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06.03.2009 10:14
Der Kommunismus im ZVAB
In den osteuropäischen Literaturen ist so Manches über den Kommunismus geschrieben worden, das sich auch heute noch als aufschlussreich erweist. Einiges davon ist sogar auf Deutsch erschienen. Wahr ist aber auch, dass Medien-und Spaßgesellschaft wenig Gefallen an dem Thema finden, und so vieles von dem Übersetzten in Vergessenheit geraten ist.
Im Folgenden sei an vier Romane aus vier Ländern erinnert:
(Polen)
Tadeusz Konwicki, Die polnische Apokalypse. Aus dem Polnischen von Gabriele Hanussek, S. Fischer, Frankfurt am Main 1982
Aus dem Buch:
„Wir haben uns selbst zu Sklaven gemacht und halten uns nun selbst hinter Gittern gefangen?“ fragte ich scharfsinnig.
Er blinzelte billigend mit dem Auge.
„Das ist es. Wir sind dem Tyrannen zuvorgekommen. Wir haben ihn überlistet. Wir sind frei, weil wir uns unsere Unfreiheit selbst aufgesetzt haben.“
„Ist die Geschichte unser wahrer …
05.03.2009 09:08
Geht es uns nicht immer noch zu gut?
„Wir werden siegen, und zwar so, dass die großen Opfer reichlich wieder gutgemacht werden. Allein der Besitz von Belgien, das sicherlich deutsch bleibt, ist ein ungeheurer Gewinn. 8 Millionen Einwohner, ein Seehafen am Kanal, Riesenindustrie und älteste Kultur. Auch was wir noch brauchen, ein afrikanisches Kolonialreich, werden wir bekommen. Die Landung in England ist technisch möglich und liegt im Plane unseres Generalstabs. Ich nehme an, dass sie Anfang November erfolgt.“ So Oswald Spengler, am 25.Oktober 1914, in einem Brief.
Besitz von Belgien? Seehafen am Kanal? Afrikanisches Kolonialreich? Landung in England? Scherze des 19. Jahrhunderts, könnte man sagen, hätte der Philosoph nicht den folgenden Satz hinzugefügt: „Dass uns der Sieg schwer gemacht wird“, schreibt Spengler, „ist sozusagen eine ethische Notwendigkeit unsrer historischen Entwicklung“.
Nie wurde eine kommende Niederlage attraktiver beschrieben als hier. Mit dieser Attraktivität kam und ging die deutsche Zuversicht eines ganzen Jahrhunderts. Des zwanzigsten. Es …
02.03.2009 08:06
Mit dem BZÖ ins vertraute Heim
Die Krise der Finanzmärkte hat bisher zwei profilierte Interessengruppen ins Spiel gebracht. Die Rufer nach dem Staat und seinem Geld und die Warner vor dem erwarteten Zulauf für den politischen Rechtsextremismus. Beide Gruppen formulieren gerne apokalyptisch, sie finden noch in der knappsten Agenturmeldung Argumente für ihr Anliegen.
Nun haben am gestrigen Sonntag im österreichischen Bundesland Kärnten Wahlen stattgefunden, und sie sind genau so ausgegangen, wie zu vermuten war. Da half auch nicht, dass man mit Prognosen ein bisschen Hoffnung machte, Haiders Partei BZÖ hat sich nach dem Unfalltod ihres tollkühnen Anführers sogar noch verbessern können, auf diesmal 45,5%.
Sind also 45,5% der Kärntner Wähler Rechtsextremisten? Wer das Spiel nicht bereits jetzt verlassen will, korrigiert sich, und plötzlich ist die Partei nur noch rechtspopulistisch. Was aber heißt rechtspopulistisch? Ist es nicht so, dass diesem Begriff alles zugeordnet wird, was bei den so genannten Volksparteien keinen Platz mehr …
02.03.2009 05:45
Der Pizzabote und die Streckbank
Wir leben auf einem Kontinent, auf dem die Kinder, bevor sie schreiben lernen, bereits Einzelheiten über die Foltermethoden der Inquisition erfahren. Das führt dazu, dass sie später zu dem Schluss kommen, sie hätten ihre Kindheit auf der Streckbank verbracht, und müssten nun, für den Rest ihres Lebens, gegen diese Schreckens-Einrichtung der europäischen Welt aufbegehren.
So gehört die Warnung vor uns selbst zu den bestens verbreiteten geistigen Markenzeichen der bundesrepublikanischen Umgründung Deutschlands. Im Ergebnis hatte der Mainstream der Intellektuellen für alle Weichenstellungen, die das Erfolgsmodell Bundesrepublik erst möglich machten, nur schroffe Zurückweisung übrig, Hohn und Spott.
Alles, was den westlichen Charakter der Institutionen der deutschen Gesellschaft festigen sollte, war dem Njet dieser Denkfiguranten ausgesetzt. Wäre es nach ihnen gegangen, hätte die Bundesrepublik nicht prioritär das Auskommen mit Frankreich gesucht, sondern einen Ausgleich mit Stalin. Die deutsche Wiedervereinigung wäre zum Preis der Neutralität, sprich, der Finnlandisierung, angestrebt …
26.02.2009 12:47
Die Vertriebenen machen wieder Politik in Polen
In der Diktion der deutschen Öffentlichkeit ist Erika Steinbach eine Person, die polarisiert. Das aber wird in einem Land des sprichwörtlichen Konsenses, wie Deutschland es ist, nicht gerne gesehen. Interessant bleibt auch die Beobachtung, das die Bundesvorsitzende der Vertriebenen nicht etwa durch irgendwelche radikalen Ansichten unangenehm auffällt, sondern durch ihre Bemühungen die BdV-Positionen der Mitte anzunähern.
Ihr Lieblingsprojekt, mit dem sie die Öffentlichkeit in Deutschland seit Jahren mehr nervt als begeistert, das Zentrum gegen Vertreibung, soll schließlich alles beinhalten, was sich zu dem Thema in Mitteleuropa historisch zusammentragen lässt.
Gerade darin besteht aber das Problem, nämlich in der allseits befürchteten Umverteilung von Schuld und Unschuld. Erika Steinbach hat lange versucht, das Projekt öffentlichkeitswirksam zu präsentieren, sie hat in Ralph Giordano zeitweise einen unverdächtigen Befürworter gewinnen können und mit dem verstorbenen Peter Glotz einen prominenten Mitstreiter sudetendeutscher Herkunft aus der SPD.
Aber je mehr konventionellen …
24.02.2009 13:52
Zehn krisenfeste Berufe für Intellektuelle
Die Shortlist
1
Brennpunkt-Publizist
2
Ehrenmörder-Anwalt
3
Geldwirtschaftskritiker
4
Kindheits-Dekonstruktivist
5
Koran-Versteher
6
Leuchterreport-Bibliograph
7
Listenplatz-Politiker
8
Polkappenforscher
9
Schiffbruchsphilosoph
10
Stalker-Therapeut
20.02.2009 01:13
In Russland mangelt es jetzt auch an Beweisen
Was behaupten wir da immer frech, Russland sei nicht demokratisierbar? Zumindest ein Rechtsstaat ist es doch schon. So könnte man meinen, wenn man bedenkt, dass am gestrigen Donnerstag der Prozess gegen vier Angeklagte, wegen des Vorwurfs der Beteiligung an der Ermordung der Journalistin und Bürgerrechtlerin Anna Politkovskaja, mit einem Freispruch für alle Angeklagten zu Ende ging. Die Beweise reichten nicht.
Freispruch? Das hätte es so in der Sowjetunion nie gegeben, hören wir den Altkanzler flüstern, oder war es doch nur eine Nase aus der Wirtschaft? Haben die geschäftstüchtigen Herren vielleicht Recht, und wir irren uns komplett?
In der Sowjetunion wäre es zu einem solchen Verfahren gar nicht erst gekommen. Und Anna Politkovskaja wäre – wir wagen hiermit die Retroprognose – gar nicht ermordet worden. Man hätte sie womöglich davongejagt, wie Solschenizyn, in den Westen abgeschoben. Einen solchen Mord hätte sich die Kreml-Gerontokratie der achtziger Jahre …
19.02.2009 08:01
Der Bischof als Nihilist
Obwohl Richard Williamson immer noch den Leuchterreport studiert, um zu einem wissenschaftlich fundierten Ergebnis über den Holocaust zu kommen, findet er anscheinend doch noch Zeit für weitere, nicht weniger originelle Unternehmungen. So hat er den schwedischen Sender, dem er das Skandal-Interview gewährt hatte, (erfolglos) verklagt, weil er von den Fernsehleuten im Glauben gelassen worden sei, dass das Gespräch nur in Schweden gezeigt werde. Wollte er also den Holocaust nur in Schweden leugnen? Und warum nur dort? Dachte er, es fällt nicht weiter auf? Und warum sollte es nicht weiter auffallen?
Wie auch immer, Williamson hat die Aufmerksamkeit auf ein Phänomen gezogen, das uns schon seit einer Weile begleitet. Es geht um das Bedürfnis der individuellen Prüfung kollektiver Erfahrungen und Erkenntnisse. Man prüft den Holocaust ganz persönlich, als handele es sich um die Relativitätstheorie oder um den Klimawandel. In unserer vom Minderheitenschutz beherrschten Gesellschaft gilt ja schon fast …


