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01.05.2013 23:23
Steuern. Eine deutsche Liebesgeschichte.
Mit Abscheu, Empörung und Entsetzen lese ich, was der Hoeneß gemacht hat. Mit Unruhe lese ich, dass die Grünen wieder meine Steuern erhöhen wollen. Ich frage mich: Was habe ich davon, wenn die Grünen mit den höheren Steuern Kindergärten und Bildungseinrichtungen bauen wollen?
Ich bin aus dem Kindergartenalter heraus, habe also keinen Anspruch auf einen staatlich garantierten und kostenlosen Kita-Platz. Mein Enkel ist auch schon aus dem Alter heraus. Außerdem wohnt er in Amerika. Das Pflegeheim, das ich mir in absehbarer Zeit proaktiv mal anschauen werde, kriege ich nicht umsonst. Es kostet eine Menge Geld. So Hoeneß-Preisklasse. Ich bin auch längst dazu übergegangen, mich selber zu bilden, ohne die dazu vorgesehenen Einrichtungen. Die meisten würden mich sowieso nicht mehr nehmen. Ich habe auch keine Lust, mich von den
21.04.2013 17:25
Ein Abgrund an Phobie
Es gibt schon wieder Berichte darüber, dass der Nordkoreaner weiter mit seinen Raketen herum macht. Kim Jong-Un heizt, so lese ich, die Spannungen in der ganzen Region noch mehr an. Ich finde das sehr bedenklich. Jeden Tag neue Negativmeldungen über Kim. Ich fürchte, wir sind auf dem besten Weg, in eine bedenkliche Kimophobie abzugleiten. Als hätten wir mit der Islamophobie nicht schon genug zu tun, droht sich bei uns nun eine völlig undifferenzierte Nordkoreaphobie auszubreiten.
Nun höre ich den einen oder anderen Kimophoben schon sagen: „Der Mann macht ja auch fürchterliche Sachen. Er spielt mit der Atombombe. Bedroht seine Nachbarn mit Raketen. Ergeht sich tagtäglich in Kriegsrhetorik. Will sogar den Amerikanern ans Leder. Das muss doch mal gesagt werden.“
Dazu sage ich: „Na und?“ Das machen die radikalen
10.04.2013 16:24
Arm an Höhepunkten
Lieber Herr Broder,
Sie haben einer Kollegin „ein an Höhepunkten armes Leben“ vorgeworfen. Ich finde, das geht nicht. Auch ich habe ein an Höhepunkten armes Leben, aber ich mag es nicht, wenn man mich damit aufzieht.
Stellen Sie sich doch mal so ein Leben vor. Ich wache morgens auf, schaue mich um und suche vergebens nach einem Höhepunkt. So geht es den ganzen Tag weiter. Während um mich herum die Leute sich vor lauter Höhepunkten nicht mehr retten können, schleiche ich von Nichthöhepunkt zu Nichthöhepunkt.
Schon beim Frühstück tut sich nicht viel. Etwas Toast, ein bisschen Marmelade, dazu Tee. Dann schreib ich ein paar Zeilen, die ich aber auch nicht als Höhepunkt des Schreibens bezeichnen möchte. Das Mittagessen ist mittelmäßig. Am Nachmittag versuche ich aufzuarbeiten, was morgens liegengeblieben ist. Aber da
08.04.2013 17:57
Margaret und Angela
Ich habe Margaret Thatcher viele Jahre lang als Korrespondent in London erlebt und beobachtet. Teils skeptisch, teils bewundernd. Heute frage ich mich, ob es ohne sie unsere Angela Merkel gegeben hätte. Margaret Thatcher war eine Pionierin in doppelter Hinsicht: Sie war ja nicht nur Englands erste Frau in Nummer 10, Downing Street. Es war ja obendrein – zur Überraschung aller - die konservative Partei, die die erste Regierungschefin stellte. Das war ein Schock für die Labour Party, die sich ja als die progressive Kraft betrachtete und Stein und Bein geschworen hätte, dass – wenn überhaupt – sie die erste Frau an die Regierungsspitze bringen würde.
Das gleiche geschah dann auch in Deutschland. Angela Merkel wirft man heute vor, dass sie den Sozialdemokraten die Kleider stiehlt. Den ersten „Diebstahl“ dieser Art aber hat
08.04.2013 14:54
Typisch deutsch!
In einem meiner letzten Texte habe ich mir eine grobe und unzulässige Verallgemeinerung zu Schulden kommen lassen. Ich habe behauptet, die Deutschen seien unschlagbar schnell, wenn es etwas zu ergattern gibt, ob Liegestühle am Strand oder Sitzplätze im Münchener Neonaziprozess. Zu Recht bin ich darauf hingewiesen worden, dass es „den Deutschen“ überhaupt nicht gibt. Also auch nicht „den Deutschen“, der schneller als die Engländer an den Strand flitzt und schneller als die Türken in den Gerichtssaal.
Zu meinem Ärger muss ich gestehen: Das stimmt. Es war eine grobe und unzulässige Verallgemeinerung. Wir sind alle Individuen. Den Deutschen gibt es ebenso wenig wie den Bayern oder den Berliner oder den Bielefelder. Den soll es ja am allerwenigsten geben, jedenfalls in dieser Welt. Ob Nord, ob Süd, ob Ost, ob West, es gibt
05.04.2013 18:23
Unser Bart
Das Hitlerbärtchen an Angela Merkels Oberlippe ist mehr als eine südländische Modeerscheinung. Es ist ein optischer Evergreen, mit dem wir Deutschen in der einen oder anderen Variante wohl auch in Zukunft leben müssen. Was wechselt, ist allenfalls der Träger, nicht die Rotzbremse.
Warum ist das so? Weil hier zwei Dinge zusammenkommen. Erstens hat Deutschland, indem es Hitler an die Spitze kommen ließ, eine unverwechselbare, ja filmreife Kombination aus extremem Verbrechertum und grotesker Optik in die Geschichte eingeführt. Und zweitens sucht jeder, der sich über einen anderen ärgert, den einfachsten und direktesten Weg, den Ärgerlichen zurück zu ärgern.
Und wir haben jedem, der sich über uns ärgert, mit Hitler und seinem Bärtchen eine Rache-Waffe an die Hand gegeben, wie sie praktischer nicht sein könnte. Auch hier
04.04.2013 19:17
Keiner ist so schnell wie die Deutschen, wenn es etwas zu ergattern gibt
Der Streit um die Reportersitzplätze beim Münchener NSU-Prozess geht in die falsche Richtung. Kritisiert wird die Unbeweglichkeit der deutschen Richter. Das ist sinnlos. Jeder weiß doch: Ein Richter spricht nicht nur Recht, er hat auch Recht. Das eine ergibt sich aus dem anderen. Hätte ein Richter nicht Recht, wenn er Recht spricht, spräche er ja Unrecht. Und das geht nun mal nicht. Richter, Recht sprechen, Recht haben, Recht behalten – das sind im Grunde nur verschiedene Wörter für ein und das selbe, und zwar für einen Humanzustand, für den die katholische Kirche das beste Wort geschöpft hat: Unfehlbarkeit. Wer also gegen den Sitzplatzbeschluss der Münchener Richter revoltiert, (jawohl revoltiert, denn Widerspruch in und um einen deutschen Gerichtssaal kann nur als Revolte bezeichnet werden,) wer also gegen die Richter des
01.04.2013 17:05
Wenn die Kälte aus der Wärme kommt
Die Hoffnung auf eine ordentliche Erderwärmung habe ich mir fast schon abgeschminkt. Mein Traum von Tropennächten im Voralpenland mit Palmen und Kolibris bleibt wohl ein Traum. Holland, obwohl flach und meergefährdet, existiert ungeschmälert weiter, was die Caravans auf unseren Autobahnen jedes Jahr neu belegen. Ich habe mich damit abgefunden, dass sich seit 15 Jahren nichts tut mit unserem Klima. Die Erderwärmung macht große Ferien.
Nun gut, ich kann warten. 15 Jahre, sagen mir die Experten, sind immer noch kein Klima sondern bloß Wetter. Und was ist schon Wetter. Wissenschaftlich zählt das überhaupt nicht. Wetter ist wie wetten: Wenn der Hahn kräht auf dem Mist, ändert sich das Wetter oder es bleibt wie es ist. Ein hoffnungsloser Fall. Obwohl ich nicht so weit gehen will wie neulich mein Flugkapitän, der von den


