sehen sich in der Rolle des überführten Täters, der gerne Opfer wäre. Da dieser Transfer nicht gut möglich ist, wollen sie sich zumindest mit den Opfern identifizieren können, wenn nicht gar diese substituieren. Das betrifft nicht nur private Konversionen von netten jungen Frauen zum Judentum oder die geradezu inflationäre Thematisierung der Schindler-Rolle, so dass man zeitweise …

Kompletter Artikel: permanenter Link
 

05.05.2008   07:36

Schluss mit dem Eliten-Bashing!

Deutsche Debatten fangen nicht nur mit dem Alphabet an, sie bleiben auch gerne beim Alphabet. So auch die gestrige Sendung aus der Anne-Will-Serie. Elite am Pranger oder so ähnlich. Es ging mal wieder wortreich um die Chancengleichheit, an der es angeblich fehlen würde. „Chancengleichheit“ erweist sich immer öfter als eine politisch korrekte Worthülse, die, um im Jargon der Redaktionen zu bleiben, den Zuschauer abholen soll. Dieses Abholen aber ist im Grunde nichts als der Ausdruck des Superopportunismus unserer Zeit, nämlich des Kniefalls vor der Masse.

Ich will mich aber gar nicht bei dieser Sendung und ihren Protagonisten aufhalten sondern zur Sache kommen, zur Elite. Ein Begriff, der in Deutschland geradezu physisches Unbehagen hervorzurufen scheint. Warum eigentlich?

Bei dieser Frage lehnt sich der intellektuelle Hassprediger gewöhnlich in seinem bequemen Sessel zurück und hält uns einen längeren Vortrag über das historische Versagen der Eliten, speziell was den Nationalsozialismus …

Kompletter Artikel: permanenter Link
 

04.05.2008   20:20

Wo ist Schillers Kopf?

Richard Wagner
Wo ist Schillers Kopf?

Beschäftigt uns diese Frage? Nein, sie beschäftigt uns nicht. Sie beschäftigt uns genau so wenig wie die Frage, wovon Franjo Pooth, (genau, der von Verona), seine Schulden bezahlen will. Trotzdem wird uns beides zur Kenntnis gebracht. Die Insolvenz des Geschäftsmanns Pooth und die Kopflosigkeit des Dichters Schiller.

Schillers Kopf, so dachten wir, liegt in Weimar, in der Gruft. Es wurden zwar seit langem Zweifel an der Echtheit des Schädels im Sarg geäußert, bisher aber war es mehr ein Thema für ideenferne Germanisten, und wenn etwas darüber in die Öffentlichkeit gelangte, so blieb es in der Regel im Bereich der Spekulation. Unnötig anzumerken, dass unsere Öffentlichkeit die Spekulation liebt. Mehr als alles andere, möchte man sagen, außer der Intrige.

Die Spekulation hält die Neugier wach und lässt den Tag spannend wirken. Nicht das Leben, den Tag. Und …

Kompletter Artikel: permanenter Link
 

28.04.2008   09:36

Klaus Wowereit ist Paris Hilton

Obwohl das Scheitern der Initiatoren der Volksabstimmung vom Sonntag in Berlin eindeutig ist, lässt sich schlecht sagen, wer nun die wirklichen Gewinner und Verlierer sind. Das lässt sich schon deshalb schwer einschätzen, weil man kaum sagen kann, worum es bei dem Referendum eigentlich ging. Vordergründig war das Thema die Schließung oder Erhaltung des Innenstadtflughafens Tempelhof. Mit diesem verbindet man im ehemaligen Westberlin eine symbolisch befrachtete Bedeutung, vor allem als dem Flughafen der Luftbrücke. Die Luftbrücke wiederum symbolisiert das Durchhalten der von Stalin und seinen Lakaien belagerten Frontstadt Westberlin, ihre Standfestigkeit im Kalten Krieg. So gesehen, geht es zumindest um mehr als um die Zukunft eines Flughafens.

Im Grunde geht es um die Deutung der Geschichte, um die Hoheit darüber. Das zeigt schon ein flüchtiger Blick auf die Wahlbeteilung und die Abstimmungsergebnisse nach Bezirken. Die höchste Wahlbeteiligung und die meisten Ja-Stimmen für den Weiterbetrieb des Flughafens kommen aus den …

Kompletter Artikel: permanenter Link
 

27.04.2008   10:36

Der Fehler des Oswald Metzger

Die Parteibasis der CDU in Biberach sieht den grünen Überläufer Oswald Metzger, der im übrigen auch schon SPD-Mitglied war, offenbar nur ungern in ihren Reihen. Und als Blitzführungskader sieht sie ihn schon gar nicht. Ist es nicht erstaunlich, dass unsere politischen Parteien, die längst über kein prägnantes Programm mehr verfügen, trotzdem immer noch eine Basis haben? Ein Parteivolk? Davon merkt man in unserer Öffentlichkeit allerdings wenig. Die Basis macht sich meistens nur bemerkbar, um den Aufstand gegen ihre Führung anzuzetteln…

Kompletter Artikel: permanenter Link
 

25.04.2008   10:05

Frühstücksfernsehen statt BND

Die gute Nachricht wäre: Auch wir haben einen Auslandsgeheimdienst. Die schlechte Nachricht ist: Er ist auch nicht besser als die Geheimdienste der anderen. Gut wäre ein Geheimdienst, wenn man nichts von ihm zu hören bekäme.

Vom BND hört man zwar nicht allzu oft, aber doch regelmäßig. Nun ist er wieder einmal in den Schlagzeilen. Mitarbeiter des Dienstes haben einen afghanischen Politiker, der früher im Exil in Deutschland lebte, abgehört. Einen afghanischen Politiker? Wir wollen nicht gleich motzen und es vorerst als Zeichen der Globalisierung werten. Schließlich wird unsere Sicherheit seit Jahr und Tag am Hindukusch verteidigt. Nicht in Berlin-Neukölln sondern am Hindukusch.

Was aber macht unser beflissener Geheimdienst dort? Was ist sein Beitrag zu unserer Selbstverteidigung in der Ferne? Er installiert einen Trojaner auf dem Computer eines Ministers und liest fortan dessen E-Mail-Korrespondenz. Beispielsweise mit einer deutschen Journalistin. Womit man wieder bei den heimischen Aspekten der …

Kompletter Artikel: permanenter Link
 

19.04.2008   12:55

Papst Benedikt XVI., die Menschenwürde und die Schurken im Saal

Kein Zweifel: Das Maß aller Dinge kann nur die Menschenwürde sein. Auch in den internationalen Beziehungen. Wenn Papst Benedikt XVI. dieses Thema in seiner Rede vor der UN-Vollversammlung anspricht, sagt er etwas, dem alle zustimmen können. Er, das Oberhaupt der auf die Universalität setzenden katholischen Kirche, erinnert damit die Weltgemeinschaft an ihr Fundament.

Schön und gut. Nur, die Herrschaften, die im Saal sitzen, repräsentieren Vieles und Vielfältiges, sie eint nicht die Menschenwürde sondern der Kompromiss über die Menschenwürde. Das haben zuletzt wieder die Diskussionen über die Unruhen in Tibet und die Proteste beim Olympia-Fackellauf gezeigt.

Dass Benedikt sich auf die Institutionen beruft und damit auf die Institutionalisierung von Werten abzielt, zeugt von den römischen Traditionen des Christentums und implizit von seinem Gefangensein darin. Das bedeutet: Es kann nur die gute Absicht erkennen. Die gute Absicht aber ist heutzutage weitgehend vorgetäuscht.

Die UN-Vollversammlung gilt zwar …

Kompletter Artikel: permanenter Link
 

15.04.2008   08:53

Berlusconi, die Freiheit der Bürger und ihr Müll

Der Cavaliere ist zurück, wieder gewählt. Ist Italien in Gefahr? Nein. Und wieso nicht? Berlusconi hat bereits seine dritte Amtszeit vor sich, auch in den beiden vorangegangenen hat er das Land, wie man sehen konnte, weder destabilisiert noch ruiniert. Er hat viel geredet und wenig getan. Unterscheidet ihn das vom Rest der italienischen Politiker oder gar vom Rest Europas? Alle reden viel und tun wenig. Wer zu forsch auftritt, wird umgehend von der Trägheit der Institutionen in die Schranken gewiesen. Die Trägheit der Institutionen verhindert nicht nur die nötigen Reformen, wie stets beklagt wird, sie verhindert auch die Destabilisierung.

Was Italien zusammenhält, ist bestimmt nicht seine politische Klasse, es ist nicht einmal der Staat. Italien ist vielmehr eine stille Summe seiner Bürger, die zwar nicht engagiert auftreten, sich aber zu helfen wissen. Vom Staat fühlen sie sich eher belästigt. Bei ihrem Freiheitsanspruch ausgebremst. Italien hat, wie kaum ein …

Kompletter Artikel: permanenter Link
 

Seite 11 von 14 Seiten « Erste  <  9 10 11 12 13 >  Letzte »