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13.05.2008 09:11
Chavez führt Hitler
Wussten Sie schon, dass Angela Merkel „derselben Rechten angehört, die auch Hitler und den Faschismus unterstützt hat“? Nein? Ich auch nicht. So verblüffend prägnant hat es ja auch noch keiner formuliert. Wie jetzt Hugo Chavez. Und warum? Weil die Kanzlerin erklärt hat, er, Chavez, sei nicht die Stimme Lateinamerikas. Und das vor dem einschlägigen Gipfel in Lima, zu dem die Europäer wie eh und je wie die moralisch geprügelten Hunde anzutreten haben. Jedenfalls in den Augen von Chavez. Schließlich soll ja Geld in Strömen fließen, damit der bedürftige Autokrat weiter seinen Experimenten zur Zerstörung der Wirtschaft Venezuelas und der Unterstützung ähnlicher Exzesse in der Nachbarschaft nachgehen kann.
Nun ist Angela Merkel ebenso wenig Hitler, wie Chavez Stalin ist, aber aus, und darauf legen wir Wert, unterschiedlichen Gründen. So ist Angela Merkel, wenn wir für einen Augenblick von den Institutionen der deutschen Demokratie absehen, nicht Hitler, weil sie es …
09.05.2008 07:36
Wir boykottieren die Ochrana
Gestern wurde die Turiner Buchmesse eröffnet, und zwar unter erheblichem Polizeischutz. Wegen Israel. Israel, dem Gastland der diesjährigen Messe. Wegen Israel? Wegen der Palästinenser. Palästinenser? Wegen des Boykottaufrufs, wegen der Teilnahme Israels. Boykottaufruf der Palästinenser? Immerhin nennt sich die Boykottinitiative „Free Palestina“. Sind auch Palästinenser dabei? „Free Palestina“ tritt für die Sache der Palästinenser ein. In wessen Auftrag?
Falsche Frage. Alles falsche Fragen. Schließlich ist es legitim, Israel zu kritisieren. Aber warum machen so viele von ihrem Recht auf Israelkritik Gebrauch? Nehmen wir Tariq Ramadan, wahlweise als Ägypter, Schweizer oder gar islamischer Intellektueller eingestuft. Was ist eigentlich ein islamischer Intellektueller? Ein aufgeklärter Stalinist, ein Roger Willemsen als Muslimbruder?
Ramadan hat sich bekanntlich für den Boykott der Turiner Messe ausgesprochen. Er betonte, er habe nicht zum Boykott aufgerufen, er habe diesen nur unterstützt. Für so feinsinnige Unterscheidungen wird der Mann geschätzt. Sie trugen ihm den Ruf eines …
06.05.2008 09:50
Unsere Antisemiten und ihre Freunde
Dass wir in einer Zeit der Moralisierung von allem und jedem leben, finden große Teile unserer Öffentlichkeit bekanntlich immer noch gut, obwohl diese Moralisierung laufend zu Verboten und Tabuisierungen führt. So sehen nicht nur immer mehr Menschen mit großer Verlegenheit dem Rind in die Augen, das medium auf ihrem Teller liegt, nein, sie gruseln sich sogar zunehmend vor der unschuldigen Milch.
Die Lektion, die die Europäer im ausgehenden 20. Jahrhundert gelernt haben, folgt einem aberwitzigen Register des Schuldbewusstseins. Seither leben sie vorwiegend geduckt, stets in der Erwartung eines neuen Vorwurfs. Die Europäer sehen sich in der Rolle des überführten Täters, der gerne Opfer wäre. Da dieser Transfer nicht gut möglich ist, wollen sie sich zumindest mit den Opfern identifizieren können, wenn nicht gar diese substituieren. Das betrifft nicht nur private Konversionen von netten jungen Frauen zum Judentum oder die geradezu inflationäre Thematisierung der Schindler-Rolle, so dass man zeitweise …
05.05.2008 07:36
Schluss mit dem Eliten-Bashing!
Deutsche Debatten fangen nicht nur mit dem Alphabet an, sie bleiben auch gerne beim Alphabet. So auch die gestrige Sendung aus der Anne-Will-Serie. Elite am Pranger oder so ähnlich. Es ging mal wieder wortreich um die Chancengleichheit, an der es angeblich fehlen würde. „Chancengleichheit“ erweist sich immer öfter als eine politisch korrekte Worthülse, die, um im Jargon der Redaktionen zu bleiben, den Zuschauer abholen soll. Dieses Abholen aber ist im Grunde nichts als der Ausdruck des Superopportunismus unserer Zeit, nämlich des Kniefalls vor der Masse.
Ich will mich aber gar nicht bei dieser Sendung und ihren Protagonisten aufhalten sondern zur Sache kommen, zur Elite. Ein Begriff, der in Deutschland geradezu physisches Unbehagen hervorzurufen scheint. Warum eigentlich?
Bei dieser Frage lehnt sich der intellektuelle Hassprediger gewöhnlich in seinem bequemen Sessel zurück und hält uns einen längeren Vortrag über das historische Versagen der Eliten, speziell was den Nationalsozialismus …
04.05.2008 20:20
Wo ist Schillers Kopf?
Richard Wagner
Wo ist Schillers Kopf?
Beschäftigt uns diese Frage? Nein, sie beschäftigt uns nicht. Sie beschäftigt uns genau so wenig wie die Frage, wovon Franjo Pooth, (genau, der von Verona), seine Schulden bezahlen will. Trotzdem wird uns beides zur Kenntnis gebracht. Die Insolvenz des Geschäftsmanns Pooth und die Kopflosigkeit des Dichters Schiller.
Schillers Kopf, so dachten wir, liegt in Weimar, in der Gruft. Es wurden zwar seit langem Zweifel an der Echtheit des Schädels im Sarg geäußert, bisher aber war es mehr ein Thema für ideenferne Germanisten, und wenn etwas darüber in die Öffentlichkeit gelangte, so blieb es in der Regel im Bereich der Spekulation. Unnötig anzumerken, dass unsere Öffentlichkeit die Spekulation liebt. Mehr als alles andere, möchte man sagen, außer der Intrige.
Die Spekulation hält die Neugier wach und lässt den Tag spannend wirken. Nicht das Leben, den Tag. Und …
28.04.2008 09:36
Klaus Wowereit ist Paris Hilton
Obwohl das Scheitern der Initiatoren der Volksabstimmung vom Sonntag in Berlin eindeutig ist, lässt sich schlecht sagen, wer nun die wirklichen Gewinner und Verlierer sind. Das lässt sich schon deshalb schwer einschätzen, weil man kaum sagen kann, worum es bei dem Referendum eigentlich ging. Vordergründig war das Thema die Schließung oder Erhaltung des Innenstadtflughafens Tempelhof. Mit diesem verbindet man im ehemaligen Westberlin eine symbolisch befrachtete Bedeutung, vor allem als dem Flughafen der Luftbrücke. Die Luftbrücke wiederum symbolisiert das Durchhalten der von Stalin und seinen Lakaien belagerten Frontstadt Westberlin, ihre Standfestigkeit im Kalten Krieg. So gesehen, geht es zumindest um mehr als um die Zukunft eines Flughafens.
Im Grunde geht es um die Deutung der Geschichte, um die Hoheit darüber. Das zeigt schon ein flüchtiger Blick auf die Wahlbeteilung und die Abstimmungsergebnisse nach Bezirken. Die höchste Wahlbeteiligung und die meisten Ja-Stimmen für den Weiterbetrieb des Flughafens kommen aus den …
27.04.2008 10:36
Der Fehler des Oswald Metzger
Die Parteibasis der CDU in Biberach sieht den grünen Überläufer Oswald Metzger, der im übrigen auch schon SPD-Mitglied war, offenbar nur ungern in ihren Reihen. Und als Blitzführungskader sieht sie ihn schon gar nicht. Ist es nicht erstaunlich, dass unsere politischen Parteien, die längst über kein prägnantes Programm mehr verfügen, trotzdem immer noch eine Basis haben? Ein Parteivolk? Davon merkt man in unserer Öffentlichkeit allerdings wenig. Die Basis macht sich meistens nur bemerkbar, um den Aufstand gegen ihre Führung anzuzetteln…
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25.04.2008 10:05
Frühstücksfernsehen statt BND
Die gute Nachricht wäre: Auch wir haben einen Auslandsgeheimdienst. Die schlechte Nachricht ist: Er ist auch nicht besser als die Geheimdienste der anderen. Gut wäre ein Geheimdienst, wenn man nichts von ihm zu hören bekäme.
Vom BND hört man zwar nicht allzu oft, aber doch regelmäßig. Nun ist er wieder einmal in den Schlagzeilen. Mitarbeiter des Dienstes haben einen afghanischen Politiker, der früher im Exil in Deutschland lebte, abgehört. Einen afghanischen Politiker? Wir wollen nicht gleich motzen und es vorerst als Zeichen der Globalisierung werten. Schließlich wird unsere Sicherheit seit Jahr und Tag am Hindukusch verteidigt. Nicht in Berlin-Neukölln sondern am Hindukusch.
Was aber macht unser beflissener Geheimdienst dort? Was ist sein Beitrag zu unserer Selbstverteidigung in der Ferne? Er installiert einen Trojaner auf dem Computer eines Ministers und liest fortan dessen E-Mail-Korrespondenz. Beispielsweise mit einer deutschen Journalistin. Womit man wieder bei den heimischen Aspekten der …

