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01.07.2008   05:21

Der Umfragen-Deutsche und seine Freiheit

Während im fernen Simbabwe am Wochenende die Menschen von den Schlägertrupps des Robert Mugabe, einem der letzten regierenden Erben von Karl Marx, zu den Wahllokalen getrieben wurden, lehnte sich der deutsche Durchschnittsbürger, der Kenner von Käsetheken und Günstigflügen, mal eben zurück, um der jüngsten Umfrage ihren Kick zu geben. Nein, er, der Durchschnittsdeutsche, hält nicht besonders viel von Demokratie.

Bei der Geschichte der Deutschen im letzten Jahrhundert könnte man denken, er halte nicht viel von Diktatur. Aber danach hat man ihn ja nicht gefragt. Das wiederum ist das Essential von Umfragen, dass sie nämlich immer nur von dem handeln, was gefragt wird und gefragt ist.

Was hat der Durchschnittsdeutsche nun gegen die Demokratie einzuwenden? Nicht viel, aber in seinen Augen Entscheidendes. Er fühlt sich nämlich ungerecht behandelt. Und zwar von der Demokratie. Und damit wären wir auch schon beim Problem, bei seinem Kern sogar. Wenn jemand …

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28.06.2008   08:23

Mugabe und die stillen Diplomaten

Über Robert Mugabe ist alles gesagt, ohne dass es etwas geändert hätte. Egal, ob Verbrecher oder bloß Autokrat, auffallend bleibt sein Wunsch nach institutioneller Legitimation. Deshalb jetzt die Farce einer Stichwahl mit einem einzigen Kandidaten, ihm selbst. Der Anführer der Opposition, Morgan Tsvangirai, hat sich vorsichtshalber in die niederländische Botschaft zurückgezogen.

Simbabwe ist unter der Führung von Mugabe zum Fall-Beispiel für die Fragwürdigkeit von gleich zwei Mythen des heutigen Afrika geworden, für den Mythos des Unabhängigkeitskampfes und den Mythos der marxistischen Erklärung afrikanischer Verhältnisse.

Der Unabhängigkeitskampf folgte nicht nur der Idee der Abwehr europäischer Ungerechtigkeit und Anmaßung, sondern auch dem Machtanspruch einer einheimischen schwarzen Elite, die von der Kolonialmacht ausgebildet wurde, um in ihr einen Bezugspartner für die Modernisierung zu haben. Es war die Idee der Kontrolle durch Machtteilung, die von den Exegeten gerne als Täuschungsmanöver gegen die Kolonisierten beschrieben wird, in Wirklichkeit aber wesentlich …

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25.06.2008   06:26

Der Tor liest Zeitung

„Sowohl ihre gegenwärtige Lage als auch die weitere Entwicklung schätzten die Konsumenten pessimistischer ein. Das Barometer der gegenwärtigen Lage fiel auf 64,5 von 74,2 Punkten, der Erwartungsindex sank auf ein Rekordtief von 41,0 nach 47,3 Zählern im Mai.“

Nichts verstanden? Macht nichts. Wir lesen weiter.

„Die Aussichten sind düster: Wegen explodierender Energie- und Lebensmittelpreise ist die Konsumlaune auf einem Dreijahrestief angelangt.“ Konsumlaune?

„Die Politik ist machtlos. Die Stimmung der Verbraucher ist so schlecht wie seit drei Jahren nicht mehr, der GfK-Konsumklimaindex im Juli auf 3,9 Punkt gerutscht - und dagegen lasse sich wenig tun.“ Konsumklimaindex?

„Je länger die Inflation bei 3% verharre, umso größere Kaufkraftverluste seien zu erwarten, warnt die GfK.“ Kaufkraftverluste? Bei einer Inflation von 3%? Worin bestehen diese „Kaufkraftverluste“?

„Eine neue Couchgarnitur, ein neues Auto, eine Urlaubsreise? Lieber nicht, sagen sich die meisten Deutschen im Moment.“ Wir …

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21.06.2008   16:03

Das kommunistische Westfrühstück

Der Abstand zum Kommunismus als Nagelprobe für den Liberalen. Sie, Raymond Aron und Salvador de Madariaga, hätten es noch so gesehen. Wer aber, außer ihnen, und zwar heute, zumal in Deutschland? An die Stelle der Prinzipientreue sind längst die Syllogismen des Guten getreten, die lässige Verweigerung der Ausgrenzung, das grundsätzliche Verstehen des Anderen. Die politisch korrekte Selbstdarstellung macht auch vor der Geschichte nicht Halt. Auch die Historiker sind bemüht, als gute Menschen zu erscheinen. Einer von ihnen ist Hans Mommsen, der sich neuerdings wieder (in der FAZ), ganz im Stil der Nachkriegsmoralisierung, die es fertig gebracht hat, sogar noch die Stalinisten der verbotenen KPD zu Opfern zu erklären, freundlich positioniert. Wie im Bonhoeffer-Zitat: „Von guten Mächten treu und still umgeben“.

Fromme Wünsche aus dem Kalten Krieg? Im Gedächtnis all dieser Menschen, auch in dem von Hans Mommsen, vermisst man gelegentlich eine Kleinigkeit, die Wahrheit, und sei es nur …

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21.06.2008   09:47

Was machen eigentlich die Osteuropäer? Take 3: Die Beatles im Banat

Wie die Schwaben ins Banat kamen, sollte bekannt sein. Spätestens durch Adam-Müller- Guttenbrunns Roman „Der große Schwabenzug“ und durch das Triptychon des Hatzfelder Malers Stefan Jäger. Nie gehört? Buch und Bildabzug sind zumindest antiquarisch zu haben. Der Nationaldichter und der Nationalmaler haben das Ereignis, das auf die habsburgische Siedlungspolitik des 18. Jahrhunderts zurückgeht, für den Laien dokumentiert. Über das Banat weiß man heute wenig. Es liegt im Dreiländereck: Rumänien, Serbien, Ungarn.

Wie aber kamen die Beatles ins Banat, ohne zu wissen, wo das Banat liegt? Diese Geschichte ist etwas komplizierter. Es ist eine Geschichte aus den 60er Jahren. Aus einer Zeit, in der das Wort Grenze geschlossene Grenze bedeutete. Es war wahrscheinlich zum ersten Mal in der Geschichte Europas, dass man die Grenzen nicht für die Einreise dicht machte, sondern gegen die Ausreise. Das ist eine der vielen historischen Leistungen des Kommunismus. Sie machen nicht …

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18.06.2008   08:55

Kanzlerin Nahles

Unserer braven alten SPD wurde im Lauf der Zeit so gut wie alles genommen. Die Angst vor den Kriegskrediten und die Angst vor den Kommunisten. Letztere sogar mehrmals. Warum also nicht auch die Angst vor der Frau? Spätestens in der Großen Koalition haben die Genossen, die noch übrigen, erfahren können, dass auch Frauen nur mit Wasser kochen, und, zumindest in der Politik, Köchin und Menschenfresser sich weniger voneinander unterscheiden, als Mann befürchtet hat.

Zeit für eine beunruhigende Frage: Hat die neue konservative Revolution der Frauen Merkel und von der Leyen den Weg frei gemacht für die Machtübernahme von Nahles und Co? Zur Frauenfrage hat sich zwar schon August Bebel geäußert, aber auch er, ohne die Schallmauer zu durchbrechen. Frauen in der SPD? Bisher war das bestenfalls ein Thema für die Politikwissenschaft. Nun aber sind erste Anzeichen für eine Wende auszumachen. Geschlechterwende in der SPD, der dienstältesten Partei Deutschlands? …

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13.06.2008   21:25

Irland holt zur Türkei auf

„Danke Irland“, heißt es in der linksradikalen Jungen Welt und Haiders BZÖ in Kärnten lässt verlauten, dass die Ablehnung des Lissabon-Vertrags durch das Referendum ein großer Sieg des geknechteten Volkes über das Establishment sei. Die kommunistische Internetplattform RedGlobe titelt sogar: „Die Iren retten Europa. Nein, zum imperialistischen Projekt der EU“.  RedGlobe hat das Motto: news for your class, not for your country.

Die Iren, die jetzt mehrheitlich mit Nein gestimmt haben, sind die nützlichen Idioten des europäischen Extremismus. Sie haben aber auch den höchst überflüssigen Beweis erbracht, dass es keinen direkten Zusammenhang zwischen der sozialen Frage und dem Wahlverhalten gibt. Abgestimmt hat man schließlich gegen die Geschäftsgrundlage für die Subventionierung der eigenen Existenz. Irland hat durch die EU-Mitgliedschaft den größten Modernisierungsschub seiner Geschichte erfahren.

Sollen die Marotten einer Insel-Nation von 4,3 Millionen Menschen das Projekt einer halben Milliarde Kontinental-Europäer zerstören? Zeit, über Europa neu nachzudenken. Zeit …

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12.06.2008   07:08

Ohne Kursbuch oder Wende und Ende einer Zeitschrift

Wenn Spiegel Online jetzt meldet, die Zeitschrift Kursbuch werde eingestellt, so trifft das sicherlich zu, zumal die Information vom Herausgeber Tilmann Spengler stammt, ist aber trotzdem nicht ganz richtig. Denn die Zeitschrift, die gemeint ist, hat kaum noch etwas mit dem Original zu tun. Und das spätestens seit 2004, als der Rowohlt-Geschäftsführer Alexander Fest der Publikation die Unterstützung entzog. Ganz im Sinne seines Vaters Joachim Fest, einem der großen Widersacher der 68er, aber nicht ganz auf dessen Niveau.

Wenn das Kursbuch mit dieser ersten hanseatischen Abwicklung en passant seine Seele, nämlich Ingrid Karsunke, die langjährige Redakteurin, verlor, so hatte es seinen Kopf bereits 2000 mit dem Tod von Karl Markus Michel eingebüßt. Es war dieses Tandem, dass das Kursbuch durch die Verwerfungen der achtziger und neunziger Jahre, durch Wende und Ende der linken Ideologien und Projektionen brachte, indem es die Zeitschrift ganz selbstverständlich an den Zeitfragen partizipieren ließ. …

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