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25.03.2012 18:05
Islamophobie bei DSDS
Wieder ist ein Fall von Islamophobie zu beklagen. Wir verdanken seine Enthüllung der Aufmerksamkeit eines wenig bekannten Kreises deutscher Islamophiler (KDI). Hier ein bisher unveröffentlichter Auszug ihres Berichts an die Teilnehmer der deutschen Islamkonferenz:
“Dieser Fall von Islamophobie ist gerade deshalb so bedenklich, weil er so geringfügig scheint. Es handelt sich um den Fall eines gewissen Hamed Anousheh. Der junge Mann mit iranischem Migrationshintergrund ist sang- und klanglos aus dem Wettbewerb “Deutschland sucht den Superstar” hinausgeworfen worden. Der Rauswurf wird damit begründet, dass Hamed nicht schön genug gesungen habe. Diese Einlassung setzt aber voraus, dass man als Teilnehmer von DSDS singen können muss, was sich bei näherem Zuhören als Irrtum herausstellt. Die Gabe des Gesangs steht keineswegs im Mittelpunkt dieser Veranstaltung. Warum also fliegt ausgerechnet Hamed raus, wo man ebenso gut Rüdiger und/oder Desiree rausschmeißen könnte? (Die Namen wurden geändert, um die tatsächlichen DSDS-Teilnehmer zu schonen.) Warum also …
22.03.2012 15:24
Vorsicht Freiheit!
Der neue Bundespräsident fordert Deutschland heraus. Sein Thema heißt Freiheit. Das ist ein Wort, mit dem man uns Deutsche genauso erschrecken kann wie mit dem Wort Steuersenkung. (Wir sind ja das einzige Volk, das Steuersenkungen für eine politische Straftat hält.) Freiheit. O je, o je. Darf der das denn? Kann man einfach so für Freiheit sein? Kaum fällt das Wort, schon heißt es bei uns: Ja, aber. Freiheit ja, aber nur, wenn dies und das und auch jenes hinzu kommt.
Gleichheit und Brüderlichkeit, hieß es einmal westlich des Rheins. Bei uns lautet die Zwangsergänzung meist Gerechtigkeit und damit ist eine staatlich verordnete Melange aus Gleichheit und Brüderlichkeit gemeint. In der Tagespolitik bewegt sich die Gerechtigkeitgleichheitbrüderlichkeit irgendwo zwischen Reichensteuer, Mindestlohn und Hartz IV. Und dann ist da noch die Sicherheit. Die wollen wir natürlich auch. Schließlich sind wir das Volk, das Urlaub nur mit Regenversicherung macht.
Gegen …
07.03.2012 17:40
Ein deutsch-arabischer Traum
Ich habe einen immer wiederkehrenden Traum. Er besucht mich jeden Tag, wenn ich die Nachrichten aus Nordafrika und Nahost sehe, höre und lese. Ägypten, Libyen, Syrien und so weiter: Das Volk ist auf die Straße gegangen und geht noch auf die Straße, um seinen Diktator loszuwerden. Der schießt zurück. Viele Menschen sterben. Aber die, die nicht ermordet worden sich, sind am nächsten Tag wieder da und stellen sich der Gewalt des Diktators entgegen. Und am nächsten Tag wieder. Und am nächsten Tag wieder.
Das ist die Wirklichkeit in diesen arabischen Ländern. Und dann kommt mein Traum. Er führt mich zurück nach Deutschland, ins Jahr, na sagen wir: 1938. Im Traum sehe ganze Heere mutiger Deutscher auf den Straßen, die ihren Diktator loswerden wollen. Sie stellen sich der Gewalt des Diktators entgegen. Es fließt viel Blut. Aber am nächsten Tag sind die, die nicht ermordet worden sind, wieder auf …
02.03.2012 22:21
Der Roman, die Empörung und die Gegenempörung
Ich habe in der Vorfrühlingssonne auf der Terasse jetzt auch Christian Krachts “Imperium” gelesen und einige der aufgeregten Texte, die um das Buch herum geschrieben wurden. Beides, der Roman und die Empörung und die Gegenempörung ergänzen sich auf wundersame Weise.
Kracht hat eine wahre Geschichte genommen, die in den letzten Jahren des deutschen Kolonialismus spielt, und sie in ironischer, ein wenig hochtrabender Sprache erzählt. Ich hätte mir gewünscht, dass hier und da ein Punkt gesetzt worden wäre, wo keiner ist. Aber gestört hat mich die Länge der Sätze nicht weiter, auch wenn sie mit Thomas Mann weniger zu tun hat, als behauptet worden ist. Es ist die absurde Geschichte eines absurden Menschen in einer Zeit der Dekadenz, die sich als neue Größe darstellt. Ich hab den Roman an zwei Nachmittagen gelesen. Er hat mich amüsiert, fasziniert und ich habe ihn genossen.
Über meinen sonnigen Lesestunden hing …
27.02.2012 00:11
Auf dem Vorfeld
Im Vorfeld der Streiks am Frankfurter Flughafen war eine interessante Information zu gewinnen: Endlich erfuhr man, was ein Vorfeld ist. Bisher begegnete dem Leser das Vorfeld nur im schlechten Nachrichtendeutsch. Wenn es zum Beispiel hieß:” Im Vorfeld der Präsidentschaftswahlen ist es zu heftigen Auseinandersetzungen gekommen.” Solche Informationen leiden darunter, dass man nie genau weiß, wo sich das Vorfeld befindet. Vor dem Schloss Bellevue? Vor dem Kanzleramt? Vor dem Reichstag? Alles falsch. Das Vorfeld befindet sich auf dem Flughafen. Es ist das Feld, auf dem die Vorfeldbeschäftigten arbeiten, wenn sie nicht gerade streiken.
Betrachten wir das Feld, auf dem sich die Vorfeldbeschäftigten bewegen, etwas genauer, so erfahren wir, dass das Vorfeld gar kein Vorfeld im engeren Sinne ist. Es ist vielmehr das gesamte Feld, das sich vor, neben und hinter den Start- und Landebahnen befindet. Man könnte also ebenso gut von einem Nebenfeld oder einem Hinterfeld sprechen. Nehmen wir …
25.02.2012 15:43
Tierische Totenstille in Bellevue
Wenn Joachim Gauck demnächst in Schloss Bellevue einzieht, wird wohl wieder kein Haustier dabei sein. Wie schön war es doch, als Boomer, der Mischlingshund von Johannes Rau, die Berliner und ihre Medien mit tagelangen Ausflügen in die nähere und fernere Umgebung von Bellevue unterhielt und auf Trab hielt. Aber das war ein Ausreißer. Anders als amerikanische Präsidenten, die mit Hund und/oder Katz ins Weiße Haus ziehen, neigen deutsche Präsidenten dazu, ihr Amt tierlos auszuüben. Vielleicht hat die Erfahrung des Johannes Rau sie endgültig verwirrt, der über seinen Boomer gesagt hat: “Mein Hund ist als Hund eine Katastrophe, aber als Mensch unersetzlich.”
Die offenkundige Haustierphobie der übrigen Präsidenten ist für Deutschland nicht so untypisch wie sie scheint. Wir sind zwar ein gefühltes Haustierland. Tatsache ist aber, dass es um die Hundedichte in Deutschland nicht so weit her ist, wie man meint. Nur 13 Prozent der Haushalte zählen einen Hund …
24.02.2012 20:16
Die Bazille ist links
Falls Sie vorhaben, demnächst einen Mitmenschen als “linke Bazille” zu bezeichnen, empfiehlt sich ein Blick auf ein Urteil des Münchener Oberlandesgerichts. Die Richter haben die Bezeichnung als beleidigend bewertet und der Beleidigung ein Preisschild von 500 Euro angeheftet.
Das ist ein akzeptabler Preis, wenn man bedenkt, dass man gleich zwei Beleidigungen für den Preis von einer unterbringt, nämlich die Bazille und den Linksverdacht.
Nun kennen wir also den Wert der linken Bazille. Wie aber ist eine rechte Bazille juristisch zu bewerten? Diese Frage erweist sich als seltsam theoretisch. Die rechte Bazille kommt, anders als die linke, im deutschen Beleidigungsalltag offenbar kaum vor. Wir wissen nicht einmal, ob es sie je gab oder ob sie ein frühes Opfer des Klimawandels ist.
Politisch ist das nicht ganz unproblematisch, beschleicht einen doch das ungute Gefühl, dass wir, wenn es um die Bazille geht, auf dem rechten Auge …
21.02.2012 11:00
Luther und der Präsident der Schmerzen
Nun haben wir (schon länger) eine Pfarrerstochter und (in Kürze) einen Pfarrer i. R. an der Spitze unseres Landes. Wie wurde das möglich? Ein wichtiger Aspekt dieses Geschehens ist die Tatsache, dass es sich bei beiden, bei der Tochter und dem Ruheständler, um Personen evangelischer Tradition handelt. Es wäre für die Tochter eines katholischen Pfarrers ungleich schwieriger gewesen, bis ins Kanzleramt aufsteigen. Jedenfalls in der CDU. Beide Unionsparteien hätten sich gegen einen solchen Aufstieg so vehement gewehrt wie sie sich lange Zeit gegen Joachim Gauck gewehrt haben.
Joachim Gauck hatte es leichter aber auch schwerer, weil er evangelisch ist. Mancher hätte gerne im Schloss Bellevue einen katholischen Kontrapunkt zur Kanzlerin gesetzt. Allerdings hätte man in diesem Fall wohl auf einen Pfarrer verzichten müssen. Warum? Weil ein katholischer Pfarrer keine First Lady mit ins Schloss gebracht hätte, was ein trauriger Präzedenzfall gewesen wäre. Eine Präsidentschaft ohne First Lady ist …


