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26.09.2011   06:38

Angela Merkel führt in ganz Europa die Drachme ein

Wahrscheinlich noch in dieser Woche. Gestern war sie im Fernsehen. Sie war bei Günther Jauch, um uns die Rettung des Euro zu erklären. Es geht jetzt nämlich nicht mehr nur um die Rettung Griechenlands, sondern um die Rettung des Euro. Das macht, wie man uns versichert die Sache nicht schlimmer, aber weniger brenzlig für Griechenland. Ja, nun.

Nach dem Hin und Her in den letzten Monaten hat die politische Klasse in Europa wohl doch noch eine gemeinsame Terminologie gefunden, um nicht zu sagen, eine günstigere Sprachregelung. Jetzt gibt es sogar schon zwei Rettungsschirme, einen provisorischen, von dem Angela Merkel vor einem Jahr noch gar nichts hielt, wie ihr Günther Jauch beweisen wollte, und einen dauerhaften für die Zukunft, der den provisorischen demnächst ablösen soll.

Man könnte denken, damit werde ein kleiner Billigschirm aus dem Kaufhaus, demnächst mit einem ganz großen, ersetzt, einem veritablen, wie ihn …

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23.09.2011   17:14

Kirche, Papst und Staat in Berlin

Beide Gastgeber des Berlin- Aufenthalts von Papst Benedikt, Bundestagspräsident Norbert Lammert und Bundespräsident Christian Wulff, haben sich bei der Begrüßung ihres Gastes jeweils mit ungewöhnlicher Deutlichkeit und in geradezu fordernder Weise zu Fragen der angeblich fälligen Kirchenreform geäußert.

Es war eine für Politiker, zumal in Deutschland, bemerkenswert freihändige Zitierung des Reformstammtisches. Beide sind im Übrigen Christdemokraten, und was sie gesagt haben, haben sie wohl gesagt, um dem Reformstammtisch zu gefallen. Wulff befindet sich ohnehin auf dem besten Weg, zum Todenhöfer des Schlosses Bellevue zu werden.

Dass Beide sich im Amt zu Kirchenangelegenheiten äußern, lässt uns vorübergehend an eine Erweiterung der Hermeneutik bei der Trennung von Kirche und Staat denken. Das Detail erkennt nicht immer das Ganze in sich.  Aber wir wollen jetzt nicht pedantisch sein und statt dessen auf ein Kollateralglück hinweisen. Zahlreiche Befürworter der Trennung von Kirche und Staat waren gar nicht erst im Plenarsaal …

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21.09.2011   16:41

Kleine Anfrage anlässlich des Papstbesuchs

Sich zum Katholizismus zu bekennen, gilt in Deutschland als abwegig. Hingegen genießt jeder dem Buddhismus, dem Islamismus, dem Schamanismus oder dem Bolschewismus Zugeordnete volles Verständnis.

Folgt man der öffentlichen Debatte, muss man zu dem Schluss kommen, dass man in unserem Land unter dem Zölibat wie im Mittelalter unter Pest und Cholera leidet. Die katholische Kirche sei reaktionär, heißt es gebetsmühlenartig, und wodurch? Weil es keine Kondomautomaten im Vatikan gibt?

Der sexuelle Missbrauch ist nicht ein „katholisches“ Laster, er ist vielmehr eine „sanfte“ Form des Kannibalismus, gegen den auch die Kirche nicht viel ausrichten kann. Nicht mehr als die Gesellschaft und nicht weniger als die Justiz oder der Protestantismus.

Vom Papst eine Würdigung der Lutherbibel zu erwarten, wie Schorlemmer unlängst in einer Talkrunde zu erkennen gab, käme etwa dem Ruf nach einem Lob von Sartre für die Übersetzung von Descartes ins Elsässische gleich.

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19.09.2011   07:39

Die neuen Berliner Freiheiten

Das Berliner Wahlergebnis hinterlässt zwei kleine Sensationen: Die FDP als Splitterpartei und die Piraten als Hoffnungsträger der Facebook-Jugend. Die FDP hat zwar eine große Vergangenheit, aber war sie in ihrer Struktur jemals mehr als nur eine Splitterpartei?

In Deutschland hat der Liberalismus angelsächsischer Prägung niemals richtig Fuß fassen können. Unsere Tradition ist unverkennbar eine nationalliberale. Und das ist etwas anderes. Wenn es in dem einen Fall um die individuelle Freiheit und ihre Geltung geht, geht es im anderen um die freiheitliche Verfasstheit der Gesellschaft und ihres Ordnungsrahmens. So hatten ein Walther Rathenau und ein Ralf Dahrendorf recht wenig gemeinsam.

Die Bedeutung der FDP in der Geschichte der Bundesrepublik bestand auch nie in ihrer liberalen Ideologie, sondern in ihrer Rolle als Instrument der Politik im Drei-Parteien-System, als sie das Zünglein an der Waage war. Wer die FDP auf seiner Seite hatte, konnte die Regierung bilden. Von diesem …

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17.09.2011   13:03

Staatsmann Wowereit

Dass der Sieger der morgigen Landtagswahlen in Berlin bereits feststeht, wird kaum jemand bezweifeln. Es ist Klaus Wowereit, der Udo Waltz unter den SPD Politikern. Dass er weder Machiavelli noch Bebel ist, sollte uns aber nicht zu vorschnellen Schlüssen verleiten, befinden wir uns insgesamt doch auch nicht in der Renaissance, ja nicht einmal im Kaiserreich, sondern im Zeitalter von Bionade und Stefan Raab.

Offen ist nur noch die Prozentzahl, mit der die in Berlin stets stark gewesene SPD - es war einst die Partei von Willi Brandt und Ernst Reuter - gewinnen wird. Den Koalitionspartner kann sie sich ohnehin aussuchen. Alle anderen Parteien sind bündnisbereit. Das ist schon eine ziemlich ungewöhnliche Situation, sie sagt nicht zuletzt auch etwas über den Zustand unserer politischen Klasse aus. Neben seinen Kontrahenten wirkt Wowereit übrigens fast schon wie ein Staatsmann. „Wer Wowereit will, muss SPD wählen“. So lautet ein unmissverständlich zweideutiger Wahlslogan …

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12.09.2011   06:01

Befreier Todenhöfer

Das Schlimmste am Guten ist, dass es nicht nur seine Parteigänger hat, sondern auch seine Botschafter. Da das Gute allgemein zur Verfügung steht, ist seine Diplomatie ein Selbstbedienungsladen für alle, die es gut meinen. Dass jemand, der sich zum Bösen bekennt, auch dessen Folgen bedenken muss, ist selbstverständlich. Für das Gute gilt das leider nicht. Dabei sind die Ergebnisse der guten Taten unter Umständen folgenreicher als das Dilettieren im Bösen.

Der zur Zeit bekannteste Botschafter des Guten, der Primus unter den Selbsternannten, ist sicherlich Jürgen Todenhöfer. Ihn kennt jedes Kind, dessen Eltern Fernsehgebühren zahlen. Es ist der Mann, der zwischen den Welten hin und her jettet, um sich um die Kinder zu kümmern, die immer wieder von der NATO bombardiert werden. Todenhöfer sorgt für Prothesen und schreibt Luftkriegsprosa, die regelmäßig in die Bestsellerlisten gelangt, weil die westliche Frau beim Lesen bekanntlich so gerne weint.

Todenhöfer ist …

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11.09.2011   18:12

Mit der Maultrommel des Verschwörungstheoretikers

Nein, der Verschwörungstheoretiker betrachtet sich nicht als Teil der Verschwörung. Er versteht sich vielmehr als unvoreingenommener Beobachter der Ereignisse. Das stehe ihm zu, betont er im Gespräch. Schließlich verurteilt der Verschwörungstheoretiker bereitwillig die Gewalt. Für ihn sind die Auswirkungen eines Anschlags Ziele der Verschwörung.

Im öffentliche Raum nimmt der Verschwörungstheoretiker nur die Bühne wahr, an der ihn wiederum die Kulisse interessiert. Auf dem Theater wäre er der Kulissenschieber. Der Kulissenschieber souffliert nicht. Er konstatiert.

So kann die Verurteilungsrhetorik schnell zur Bezichtigungsode werden. Die Verschwörer kommen in den Augen des Verschwörungstheoretikers nicht aus dem Untergrund, sie bleiben vielmehr im Verborgenen der Chefetage. Im Verborgenen des Labyrinths, in dem er der Logik folgt. Es ist die Logik des offenen Geheimnisses.

Der Verschwörungstheoretiker ist der Gefangene seines Weltbilds. Jede Weltsicht produziert Weltbilder. Ihr Charakter ergibt sich aus der jeweiligen Weltsicht.

Der Verschwörungstheoretiker legt Wert auf …

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04.09.2011   23:54

Schweriner Wahlrückenwind

Die SPD gewinnt die Wahlen in Mecklenburg-Vorpommern haushoch. Die Wahlbeteiligung erweist sich mit 52 % als so niedrig wie nie zuvor. . Auch die Grünen haben gewonnen. Sie sind zum erstenmal im Landtag vertreten und damit jetzt in allen Bundesländern. Wegen Japan.  Die NPD wiederum hat zwar an Stimmen verloren, sie ist aber weiterhin im Landtag präsent, weil in Vorpommern etliche Bewohner sich, wie es heißt, vor polnischen Atomtransporten fürchten sollen.

Das Bundesland hat auch sonst einen guten Ruf. Seine Regierung hat in den letzten Jahren keine neuen Schulden mehr aufgenommen. Zuletzt wurde es von einer großen Koalition geführt. Die SPD, die diese Koalition anführte, gewann die Wahl, ihr Koalitionspartner CDU hingegen fuhr ein historisches Tief ein. Dabei geht aus Umfragen hervor, dass die meisten Befragten sich für eine große Koalition aussprechen.

Die FDP ist zur Splitterpartei geworden. Unklar bleibt, ob es mit der Entmachtung von …

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