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05.04.2008   09:26

Linkspartei? Schnäppchenjäger!

Eigentlich konnte man es schon ahnen, als sich die sogenannte Linkspartei im Westen der Republik formierte: Wir werden nicht wenig Spaß haben. Und so ist es auch gekommen. Die Helden der neuen Gruppierung lassen kein Fettnäpfchen aus. Ob es nun um die Rechtfertigung der Mauer geht oder um den Vergleich von Dalai Lama und Chomeini. Nur am Rande: Die beiden Urheberinnen dieser schlechten Scherze sind in Landtagen in Hannover und Hamburg untergebracht. Dafür sind ihre Themen erstaunlich überregional.

Das aber ist nicht das Problem. Die Sprüche sind bekannt, man konnte sie auch bisher hören. Außerparlamentarisch sozusagen. Die Ewiggestrigen ziehen durch unser Land wie durch einen Supermarkt, in dem ihnen die Ware partout nicht gefallen will. Die Kleinigkeit, die dieses Detail verrät: Sie gehören zu den Satten. Ja, sie werden auf ihrer Sozialpilgerfahrt zu den Brennpunkten der Republik und des Republikanischen sogar von Millionären angeführt.

Nun …

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03.04.2008   08:58

Mit der Nato in den Kaukasus?

Die NATO tagt zur Zeit in Bukarest, im Palast des vor fast 19 Jahren hingerichteten Diktators Ceausescu. Die ihn damals zu Tode gebracht haben, waren vorher zum großen Teil seine Mitarbeiter. Das ist so in der Diktatur. Da die Opposition offiziell nicht zugelassen wird, versteckt sie sich in den Institutionen der Macht. So ist die verwirrendste Debatte, die in Rumänien seit 1989 geführt wird, jene über die Frage, wer nun eigentlich Ceausescu gestürzt habe: Seine Gegner, seine Parteigänger oder gar die Russen?

Für die Osteuropäer ist das westliche Militärbündnis ein Türöffner. Einerseits setzen sie dieses mit den Amerikanern in Verbindung, die ihnen weniger naiv erscheinen als die Westeuropäer. Andererseits ist die NATO für die Osteuropäer mit der EU untrennbar verbunden. Obwohl sie regelmäßig den Verdacht äußern, der Westen könne sie durch sein imperiales Vorgehen übervorteilen, wollen sie trotzdem unter das Brüsseler Subventionsdach.

Da die Osteuropäer ein …

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29.03.2008   11:15

Was haben die 68er bloß gelesen? Aus der Handbibliothek des Rudi Dutschke

Jürgen Horlemann und Peter Gäng, Vietnam. Genesis eines Konflikts (Suhrkamp 1966)
(Dieses Buch, nach Ansicht von Rudi Dutschke, eines der drei Bücher, die der Student gelesen haben sollte, ist für den Schlachtruf „Ho-Ho-Ho-Chi-Minh!“ verantwortlich.)

Erich Fried, und Vietnam und. Gedichte (Wagenbach 1966)
(Lyrik? Brecht hätte sich im Grab umgedreht.) …

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27.03.2008   07:53

Den Schuh hoch halten oder Die Gerechtigkeit im Discounter

China ist ein Geschäftspartner. Das hämmert man uns Europäern täglich ein. Als wüssten wir es nicht. Zumindest von unseren Einkäufen beim Discounter. Das „Made in China“ ist auf Billigprodukten jeder Art zu finden. Manchmal erst nach längerem Suchen, als wolle es sich verbergen. Es handelt sch ja auch um kein Markenzeichen. Man kauft schließlich nicht ein Produkt, weil es aus China kommt. Man kauft es trotzdem.
Wessen Geschäftspartner ist China eigentlich und warum? Alles, was in China hergestellt wird, könnte und kann auch wo anders hergestellt werden. Es wird sogar woanders hergestellt. Genau so gut, genau so schlecht. Genau so billig. Warum also China? Das sind alles Fragen, die sich kein Kunde im Discounter stellt. Aber stellt sich der Discounter selbst diese Fragen?
Ein Discounter, könnte man sagen, ist nichts weiter als ein Geschäft, das den Eindruck erwecken will, die angesagten Standards der Konsumgesellschaft für alle …

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26.03.2008   10:03

Schwarz-Grün? In Hamburg? Nein, in Bhutan!

Doch. Bhutan, das etwa so groß wie die Schweiz ist, liegt am Himalaja. Kurz vor Tibet. In Bhutan aber ist alles anders. Dort fanden am Sonntag freie Wahlen statt. Bhutan ist eine Monarchie. Bis vor zehn Jahren war es eine absolute, seither versteht sie sich als eine konstitutionelle. Vorbereitet wurden die Wahlen vom jungen, in Oxford ausgebildeten König und dessen Vater, der vor zwei Jahren überraschend auf den Thron verzichtet hat - zugunsten seines Sohnes. In Bhutan wird alles von oben geregelt, auch die Modernisierung. So hat das Land jetzt ein Zweikammerparlament. In dessen am Sonntag gewähltem Unterhaus sind zwei Parteien vertreten. Die Wahlsiegerin, die Friedens- und Wohlstandspartei, hat 44 Sitze, die oppositionelle Demokratische Volkspartei 3. Klare Verhältnisse…

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17.03.2008   21:37

Subversive Hämorrhoiden

Zu den Highlights der diesjährigen Leipziger Buchmesse gehört Charlotte Roches Debütroman „Feuchtgebiete“. Roche ist keine Schriftstellerin. Das ist eine gute Voraussetzung, um im heutigen Deutschland mit einem Buch zu reüssieren. Zumindest auf dem Markt. Erfüllt sie doch sämtliche Kriterien für eine aktuelle Erfolgsautorin. Sie ist eine junge, wortgewandte Frau und prominent ist sie auch. Dass ihre Prominenz nicht literarischer Natur ist, spielt praktisch keine Rolle.

Charlotte Roche machte sich einen Namen als Moderatorin der mittlerweile eingestellten Avantgarde-Pop-Sendung „Fast Forward“. Sie wurde bei VIVA rausgeworfen, weil sie die Quote, das höchste Gut des Fernsehens, missachtete und, trotz aller Belehrung, uneinsichtig blieb. Zwei Themen, die jetzt, beim literarischen Start der Ex-Moderatorin eine Rolle spielen, waren schon zu VIVA-Zeiten erkennbar: Die Neigung zu spätpubertären Provokationen und zu linksgestrickten politischen Parolen. Die Pubertätsphantasien scheinen das einschlägig unterversorgte Teenie-Publikum, folgt man der Stimmung bei den ausverkauften Lesungen, glänzend zu unterhalten. Es ist wie …

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14.03.2008   12:37

Novalis, das Grundgesetz und die Islamkonferenz

Wussten Sie, dass wir uns im Europäischen Jahr des interkulturellen Dialogs befinden? Nein? Ich auch nicht. Wo wir aber schon bei der Angelegenheit sind, hier ein Beispiel. Spiegel Online beginnt ein Interview mit dem Kieler Schriftsteller Feridun Zaimoglu mit folgender Frage: „Herr Zaimoglu, Sie waren mit Ihrem neuen Buch für den Preis der Leipziger Buchmesse nominiert. Leider haben Sie ihn nicht bekommen, aber ist allein die Nominierung für einen deutschen Literaturpreis für Sie eine Anerkennung als deutscher Autor?“ Dass die Frage stilistisch nicht ganz einwandfrei daherkommt, wollen wir nur am Rande erwähnen…

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08.03.2008   19:11

Die Revision der Rebellion oder Wem gehört 1968?

Mit einer Kürzestdefinition ließe sich sagen, die 68er sind die, die das Jahr 1968 erfolgreich besetzt halten. Ihr Lebensinhalt scheint, neben dem langen Marsch durch die Institutionen, die Selbstfeier in allen Jubeljahren zu sein, die die Tradition der runden Zahl mit sich bringt, so auch in diesem. Da sie aber Meister der Dialektik sind, abgenabelte Adorniten, haben sie auch die Kritik an sich selbst fest im Griff.

Jetzt, vierzig Jahren danach, stellen sie die kritischen Bücher zu 68. Als Meister der 68er Kritik treten Götz Ali und Peter Schneider an. Was macht es schon, dass die beiden unter den Rädelsführern waren, dass Peter Schneider die Brandrede gegen Springer hielt und Ali an der Drangsalierung des Professors Alexander Schwan am OSI, an die er sich nur noch vage zu erinnern vermag, teilgenommen hat? Jetzt, nach vierzig Jahren haben sie einen Abstand zur Bewegung. Aber auch zu sich selbst? Wahr …

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