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13.03.2010   09:05

Das Zero-Points-Prinzip

Das Volk, der Souverän, hat entschieden: Nach Oslo fährt diesmal Lena Meyer-Landrut. Die Voraussetzungen für den Volksentscheid hat Stefan Raab geschaffen. Er gilt damit als der Reformer des deutschen Grand-Prix-Vorentscheids- Zirkus. Raab hat ihn zum Song Contest geliftet. Er ist nun der Ralph Siegel unserer Zeit, beinahe. Denn Ralph Siegel hatte immerhin eine Nummer eins aufzuweisen, ein Friedenslied sogar, eine deutsche Herzensbotschaft an die damals noch geteilte Welt.

Lena Meyer-Landrut ist immerhin Diplomatenenkelin, und dass sie aussieht wie Nora Tschirner, könnte man sogar als Beitrag zur inneren Einheit Deutschlands werten. Aber wer in Oslo kennt schon Nora Tschirner?

Wer in das Lied, dass die Volksabstimmung gestern passierte, reingehört hat, ahnt es bereits: Unsere Chancen auf den letzten Platz sind auch diesmal ganz gut. Zumal die auserkorene Interpretin wie die Britin Adele singt, denn sie mag, wie sie sagt, den Britpop. Wir übrigens auch. Wir mögen ihn, …

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11.03.2010   08:40

Wie viel Balkan verträgt die EU?

Am 20. März soll eine Konferenz in Slowenien sich mit dem sogenannten Westbalkan beschäftigen. Sie wird von Slowenien und Kroatien gemeinsam ausgerichtet, ihre Durchführung ist aber schon wieder infrage gestellt. Serbien und der Kosovo können sich nicht darauf einigen, unter welchen Bedingungen sie sich an einen Tisch setzen wollen. Kosovo will als unabhängiger Staat in Erscheinung treten, Serbien aber möchte die Separatistenrepublik als UN-Protektorat begrüßen dürfen.

Nun ist es aber so, dass irgendwie beides zutrifft, wenn man Status und Praxis zum Vergleich nimmt. Der Kosovo ist mittlerweile von 65 Staaten anerkannt, aber ohne die Unmik ginge in Prishtina wahrscheinlich gar nichts. Durch die Kosovo-Unabhängigkeits-Deklaration wurde der Kriegszustand beendet, aber darüber hinaus nicht mehr viel auf den Weg gebracht. Das aber ist das allgemeine Dilemma des ehemals jugoslawischen Raumes. Der Krieg wurde beendet, seine Ursachen aber, und die ungelösten Fragen, die zu den Ursachen führten, bestehen weiterhin. Die einzelnen …

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07.03.2010   17:27

Ceausescu amnestiert postum

Letzte Woche in Kopenhagen. Auf dem 20. Stock eines Hotels gelangt ein Mann in ein Zimmer, weil die Tür offen steht. Er hat eine Eisenstange dabei, und ein Messer. Als ihm die Bewohnerin des Zimmers, eine norwegische Stewardess, entgegentritt, schlägt er so lange mit der Eisenstange auf sie ein, bis ihr Körper leblos am Boden liegt, um anschließend noch mit dem Messer zuzustechen.

Der Mann geht anschließend ins Bad, um sich die Blutspuren von den Händen zu waschen und die Kleidung notdürftig zu säubern. Er verlässt das Zimmer, als sei nichts gewesen. Er begibt sich ins Hotelcasino und trinkt dort ein Bier. Der Taxifahrer, der ihn anschließend gefahren hat, sagt, der Mann sei höchst redselig gewesen und habe sogar noch die Fahrt verlängern wollen, um sich mit dem Fahrer weiter zu unterhalten. Dieser aber habe abgelehnt.

Der gesprächige Mann, der sich inzwischen der schwedischen Polizei gestellt …

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06.03.2010   08:21

Das Gesetz der Levante

Die offizielle Türkei ist empört. Wieder einmal. Worum es geht? Wie in den meisten türkischen Empörungsfällen, um eine Resolution gegen den Genozid an den Armeniern. Diesmal hat es das amerikanische Unterhaus gewagt, der Geschichtsklitterung der Täter zu widersprechen.

Wieso eigentlich gibt es jedes Mal dieses Theater in Istanbul und Ankara, wenn jemand die Wahrheit über die Armenier-Verfolgung ausspricht? Diese ist schließlich ein historisches Faktum, ausgiebig dokumentiert und tausendfach belegt. Eine Nation, die sich eine solche Ungeheuerlichkeit geleistet hat, sollte in der Sache, wenn sie schon zu mehr nicht in der Lage ist, wenigstens schweigen.

Dass die Achtung der Menschenrechte auch in der gegenwärtigen Türkei zu wünschen übrig lässt, ist allseits bekannt, man muss darüber nicht extra spekulieren. Man muss auch nicht darüber spekulieren, warum das so ist, denn die Gründe liegen auf der Hand. Die Türkei hat es versäumt sich ihrer Geschichte zu stellen. Das betrifft …

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24.02.2010   09:38

Bagatellen

In der Erlebnisgesellschaft kommt es auf das Detail an. Wenn Margot Käßmann bisher als die erste Bischöfin in der Geschichte der evangelischen Kirche Deutschlands galt, so ist sie seit gestern die erste Promille-Bischöfin in der Geschichte dieser Kirche. Der Vorteil: Sie kann jetzt auch von Stefan Raab eingeladen werden. Und noch etwas: Falls sie ihr Amt verlieren sollte, so wird sie es wegen der Promille verlieren, und nicht wegen ihrer öffentlichen Aussagen der letzten Monate, in denen sie nicht müde wurde, das allgemeine Appeasement zu rühmen.

Betrachten wir es so, wie es ist: Auch wenn die Bauvorschriften nicht mehr gelten, wie uns der U-Bahn-Bau zu Köln gezeigt hat, und das Urheberrecht, angesichts eines zum Bestseller gewordenen Debüts, zur literarischen Gestaltungsfrage erklärt werden kann, gilt immerhin noch die Promillegrenze. Ihre Macht ist für den Stand der Dinge entlarvend und gleichzeitig Ausdruck der letzten Hoffnung.

Auch die gravierende …

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17.02.2010   06:26

Der Faschist Westerwelle bringt uns um den Honigwein

Schon gehört? Der Faschismus steht wieder einmal vor der Tür. Und auch diesmal kommt er wie gerufen. Der Anlass seines Willkommenseins hat zwar kaum etwas mit ihm selbst zu tun, aber das macht, wie auch bisher schon, gar nichts. Richtig. Ich spiele auf die Hartz- IV- Debatte an. Auf die Empörung, die der Klartext-Vizekanzler Westerwelle ausgelöst hat.

Das hatten wir schon lange nicht mehr. Die gesamte politische Klasse befindet sich im Aufruhr. Als ginge es darum, die eigenen Bezüge zu verteidigen. So viele Anwälte hatte das umworbene Volk schon lange nicht mehr. Anwälte sind bekanntlich nicht zimperlich. Besonders was ihre Plädoyers betrifft. Sie leben gewissermaßen von der Übertreibung. Das tun die Politiker auch.

Der Unterschied besteht darin, dass die Anwälte das offen zugeben, während die Politiker so tun, als ob es ihnen um die Wahrheit ginge. Kein Anwalt würde jemals so etwas behaupten. Ihm geht es …

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13.02.2010   04:11

Wie kommen wir aus diesem Club wieder raus?

Dass die Zeit, in der wir leben, uns eher paradox erscheint als interessant, wird kaum jemanden in Erstaunen versetzen. Gelegentlich versucht man sich mit dem Biedermeiervergleich auszuhelfen. Das trifft den Sachverhalt, aber, wie stets bei Vergleichen, nicht ganz. Die Geschichte wiederholt sich ja nicht einfach nur, sie übertrifft sich bisweilen selbst.

Der große Unterschied zum historischen Biedermeier besteht wohl darin, dass wir unserer Biederkeit, den Rahmen einer Apokalypse verpasst haben. Wir amüsieren uns zwar nicht zu Tode, aber wir sind mit allen möglichen Bildern des Untergangs gut versorgt. Wo wir auch stehen und gehen, im nächsten Augenblick kann sich schon der Abgrund auftun. Jedenfalls suggeriert man uns das öffentlich in anschaulichen Bildern.

Die Begleitmusik unseres Biedermeiers ist der Techno. Es ist der Ton, der über den Abgrund führt, die Musik, zu der Jesus auf dem Wasser gehen konnte. Hier verschwimmen Tag und Nacht, und das Leben …

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09.02.2010   12:27

Die goldene Schere im Kopf

Angeblich findet in unserer Öffentlichkeit gerade eine Islamdebatte statt. Interessant. Schauen wir doch genauer hin, obwohl wir, die Blogger der Achse des Guten, keine offizielle Einladung bekommen haben. Es ist ja auch eine Diskussion unter eingetragenen Mitgliedern der FSK, der Freiwilligen Selbstkontrolle. Für den, der mit den deutschen Verhältnissen nicht ganz vertraut ist: Es handelt sich um das Amt mit der Schere im Kopf.

Dieses Amt vergibt in unregelmäßigen Abständen den populären Preis der goldenen Schere im Kopf. Die Anwärter auf diesen Bambi der deutschen Meinungsbildung sind Legion. Weil die Konkurrenz so groß ist, suchen sich die Kandidaten gegenseitig mit immer neuen Beispielen der Selbstverleugnung zu übertrumpfen.

Die goldene Schere wird vor allem für Toleranz vergeben. Toleranz ist das höchste Gebot im Club der kritischen deutschen Intellektuellen, die ihre ganz persönlichen Lehren aus den Verbrechen des Dritten Reichs gezogen haben. Ihre Dauerparolen reichten in der Nachkriegszeit …

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