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07.08.2008 07:06
Pornografie am Donnerstag
Mit der Frage, welche Rolle die Fellatio in Kafkas Pornografiesammlung spielt, hat der Meister des Absurden den Boulevard endlich erreicht. Ich fordere eine Fanmeile für Kafka..
Ebay, heißt es, sei das erfolgreichste Kaufhaus, und das, obwohl es keine Rolltreppe besitzt. Angesichts der geringen Haltbarkeit des Heutigen, muss „second hand“ geradezu verlässlich erscheinen.Wenn alles aus zweiter Hand ist, warum dann nicht auch das T-Shirt?
Der russische Regisseur Sergej Bodrow behauptet anlässlich des Starts seines Films über den mongolischen Usurpator Dschingis Khan, dieser sei tolerant gewesen. Promotion, politisch korrekt. Historisch, eine glatte Lüge. Macht nichts.
Warum die Nachricht, dass eine Putzfrau von der Bodenpoliermaschine erwürgt wurde, aus Österreich kommt, weiß ich auch nicht. Oder doch?
Die neuen Modelle des Einsatz-BHs unserer Polizistinnen tragen am unteren Rand, so wird uns mitgeteilt, den umlaufenden Schriftzug Polizei. Was will man uns damit sagen?
Statt zu …
05.08.2008 07:03
Abschied von Alexander Solschenizyn
04.08.2008 04:36
Der Kiosk siegt über Karadzic
Als Radovan Karadzic jetzt, nach 13 Jahren auf der Flucht, der Öffentlichkeit als Festgenommener präsentiert wurde, war über ihn längst alles gesagt. So war auch nur am Rande von seinen Verbrechen die Rede und mehr von seinem Leben im Untergrund.
Schon sein überraschendes Aussehen prädestinierte ihn zum Akteur der Titelseiten. Die Sensation bestand nicht in seiner Festnahme, sondern in der Geschichte seiner Tarnung. Der Massenmörder als Wunderheiler, das war geradezu unerhört. Leute folgten seinen Spuren – nennen wir sie Journalisten - und bald schon stand fest, zumindest für den Augenblick, der Mörder war unter uns.
Nicht nur dass er in Belgrad in einem unauffälligen Wohnblock logierte und seinen mehr oder weniger esoterischen Betätigungen nachging und - wie aufregend normal - sogar Straßenbahn fuhr, nein, nicht nur das, er hielt sich, so wurde berichtet, über längere Zeit in Wien auf. O Gott!
Dieses Detail war …
01.08.2008 14:19
Staatsstipendiat Uwe Johnson
Vizepräsident Dr. Dehler: „Ich rufe auf die Frage II/3 – des Abgeordneten Jahn-:“
Jahn, Abgeordneter: „Teilt die Bundesregierung die in der Debatte über die Regierungserklärung vorgetragene Auffassung des Abgeordneten Dr. von Brentano, dem Schriftsteller Uwe Johnson müsse wegen seiner Auffassungen das Auslandsstipendium aberkannt werden?“
Vizepräsident Dr. Dehler: „Herr Minister!“
Höcherl, Bundesminister des Innern: „ Die Bundesregierung achtet selbstverständlich das
verfassungsmäßig garantierte Recht der freien Meinungsäußerung. Sie ist jedoch der Ansicht, dass ein deutscher Schriftsteller, der sich für das Sowjetzonen-Regime einsetzen oder die Schandtat der gewaltsamen Teilung Berlins verteidigen würde, keine besondere Förderung von seiten des Bundes durch ein Stipendium verdient. Insoweit teilt die Bundesregierung die Auffassung des Herrn Abgeordneten Dr. Brentano. Die umfangreiche öffentliche Diskussion über den Fall des Schriftstellers Uwe Johnson hat ergeben, dass Johnson bei dem umstrittenen Mailänder Gespräch sich in einem Diskussionsbeitrag nicht auf die Seite Ulbrichts gestellt und …
31.07.2008 21:03
Was machen eigentlich die Osteuropäer? Take 5: Telenovela in Bukarest
Was haben die Schauspielerin Oana Zavoranu und der Politiker Vadim Tudor gemeinsam? Das Geschäft läuft schlecht. Bei beiden. Das Telenovela-Starlet leidet unter Auftragsmangel, die nationalrhetorische Partei des einstigen Hofbarden des Diktatorenpaars Ceausescu dümpelt in den Umfragen vor sich hin. Das ist aber nicht die einzige Gemeinsamkeit. So ist Oana Zavoranu schon seit einem guten Jahr Mitglied der Tudor-Partei und dort Image-Beraterin des großen Vorsitzenden.
Wir wissen, Image ist wichtiger denn je. In den Zeiten der Erlebnisgesellschaft ist das Image fast alles. Vadim Tudor hat nun die Kandidatur der auch als Königin der autochthonen Brustvergrößerung bekannten Darstellerin für die Parlamentswahlen angekündigt. Seine Begründung: Man brauche junge gottesfürchtige Patrioten. Aufgefallen ist die junge Frau, die sich schon mal vor laufender Kamera selber als „Dame“ bezeichnet, bisher aber weder durch Patriotismus noch durch Gottesfurcht. Es waren eher die peinlichen Sprüche, die sie wohl für frech hält, mit denen sie scheinbar …
28.07.2008 08:22
Hessische Kundschaft
Vom italienischen Ministerpräsidenten der Nachkriegszeit, Giulio Andreotti, dem Erfinder zahlloser kurzlebiger Koalitionsregierungen, stammt das Bonmot: „Die Macht nutzt bloß jene ab, die sie nicht haben.“ Das, hat man Hessens Gemengelage im Blick, scheint, auch über Italien hinaus, zuzutreffen.
In Wiesbaden jedenfalls feiert der im Frühjahr knapp abgewählte CDU-Mann Koch geschäftsführend weiterhin Triumphe über die Opposition. Die SPD-Fraktionssprecherin Andrea Ypsilanti, die sich als Auserwählte versteht, hat nach wie vor keine Regierungsmehrheit und auch keine brauchbare Idee, wie sie dazu kommen könnte. Das hat damit zu tun, dass sie, bei ihren Überlegungen, über die Grundrechenarten nicht hinauskommt. Sie addiert immer nur tapfer, und unterm Strich steht dann auch nichts als das, was ohnehin bekannt ist: Links-Partei.
So arbeitet die Zeit für Koch. Seine Chance sind Neuwahlen. Und das nicht, weil er eine tolle Arbeit macht, sondern weil seine Gegnerin ihn durch ihre schrillen Aktivitäten, als den Kompetenteren erscheinen …
26.07.2008 08:07
Der Spitzel und seine Verteidiger
Die von Herta Müller, Helmuth Frauendorfer und dem Verfasser dieser Zeilen angestoßene Debatte über die Einladung von Securitate-Spitzeln ins rumänische Kulturinstitut beschäftigt seit ein paar Tagen auch die Bukarester Medien. Das Kulturinstitut selbst betreibt dabei eine eher nichtssagende Politik der Selbstverteidigung. Sein Leiter, Horia-Roman Patapievici, redet sich zum einen mit der angeblich fehlenden gesetzlichen Handhabe heraus, zum anderen stellt er den Moralanspruch der Kritiker in Frage. „Was sollen wir, die ohne Sünde sind, mit ihnen, den Sündern, bloß tun?“ heißt es in seiner Antwort auf den Offenen Brief von Herta Müller. Damit wird die vermeintliche Schlussfolgerung einer Debatte, die nicht stattgefunden hat, zum Argument für deren weitere Vertagung.
Das aber wirft nicht zuletzt ein Licht auf den Kodex der rumänischen Intelligenzia. Um es gleich zu sagen: Das Niveau ist nicht sehr hoch. Jedenfalls nicht beim Problembewusstsein. Knapp zwanzig Jahre nach dem Sturz des Diktatorenpaars erinnert es mich unwillkürlich …
21.07.2008 07:33
Wer hat Angst vor der Bundeswehr?
Das Verhältnis einer Gesellschaft zu ihrer Armee ist nicht zuletzt ein Indiz für den Zustand dieser Gesellschaft. Es sagt etwas über die Wehrhaftigkeit aus, über die Bereitschaft, sich und die eigenen Werte zu verteidigen.
Dass es in Deutschland damit nicht gut steht, ist nicht neu. Und es ist auch nicht neu, womit das ewig gestörte Verhältnis zwischen Bundeswehr und Öffentlichkeit begründet wird, nämlich mit dem Dritten Reich, das uns gelegentlich schon beim Frühstücken assistiert.
Nun ist die Bundeswehr nicht die Waffen-SS, und sie ist auch nicht die Wehrmacht. Sie ist vielmehr die verfassungsmäßige und parlamentarisch kontrollierte Verteidigungsarmee der Bundesrepublik Deutschland. Dass man das im Jahr 2008 immer noch erklären muss, sagt en passant etwas über den mentalen Zustand so mancher Leute in unserem Land aus. Da es sich ideologisch vom Nachlass des Dritten Reiches ganz gut leben lässt, möchte diese Art Gegner offenbar die Tausendjährigkeit des …

