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12.04.2010   19:03

Ausgedient

Die Skandale, die in den letzten Wochen öffentlich wurden, haben prügelnde Lehrer und Pfarrer und solche, die ihre Schützlinge sexuell missbrauchen, gelegentlich wie nahe Verwandte aussehen lassen. Das sind sie natürlich nicht. Zwischen ihnen besteht ein himmelweiter Unterschied. Wer Kinder missbraucht, begeht ein Verbrechen, und zwar jenseits allen Zeitgeistes. Wer in den 50er Jahren Watschen verteilte, tat etwas, was damals viele taten. Erst nach und nach wurde unakzeptabel, was lange Zeit gang und gäbe war. Die Watschen, die Kopfnuss, das Ohrenziehen, das Haarezwirbeln – all das bewegte sich in einem allmählichen Empfindungswandel vom Bereich des Üblichen in den des Unerlaubten.
http://www.community.augsburger-allgemeine.de/forum/blogs/rainer+bonhorst/3139-von-watschen-ohrenziehen-und-haarezwirbeln.html

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11.04.2010   08:59

Ganz normale Exzentriker

Ja, kann das sein? Sind die Engländer möglicherweise normaler als wir Deutsche? Da hier von der Insel der Exzentriker die Rede ist, klingt das wie eine kühne These. Ein Blick auf die Steuerpolitik und die Reaktionen, die sie hervorruft, legt aber den Schluss nahe, dass diese These nicht kühn sondern korrekt ist.

In England ist ja gerade Wahlkampf und Gordon Brown hat seinen Landsleuten eine Erhöhung der Sozialabgaben und höhere Steuern für Besserverdienende in Aussicht angekündigt. Und da für Englands Labour Party wie für unsere Sozialdemokraten die Besserverdienenden schon beim Facharbeiter beginnen, müssen sich im Falle eines Laboursieges viele Millionen auf höhere Steuern und Abgaben einstellen. Und was geschieht? Das nach Menschenermessen Erwartete: Die Briten, allen voran ein mächtiges Bündnis von Arbeitgebern, hauen

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07.04.2010   20:21

Französisch des Orients

Ich finde, Türkisch ist eine sehr schöne Sprache. Sie ist melodiös und klingt in meinen Ohren wie ein Französisch des Orients. Typisch für die heutige Welt ist, dass wir dieses Französisch des Orients in Deutschland viel öfter hören als die Sprache unseres unmittelbaren Nachbarn. Und in Frankreich hört man Arabisch öfter als Deutsch.
http://www.community.augsburger-allgemeine.de/forum/blogs/rainer+bonhorst/3099-warum-ich-junge-tuerken-gerne-schwaebeln-hoere.html

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04.04.2010   21:10

Wat is ene Aufklärungsfundamentalist?

Das Wort steht im Raum, und damit stellt sich die Frage: Wer oder was ist ein Aufklärungsfundamentalist?

Soviel steht fest: Es handelt sich nicht um eine Dampfmaschine, obwohl ich, wenn das Wort fällt, immer an die “Feuerzangenbowle”  denken muss und an den schönen Physiklehrer-Filmspruch: “Nu stelle mer uns mol janz dumm. Wat is ene Dampfmaschin?” Darum kann ich es mir nicht verkneifen, in dankbarer Erinnerung zu fragen: Wat is ene Aufklärungsfundamentalist?

Eine erste, oberflächliche Nachforschung ergibt, dass Aufklärungsfundamentalisten nicht Leute sind, die sich besonders für die Sexualaufklärung in der Schule stark machen. Das ist gut zu wissen, aber keine weltbewegende Erkenntnis. Schon bei etwas näherem Hinsehen stellen wir fest, dass der Aufklärungsfundamentalist mit der anderen Ausklärung zu tun hat; nämlich mit

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02.04.2010   10:17

Vorauseilende Islamophilie

Lassen wir mal beiseite, ob wir türkische Schulen brauchen oder wollen oder nicht. Lassen wir auch beiseite, ob es nun doch die eine oder andere türkische Schule in Deutschland geben wird, weil die Bundeskanzlerin mit einer Friedenstaube in Ankara angetreten ist. Widmen wir uns lieber der Frage, warum Angela Merkels spontane Ablehnung türkischer Schulen in Deutschland bei Recep Erdogan als “Hass auf die Türkei” ankam.

Hass! Wie kann ein kleines Nein ein so großes Wort hervorrufen? Ganz einfach: Es ist der gleiche Vorgang, der zum inflationären, ja frivolen Gebrauch des Begriffs Islamophobie geführt hat. (Die Turkophobie oder der Türkenhass ist ja eine Untergruppe oder Sonderform der Islamophobie.) Es braucht nicht viel, den Titel der Islamophobie zu bekommen. Er wird von den Moslems wenigstbietend verschleudert. Ein bisschen

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26.03.2010   00:54

Schwanger in den Kampf

Ein englischer Wahlkampf (die Wahl soll Anfang Mai stattfinden) ist anders als andere Wahlkämpfe, denn englische Medien, vor allem Zeitungen, sind anders als andere Zeitungen. So gerät der Wahlkampf zu einer menschlichen, allzu menschlichen Komödie. Hier in gestraffter Form ein Überblick über die wichtigsten Ereignisse, wie das Leben sie schrieb, allerdings mit ein bisschen Hilfe der britischen Presse.

Zunächst einmal: Premierminister Gordon Brown (Labour) und sein Herausforderer David Cameron (Tories) leiden noch unter dem Spesenskandal des vergangenen Jahres, in den hunderte Unterhausabgeordnete und Lords verwickelt waren. Der Skandal bleibt unangenehm lebendig, weil vier von ihnen ihr erschlichenes Geld nicht zurückzahlen wollen und sagen: “Als Abgeordnete genießen wir Immunität.”

Der konservative David Cameron geht

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23.03.2010   14:58

Wir halten ein Glück in Händen und wissen es nicht

Für mich war das Leben in Freiheit das größte Geschenk der Geschichte. Ich habe sogar einen Beruf gewählt, der von der Freiheit lebt, von der Meinungsfreiheit. Und da lese ich neulich, dass eine Mehrheit der Deutschen sich vorstellen kann, in einem sozialistischen Staat zu leben, wenn er Sicherheit, Solidarität und Arbeitsplätze bietet. Und die gleiche Emnid-Umfrage zeigt, dass die Freiheit von den meisten Deutschen als ein Sekundärwert wahrgenommen wird.
http://www.community.augsburger-allgemeine.de/forum/blogs/rainer+bonhorst/2978-freiheit-wir-halten-ein-glueck-den-haenden.html

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19.03.2010   15:26

Ist das Waldsterben tot?

Was mich schon lange beschäftigt, weil ich schon lange nichts mehr darüber gelesen habe: Wo ist eigentlich das Waldsterben abgeblieben? Ja, ja, es gibt immer noch regelmäßig den Waldschadensbericht. Aber der wird jetzt auch so genannt. Eher nüchtern. Das seelenerschütternde Waldsterben aber, einst der Deutschen größter Kummer, scheint schon lange aus dem Blätterwald verschwunden zu sein.

Oder sehe ich nur vor lauter Wald das Sterben nicht? Ich bin ja früher auch ganz fröhlich im Waldsterben spazieren gegangen. Und jetzt fühle ich mich wieder - wie ganz früher - nur im Wald, wenn ich spazieren gehe. Oder täusche ich mich? Ist, was da rauscht, doch nicht wieder der alte Wald sondern immer noch sein Dahinsiechen?

Wirklich alarmiert war ich ja, als eines Tages nicht mehr nur das Waldsterben sondern auch das unkontrollierte,

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