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07.06.2008 11:47
Architekt in Peking
Der Unterschied zwischen Olympia 1936 in Berlin und Olympia 2008 in Peking? Sie meinen es gibt keinen? Doch. Wenn damals ein Architekt, der mit der Frage, warum er in Berlin baue, konfrontiert worden wäre, einfach nur gestaunt hätte, so hat heute der clevere Baumeister die fundierte Antwort jederzeit parat. Jacques Herzog beispielsweise, der Architekt des Pekinger Stadions, will die Sache „nicht nur aus einem westlichen Blickwinkel“ betrachtet wissen.
Der Baumeister des 21. Jahrhunderts hat seine Lektion gelernt. Er baut zwar wie eh und je, rücksichtslos und fasziniert von den Möglichkeiten, die ihm der Auftrag bietet, aber er weiß auch um die moralische Fragestellung, die seine Tätigkeit begleitet. Er wird natürlich nie von den Freiheiten, die ihm eine Autokratie beim Bauen erlaubt, sprechen. Es sind schließlich Freiheiten, die sich aus fehlenden Auflagen ergeben, und das auf Kosten der Bürgerfreiheit. Die Freiheit des Architekten, die auf …
05.06.2008 23:21
Nahles und der Golfstrom
Wissen Sie, was Andrea Nahles 1989 gemacht hat? Sie hat den SPD-Ortsverein Weiler gegründet. Weiler bei Mayen. Mayen-Koblenz. Das sage ich nicht, weil es so anschaulich bedeutungslos daherkommt, sondern weil es ein Licht auf die westdeutschen Belange wirft. Da kann an unseren Grenzen eine ganze Welt untergehen, der Ostblock, und in Deutschland eine neue entstehen, im Rheinland gründet man Ortsvereine. Andrea Nahles war 1989 neunzehn Jahre alt und bereits seit einem Jahr SPD-Mitglied.
Seither ist eine Menge Zeit vergangen, und es ist auch eine Menge geschehen. Nicht zuletzt in der SPD. Willy Brandt ist gestorben, Lafontaine kam, sah und ging wieder, Schröder auch, aber anders und mit Müntefering, dem es ebenfalls reichte, und bald war es in den höheren Etagen der ehemaligen Arbeiterpartei so leer, dass ein Kurt Beck ganz unauffällig erste rhetorische Dehnübungen machen konnte, als müsse er das Appellieren lernen.
Dem Tanker SPD fehlt …
04.06.2008 05:42
Was machen eigentlich die Osteuropäer? Take 2: Mazedonien retten
Dass am vergangenen Sonntag in Mazedonien gewählt wurde, hat man wahrscheinlich nur erfahren, weil die Wahl von der OSZE als den internationalen Standards nicht entsprechend eingestuft wurde. Es gab am Wahltag Ausschreitungen und Schusswechsel. Ist das aber nicht Balkanrealität, zumindest die Vorstellung davon, wobei die Protagonisten kräftig Anlass zur Imagination geben?
Ganz so einfach, wie es den Anschein hat, ist es dann doch nicht, es ist noch einfacher. Gewonnen hat die Wahl mit absoluter Mehrheit die konservative Allianz des Ministerpräsidenten Nikola Gruevski. Sie trat mit dem Schlagwort „Für ein besseres Mazedonien“ an. Ihre Gegner von der Sozialdemokratie brachten es mit der linken „Sonnenkoalition für Europa“ auf nur 22%. Das ist genau der Prozentsatz, den die beiden großen Albanerparteien zusammen erreichten. Mazedonien? Europa?
Mazedonien wird oft als Vielvölkerstaat bezeichnet, ist es aber nicht. Mazedonien ist nicht einmal ein Zweivölkerstaat. Es ist vielmehr der Staat der Mazedonier, in …
02.06.2008 20:24
Was Mao mit dem Aufbau-Verlag zu tun hat
und wie Lichtenberg Schweine und Menschen im Regen zu unterscheiden weiß, erfahren Sie hier:
http://www.tagesspiegel.de/zeitung/Die-Dritte-Seite;art705,2542764
27.05.2008 14:54
Skat bei Beck: Überraschungsgast ist Gesine Schwan
Das waren Zeiten, als Machiavelli noch Machiavelli hieß und nicht Kurt Beck. Doch wenn alles vor die Hunde geht, warum nicht auch der Machiavellismus? Kurt Beck aber hinterlässt nicht nur den Kahlschlag, er ist bereits selber das Produkt eines Kahlschlags. Gutes sagen nicht einmal seine Mitstreiter über ihn. Sie sagen gar nichts. Auch die Journalisten merken kaum etwas an, zu seiner Person. Als wäre es sogar ihnen peinlich mit ihm im Zusammenhang vorzukommen. Als fürchteten sie, der bloße berufsmäßige Umgang mit ihm könnte bereits abfärben.
Was soll man über Beck auch schon sagen? Dass er lügt? Davon ist ohnehin auszugehen. Dass er die Wahrheit sagt? Das glauben nicht einmal die wenigen aus seinem Umfeld, die meinen, so etwas behaupten zu müssen. Beck ist eigentlich erledigt und das einzig Überraschende daran bleibt: Er weiß es sogar. Nur zieht keiner einen Schluss daraus, jedenfalls nicht in der SPD. Denn …
25.05.2008 07:40
Byzanz lebt!
Den Beweis gab es gestern Abend beim Grand Prix Eurovision. Pardon, Eurovision Song Contest. Das ist die Wochenendausgabe der OSZE. Wenn plötzlich beim Monitoring alle Beteiligten zu singen anfangen. Und zwar auf englisch.
Um es gleich zu sagen: Der Sieger kommt diesmal aus Russland, und so wird der nächste Contest in Moskau stattfinden. Warum auch nicht? Wenn die Olympischen Spiele in Peking ausgetragen werden, kann das europäische Gassenhauertreffen auch am Heimatort der lupenreinen Demokraten über die Bühne gehen. Der russische Star hat übrigens englisch gesungen und eine entfernte Ähnlichkeit mit Wladimir Kaminer ist ohnehin nicht von der Hand zu weisen..
Und Deutschland? Die für Deutschland angetretenen „No Angels“ kamen auf Platz 23 von insgesamt 25, die das Finale zu bieten hatte, und auch das offenbar nur, weil die Band 12 Punkte aus Bulgarien verbuchen konnte. Aus Bulgarien? Das hat mit No Angel Lucy zu tun: Sie …
24.05.2008 07:58
Wowereit ohne Stimme
Bei der Abstimmung über den EU-Vertrag von Lissabon, am Freitag im Bundesrat, hat sich das Land Berlin der Stimme enthalten. Es hat damit den folgenden Punkten nicht zugestimmt:
Erleichterung von Mehrheitsentscheidungen im EU-Ministerrat. Verbindlichkeit der Grundrechte-Charta. Mehr Mitspracherecht für das Parlament. Schaffung des Postens eines EU-Ratspräsidenten und eines EU-Außenministers.
Der Grund, warum sich das Land Berlin der Stimme enthalten hat, sei die Position des Koalitionspartners gewesen. Der Regierende Bürgermeister Wowereit und seine Berliner Sozialdemokraten seien selbstverständlich für den EU-Vertrag.
Wer aber sind seine Koalitionäre? Es sind die umtriebigen Maulhelden von der Linkspartei, verbeamtete Marxisten, die die Vorteile der bundesdeutschen Parteienfinanzierung zu genießen wissen und so tun als würden sie weiter auf die Utopie setzen. Auf ihrer Homepage wird im übrigen der alte Hut Enteignung neuerdings mit „Möglichkeiten der Demokratisierung öffentlichen Eigentums“ umschrieben. Als hätte es mit dem Experiment Deutsche Demokratische Republik nicht gereicht. Immerhin …
21.05.2008 08:14
Oswald Spengler schreibt an seiner Autobiographie
Für das Vorwort hat man an Harald Schmidt gedacht. Mehr erfahren Sie hier:

