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07.03.2010   17:27

Ceausescu amnestiert postum

Letzte Woche in Kopenhagen. Auf dem 20. Stock eines Hotels gelangt ein Mann in ein Zimmer, weil die Tür offen steht. Er hat eine Eisenstange dabei, und ein Messer. Als ihm die Bewohnerin des Zimmers, eine norwegische Stewardess, entgegentritt, schlägt er so lange mit der Eisenstange auf sie ein, bis ihr Körper leblos am Boden liegt, um anschließend noch mit dem Messer zuzustechen.

Der Mann geht anschließend ins Bad, um sich die Blutspuren von den Händen zu waschen und die Kleidung notdürftig zu säubern. Er verlässt das Zimmer, als sei nichts gewesen. Er begibt sich ins Hotelcasino und trinkt dort ein Bier. Der Taxifahrer, der ihn anschließend gefahren hat, sagt, der Mann sei höchst redselig gewesen und habe sogar noch die Fahrt verlängern wollen, um sich mit dem Fahrer weiter zu unterhalten. Dieser aber habe abgelehnt.

Der gesprächige Mann, der sich inzwischen der schwedischen Polizei gestellt …

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06.03.2010   08:21

Das Gesetz der Levante

Die offizielle Türkei ist empört. Wieder einmal. Worum es geht? Wie in den meisten türkischen Empörungsfällen, um eine Resolution gegen den Genozid an den Armeniern. Diesmal hat es das amerikanische Unterhaus gewagt, der Geschichtsklitterung der Täter zu widersprechen.

Wieso eigentlich gibt es jedes Mal dieses Theater in Istanbul und Ankara, wenn jemand die Wahrheit über die Armenier-Verfolgung ausspricht? Diese ist schließlich ein historisches Faktum, ausgiebig dokumentiert und tausendfach belegt. Eine Nation, die sich eine solche Ungeheuerlichkeit geleistet hat, sollte in der Sache, wenn sie schon zu mehr nicht in der Lage ist, wenigstens schweigen.

Dass die Achtung der Menschenrechte auch in der gegenwärtigen Türkei zu wünschen übrig lässt, ist allseits bekannt, man muss darüber nicht extra spekulieren. Man muss auch nicht darüber spekulieren, warum das so ist, denn die Gründe liegen auf der Hand. Die Türkei hat es versäumt sich ihrer Geschichte zu stellen. Das betrifft …

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24.02.2010   09:38

Bagatellen

In der Erlebnisgesellschaft kommt es auf das Detail an. Wenn Margot Käßmann bisher als die erste Bischöfin in der Geschichte der evangelischen Kirche Deutschlands galt, so ist sie seit gestern die erste Promille-Bischöfin in der Geschichte dieser Kirche. Der Vorteil: Sie kann jetzt auch von Stefan Raab eingeladen werden. Und noch etwas: Falls sie ihr Amt verlieren sollte, so wird sie es wegen der Promille verlieren, und nicht wegen ihrer öffentlichen Aussagen der letzten Monate, in denen sie nicht müde wurde, das allgemeine Appeasement zu rühmen.

Betrachten wir es so, wie es ist: Auch wenn die Bauvorschriften nicht mehr gelten, wie uns der U-Bahn-Bau zu Köln gezeigt hat, und das Urheberrecht, angesichts eines zum Bestseller gewordenen Debüts, zur literarischen Gestaltungsfrage erklärt werden kann, gilt immerhin noch die Promillegrenze. Ihre Macht ist für den Stand der Dinge entlarvend und gleichzeitig Ausdruck der letzten Hoffnung.

Auch die gravierende …

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17.02.2010   06:26

Der Faschist Westerwelle bringt uns um den Honigwein

Schon gehört? Der Faschismus steht wieder einmal vor der Tür. Und auch diesmal kommt er wie gerufen. Der Anlass seines Willkommenseins hat zwar kaum etwas mit ihm selbst zu tun, aber das macht, wie auch bisher schon, gar nichts. Richtig. Ich spiele auf die Hartz- IV- Debatte an. Auf die Empörung, die der Klartext-Vizekanzler Westerwelle ausgelöst hat.

Das hatten wir schon lange nicht mehr. Die gesamte politische Klasse befindet sich im Aufruhr. Als ginge es darum, die eigenen Bezüge zu verteidigen. So viele Anwälte hatte das umworbene Volk schon lange nicht mehr. Anwälte sind bekanntlich nicht zimperlich. Besonders was ihre Plädoyers betrifft. Sie leben gewissermaßen von der Übertreibung. Das tun die Politiker auch.

Der Unterschied besteht darin, dass die Anwälte das offen zugeben, während die Politiker so tun, als ob es ihnen um die Wahrheit ginge. Kein Anwalt würde jemals so etwas behaupten. Ihm geht es …

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13.02.2010   04:11

Wie kommen wir aus diesem Club wieder raus?

Dass die Zeit, in der wir leben, uns eher paradox erscheint als interessant, wird kaum jemanden in Erstaunen versetzen. Gelegentlich versucht man sich mit dem Biedermeiervergleich auszuhelfen. Das trifft den Sachverhalt, aber, wie stets bei Vergleichen, nicht ganz. Die Geschichte wiederholt sich ja nicht einfach nur, sie übertrifft sich bisweilen selbst.

Der große Unterschied zum historischen Biedermeier besteht wohl darin, dass wir unserer Biederkeit, den Rahmen einer Apokalypse verpasst haben. Wir amüsieren uns zwar nicht zu Tode, aber wir sind mit allen möglichen Bildern des Untergangs gut versorgt. Wo wir auch stehen und gehen, im nächsten Augenblick kann sich schon der Abgrund auftun. Jedenfalls suggeriert man uns das öffentlich in anschaulichen Bildern.

Die Begleitmusik unseres Biedermeiers ist der Techno. Es ist der Ton, der über den Abgrund führt, die Musik, zu der Jesus auf dem Wasser gehen konnte. Hier verschwimmen Tag und Nacht, und das Leben …

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09.02.2010   12:27

Die goldene Schere im Kopf

Angeblich findet in unserer Öffentlichkeit gerade eine Islamdebatte statt. Interessant. Schauen wir doch genauer hin, obwohl wir, die Blogger der Achse des Guten, keine offizielle Einladung bekommen haben. Es ist ja auch eine Diskussion unter eingetragenen Mitgliedern der FSK, der Freiwilligen Selbstkontrolle. Für den, der mit den deutschen Verhältnissen nicht ganz vertraut ist: Es handelt sich um das Amt mit der Schere im Kopf.

Dieses Amt vergibt in unregelmäßigen Abständen den populären Preis der goldenen Schere im Kopf. Die Anwärter auf diesen Bambi der deutschen Meinungsbildung sind Legion. Weil die Konkurrenz so groß ist, suchen sich die Kandidaten gegenseitig mit immer neuen Beispielen der Selbstverleugnung zu übertrumpfen.

Die goldene Schere wird vor allem für Toleranz vergeben. Toleranz ist das höchste Gebot im Club der kritischen deutschen Intellektuellen, die ihre ganz persönlichen Lehren aus den Verbrechen des Dritten Reichs gezogen haben. Ihre Dauerparolen reichten in der Nachkriegszeit …

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04.02.2010   07:48

Der Rapper geht ins Kino

Gewiss, auch uns ist bekannt, dass es Deutschland so nicht gibt. Es gibt nur unsere Deutschlandbilder. Falls wir das mal versehentlich ausblenden sollten, so gibt es einen, der uns regelmäßig daran erinnert. Es ist der Filmproduzent Bernd Eichinger mit seinen jeweiligen Verbündeten. Diesmal Uli Edel.

Sie verwandeln die zahlreichen Deutschlandbilder, Stück für Stück, in eine Briefmarke, die sich, auf welchen Umschlägen auch immer, leicht versenden lässt. In alle Welt posaunen sie’s hinaus, und wir kleben eifrig mit: Auch in Deutschland ist die Welt zuhause! Die Welt, und sonst gar nichts.

Der aktuelle Anlass zum fortgesetzten Marketing ist ein Film mit dem Titel “Zeiten ändern dich “, der in den nächsten Tagen in unsere Kinos kommt. Es handelt sich dabei um ein Biopic des Rappers Bushido. Der Mann und Musiker mit dem deutsch-tunesischen Hintergrund ist in unserer Öffentlichkeit ein bunter Hund, mehr noch, er ist BILDbekannt. Über …

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02.02.2010   21:03

Vergessen wir die Reformen!

Hört man in Deutschland das Wort Reform, packt einen seit geraumer Zeit das Grauen. Man denke nur an so groteske Vorgänge wie Bildungs- oder Gesundheitsreform. Und nun sollen auch noch die Jobcenter reformiert werden. Deren Angestellte haben doch jetzt schon kaum Zeit für ihre Kunden, die Arbeitslosen.

Damit es klar ist: Es ist nicht die Angst vor Veränderungen, die einen bei solchen Reformankündigungen zusammenzucken lässt, es ist vielmehr das Wissen darum, dass alles nur noch viel verworrener in Erscheinung treten kann. Was sind eigentlich Module an den Universitäten? Wozu sie gut sind, wollen wir besser nicht fragen. Sonst fängt das Gezeter von vorne an, und das Schlagwortkarussell dreht sich weiter, von Orion nach Avatar, oder zumindest parallel dazu.

Eines ist auffallend: Reformen werden von Stichworten begleitet, von neugestalteten Begriffen, von Schlagworten. Hartz IV und Praxisgebühr. Riesterrente. Jede Reform schafft sich zunächst einmal ihre Sprache. Ganz wie …

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