Beiträge von
Kategorien
Archiv
05.09.2011 00:54
Schweriner Wahlrückenwind
Die SPD gewinnt die Wahlen in Mecklenburg-Vorpommern haushoch. Die Wahlbeteiligung erweist sich mit 52 % als so niedrig wie nie zuvor. . Auch die Grünen haben gewonnen. Sie sind zum erstenmal im Landtag vertreten und damit jetzt in allen Bundesländern. Wegen Japan. Die NPD wiederum hat zwar an Stimmen verloren, sie ist aber weiterhin im Landtag präsent, weil in Vorpommern etliche Bewohner sich, wie es heißt, vor polnischen Atomtransporten fürchten sollen.
Das Bundesland hat auch sonst einen guten Ruf. Seine Regierung hat in den letzten Jahren keine neuen Schulden mehr aufgenommen. Zuletzt wurde es von einer großen Koalition geführt. Die SPD, die diese Koalition anführte, gewann die Wahl, ihr Koalitionspartner CDU hingegen fuhr ein historisches Tief ein. Dabei geht aus Umfragen hervor, dass die meisten Befragten sich für eine große Koalition aussprechen.
Die FDP ist zur Splitterpartei geworden. Unklar bleibt, ob es mit der Entmachtung von …
23.08.2011 07:11
Kalenderblatt für eine vergessliche Linke
„So lange etwas ist, ist es nicht das, was es gewesen sein wird“, heißt es in Martin Walsers Roman „Ein springender Brunnen.“
Der 23. August 1939 war ein Mittwoch. Die Wetteraufzeichnung besagt, dass es im August des Jahres 1939 etwas zu warm war. Modisches Muss für die Dame von Welt war das kurze Bolero, lässt es doch die schmale Taille sehen. Zu den neuen Wagen, die in Serie gingen, gehörten der BMW 335 und der Maybach SW 42. Der Film des Jahres 1939 war ein amerikanisches Bürgerkriegsdrama: Vom Winde verweht. Zu den Büchern des Jahres gehörte Ernst Jüngers Auf den Marmorklippen und James Joyce Finnegans Wake. In Paris wurde das neue Schauspiel von Jean Giraudoux Undine uraufgeführt. In Buenos Aires begann die Schacholympiade. In Moskau wurde in Anwesenheit von Stalin ein deutsch-sowjetischer Nichtangriffspakt unterzeichnet.
Sieben Tage später, als die deutschen Armeen in Polen einmarschierten, hat der …
23.08.2011 01:38
Westerwelle gibt sich Recht
So schnell war das Auswärtige Amt noch nie. Für einen Augenblick dachte ich, Antonia Rados sei Staatssekretärin geworden. Es war aber bloß der Außenminister selbst, Westerwelle, der wortreich den Machtwechsel in Libyen begrüßte, noch bevor dieser stattfinden konnte. Auch für Gaddafi hat er einen guten Rat: Dieser solle von sich aus gehen.
Das ist natürlich eine echte Lösung des Problems, nicht nur was Gaddafi betrifft. Die Diktatoren gehen von selber, und alles andere erübrigt sich.
Wie aber wäre es, wenn auch Westerwelle ginge. Im Frühjahr hatte er es schließlich fertig gebracht, sich im Sicherheitsrat in der Frage der Flugverbotszone in Libyen der Stimme zu enthalten. Die Flugverbotszone war grundwichtig für den Sieg der Rebellen.
Er war sich dagegen sicher, dass es nicht mit einer militärischen Lösung getan sei. Er wollte vielmehr den Diktator eines der bedeutendsten Erdölexportstaaten durch Sanktionen stürzen. Sanktionen sind eher ein …
20.08.2011 09:30
Brüller aus der Nische. Die Junge Welt und andere Sachwalter des Kommunismus
Am 13. August, dem Tag, an dem Deutschland der Opfer der Mauer in Berlin gedachte, produzierte eine Zeitung eine der wohl hässlichsten Schlagzeilen in der Pressegeschichte unseres Landes. Die Junge Welt titelte mit einem Bild einer sogenannten Arbeiterkampfgruppe und einem Dankeschön für 28 Jahre Mauer.
Damit fiel das Blatt nicht zum ersten Mal durch seine Neigung zum provokativen Dissens im vereinigten Deutschland auf. Es handelt sich um die ehemals auflagenstärkste Zeitung der DDR, in der Sprache des Kommunismus , um das Zentralorgan der FDJ, die Freie Deutsche Jugend. Das war die Jugendorganisation der SED, in der allgemein die Zwangsmitgliedschaft herrschte.
Dass es die „Junge Welt“ heute noch gibt, hat mit den Seltsamkeiten und Ungereimtheiten der deutschen Vereinigung zu tun. Nach der weitgehend friedlichen Revolution im Osten Europas und in der DDR selbst, wollte man den Frieden des Integrationsprozesses nicht gefährden. So konnten auch der ehemalige Apparat …
15.08.2011 09:11
Zigarettenpause in Kiel
Eine Sechzehnjährige hat eine Beziehung zu einem Neununddreißigjährigen. Ist das ein Problem? Und wenn ja, für wen? Für die Sechzehnjährige? Wirft man einen Blick in die Thematik des Sexualkundeunterrichts an unseren Schulen, kann man eher annehmen, es sei für eine Sechzehnjährige schon fast eine Pflichtübung, eine solche Beziehung einzugehen. Was in den so genannten Teenie-Magazinen an Promiskem zur Empfehlung kommt, wollen wir gar nicht erst erörtern.
Ein Neununddreißigjähriger hat eine Beziehung zu einer Sechzehnjährigen. Das ist kein Problem. Und es macht auch keiner ein Problem daraus. Bis der Mann, der Politiker ist, unerwartet Karriere macht. Als Spitzenkandidat seiner Partei hat er plötzlich ein Problem, weil er eine Beziehung zu einer Sechzehnjährigen hatte.
Zum Zeitpunkt seines Karrieresprungs ist die Beziehung längst zu Ende. Der Mann hat sich den Fragen seines Parteivorstands zu stellen und anschließend verzichtet er auf die Kandidatur und tritt von seinen Parteiämtern zurück. Es …
13.08.2011 22:51
Die Dialektik der Mauer
Eine der größten Blamagen des Kommunismus ist sicherlich der Bau der Berliner Mauer. Noch im Sommer 1961 erklärte Parteichef Walter Ulbricht auf einer Pressekonferenz, niemand wolle eine Mauer errichten. Die Bauarbeiter Berlins seien vielmehr mit dem Bau von Wohnungen beschäftigt. Wer die totalitären Gepflogenheiten kannte, wusste, dass mit dem Gegenteil zu rechnen war. Der Mann redete sich viel zu ausführlich heraus.
Zu den wichtigsten Instrumenten der Machtausübung im Totalitarismus gehört der Umgang mit der Sprache. Eine Langzeitdiktatur kann nicht allein durch Repression bestehen, sie wird diese mit der Zeit durch Manipulation ergänzen oder sogar ersetzen.
Der Kommunismus hatte aber auch noch eine weitere Methode zur Verfügung, die Entwertung der Sprache durch die Einordnung in den offiziellen Jargon. Dieser wirkte schlicht zermürbend. Wer einmal ein Neues Deutschland, die Tageszeitung der SED, in der Hand hatte, weiß, dass ein Zeitungsartikel kein Zeitungsartikel ist, und die Zeitung selbst auch …
11.08.2011 10:03
Freiheit, Gerechtigkeit und Langeweile
Nach Tagen ziemlich ratloser Berichterstattung über die Ausschreitungen in britischen Städten stellen unsere Medien nun die Frage, ob sich so etwas auch in Deutschland ereignen könnte. Der Innenminister dementiert naturgemäß, der Sprecher der Polizeigewerkschaft hingegen hält es durchaus für möglich.
Beide sprechen nicht etwa aus der Kenntnis der Lage, sondern im Interesse des eigenen Amtes. Der Innenminister ist Politiker, für Politiker aber gibt es ein Problem erst als Problem, wenn es zu Tage tritt. Die Polizeigewerkschaft wiederum sucht bereits prophylaktisch darauf aufmerksam zu machen, dass der Polizei die Hände gebunden seien, und dass die Tatsache, dass sie gegen solche Ausschreitungen nur wenig unternehmen könne, nicht an ihr selbst, das heißt an ihrem freien Willen liege, sondern an der Gesetzgebung, und vielleicht auch nur an der Haushaltssituation.
Sicherlich wird es Ausschreitungen, wie jene in Großbritannien, in Deutschland so nicht geben. Deutschland ist nicht Großbritannien. Das ist auch …
27.07.2011 14:52
Die Waffen des Fanatikers
Sollte es tatsächlich jemanden geben, der ernsthaft glaubt, dass man durch das Hören der Musik von Wagner zum Nazi wird, so spräche das zunächst einmal gegen den, der so etwas glaubt. Es wiese ihn nicht nur als Ignoranten der Wagnerschen Musik aus, sondern generell als unmusikalisch. Seinen künstlerischen Tinnitus offenbarte auch der Wilderer vom Obersalzberg, indem er als Lieblingsoper von Wagner dessen Frühwerk „Rienzi“ auserkor.
Dem Ermächtigten ging es selbstverständlich nicht um die Musik, sondern um sich selbst. Er war ein Fanatiker, und auch er hätte den Weg des Attentats gehen können, hätten das nicht bereits andere vor ihm in inflationärer Weise getan. Der Weimarer Republik fehlte es nicht an Attentätern. Der wahre Fanatiker bemächtigt sich der großen Themen seiner Zeit, er kopiert sie zum eigenen Original um.
In unserer permissiven Gesellschaft gibt es nicht wenige junge Männer, die nach der großen Aufgabe suchen. Die einen …


