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25.02.2010 00:27
Es menschelt in England
Trauriges bis Makabres erleben die Briten in ihrem Wahlkampf, der unangekündigt, aber heftig begonnen hat. Am 3. Juni läuft die Legislaturperiode ab, irgendwann vorher muss Gordon Brown wählen lassen. Und auf dem Wege langen und tiefen Nachdenkens ist man zu der Auffassung gelangt, dass die Sache im Mai stattfinden dürfte.
Was aber findet bis dahin statt? Eine Gorden-Brown-Chaos-Serie. Der Erbe des in Ungnade gefallenen Charismatikers Tony Blair gilt als gar zu trockenes Alter Ego des New-Labour-Propheten: steif, nicht inspirierend, übellaunig, kurz: so karg wie die Landschaft seiner schottischen Vorfahren.
Da ein solches Charakterbild kein Rezept für einen Wahlsieg ist, beschloss Gordon Brown, Mensch zu werden, und zwar vor großem Fernsehpublikum. Er ging in die Talk-Show von Piers Morgan, eines Mannes, der dafür bekannt ist, viele persönliche und keinerlei politische Fragen zu stellen. Und so war es dann auch. Die persönlichste Frage war die nach dem Tod …
24.02.2010 16:01
Verhöhner und Verhöhnte
Wie angenehm ist es doch, kein Amts- oder Würdenträger zu sein, sondern nur ein Kolumnenschreiber. Man kann sich seiner Meinungsfreiheit unbeschwert erfreuen. Ist man ein Außenminister, vor allem einer namens Westerwelle, oder ein Bischof namens Mixa, löst man aufgeregte Proteste aus, sobald man etwas sagt, was jemandem nicht in den Kram passt.
Der aktuell übliche Vorwurf lautet: „Verhöhnung“ Guido Westerwelle verhöhnt Millionen Arbeitslose; Walter Mixa verhöhnt die Opfer des sexuellen Missbrauchs in der katholischen Kirche. Wirklich?
Schauen wir uns den Hohn noch einmal kurz an. Guido Westerwelles Kernsatz lautete, dass diejenigen, die arbeiten, mehr haben sollten, als diejenigen, die nicht arbeiten. Das so unverblümt zu sagen, gilt in unserem lieben Deutschland als provokant. Und Herzenswärme zu verbreiten, sei es auch nur verbal, ist sicher seine Stärke nicht. Aber seine Aussage ist doch so korrekt, dass man sie banal nennen möchte.
Und was hat Bischof …
20.02.2010 19:52
Stellen wir uns mal vor…
... wir Deutsche wären Jahrhunderte lang in alle Welt verstreut gewesen, sozusagen auf ewiger Völkerwanderung. Wir haben es, als wir noch Germanen hießen, ja eine Zeit lang so gehalten. Und stellen wir uns vor, wir wären überall eine mehr oder weniger geduldete, mal mehr, mal etwas weniger verfolgte Minderheit gewesen.
Wir hätten keinen eigenen Staat gehabt, aber vielleicht eine wachsende Sehnsucht danach. Und eines Tages hätte irgendwo ein wahnsinniger Diktator einen großen Teil seines Volkes davon überzeugt, dass man uns Deutsche ausrotten müsse. Und das Unglaubliche wäre gewesen: Er und seine willigen Helfer hätten es beinahe geschafft. Viele Millionen Deutsche wären systematisch umgebracht worden.
Und nach dieser bis ins Mark erschütternden Erfahrung hätte sich uns plötzlich die Chance auf einen eigenen Staat aufgetan, und zwar dort, wo unsere tiefsten Wurzeln wären. Es wäre nur die Chance auf einen sehr kleinen Staat, und er wäre leider umgeben …
17.02.2010 01:01
Wolle mer se hänge lasse oder wolle mer se rette?
Es gibt ein schönes altgriechisches Wort für das neugriechische Problem der Euro-Zone. Es heißt Dilemma.
Ein Dilemma ist eine zweigliedrige Annahme, einfacher gesagt: eine Zwickmühle. Ganz gleich, welcher Annahme man folgt, oder welchen Zug man macht: Das Ergebnis ist immer das gleiche: unerwünscht bis desaströs.
Wären wir in Amerika und ginge es um den Dollar, würden wir mit Joseph Heller von “Catch-22” sprechen. Sind wir aber nicht und geht es nicht.
Wir sind in Europa und wir müssen feststellen: Es gibt keinen einfachen Ausweg aus einem Dilemma, auch wenn es so scheinen mag. Griechenland müsste ja nur aufhören, über seine Verhältnisse zu leben, schön sparen und in Zukunft der Versuchung einer allzu kreativen Buchführung widerstehen. Dann würden sich nach und nach das Land, die Finanzwelt und der Euro beruhigen.
Schön wär’s. Das Land beruhigt sich ganz und gar nicht. Im Gegenteil: Die …
12.02.2010 21:18
Befund: empörend gesunder Menschenverstand.
Wer hätte das gedacht. Die Sarrazins sind fruchtbar und mehren sich. Und die Aufregung wächst proportional.
Das Original, Thilo Sarrazin, hatte sich in die deutsche Empörungssuppe hineinbegeben, als er moslemischen Zuwanderern empfahl, sie sollten sich besser integrieren und nicht nur “lauter Kopftuchmädchen produzieren”. Sein erster Nachahmer, Roland Koch, setzte sich zu ihm in die Suppe, indem er ungheuererweise forderte, Hartz-IV-Empfänger sollten gelegentlich zur Arbeit angehalten werden. Und jetzt auch noch Guido Westerwelle!
Der Mann vertritt in aller Öffentlichkeit die Ansicht, dass derjenige, der arbeitet, mehr haben müsse, als derjenige, der nicht arbeitet. Und das ist des Unglaublichen noch nicht genug. In der Passauer Neuen Presse schrieb Westerwelle außerdem: Wer anstrengungslosen Wohlstand verspreche, lade zu spätrömischer Dekadenz ein.
Das hat natürlich eingeschlagen wie eine Bombe. Die Creme der deutschen Wohlfühlpolitik hat dem frechen Liberalen sofort verbal gezeigt, wo Bartel den Most holt. Sogar der große …
11.02.2010 22:18
Wer darf und wer nicht darf - wenn es nach der TAZ ginge
Die TAZ hat Henryk M. Broder, Seyran Ates und Necla Kelek in dem Artikel “Die Freiheit der Anderen” von Cigdem Akyol das Recht zugestanden, den Islam auch in scharfen Worten kritisieren zu dürfen: “Die Debatte über den Islam braucht die drei.”
Das ist schön. Allerdings kann man den Artikel auch so lesen (und hoffentlich missverstehen), als sei eine spezielle Legitimation notwendig, nämlich die, türkischer, kurdischer oder polnisch-jüdischer Herkunft zu sein. “Die drei” würden (dürften?) ihre Freiheit so energisch verteidigen, weil sie “aus einer Haltung von Menschen diskutieren, die um ihre Freiheit erst ringen mussten”. Das ist sicher so. Und so lobenswert es ist, dass der TAZ-Artikel mehr Verständnis für Islamkritik und Islamkritiker zeigt als einige andere deutsche Medien: Er hat auch einen merkwürdigen Dreh: Als wolle man gleich die Frage beantworten, ob eine linke Zeitung das überhaupt darf, liefert der Text gewissermaßen eine Erklärung, die wie eine unausgesprochene …
10.02.2010 15:34
Bus an zum Gebet
Ein neues Problem mit dem Islam hat sich in England angemeldet, seit ein Londoner Busfahrer sein Fahrzeug samt Fahrgästen wortlos an den Straßenrand lenkte, ausstieg, seinen Gebetsteppich ausrollte, seine Schuhe auszog, niederkniete, sein Gebet sprach, aufstand, seine Schuhe anzog, seinen Gebetsteppich aufrollte, wieder einstieg und wortlos weiterfuhr.
Wie sollen wir mit dieser neuen Situation umgehen, praktisch und weltanschaulich?
Im wunderbar chaotischen London mag ein plötzlich zum Gebet aussteigender Busfahrer noch angehen. Dort fahren die Busse ohnehin jenseits des Fahrplans, dafür aber so oft, dass Pünktlichkeit nur eine untergeordnete Rolle spielt. Selbst wenn jeder moslemische Busfahrer anfinge, seiner Gebetspflicht auf so vorbildiche Weise nachzukommen - es würde sich alles ein wenig nach hinten verschieben und das wär’s dann. Und für die nichtmoslemischen Fahrgäste könnte die kleine Pause - es sind ja nur zwei bis vier Minuten - lehrreich sein. Zwar fand ein wartender Fahrgast die Sache bizarr …
08.02.2010 20:08
Die CD oder: Warum wir Deutschen genetisch kompliziert sind
Auch ich frage mich, was ich tun würde, wenn ich Angela Merkel wäre und für den Schnäppchenpreis von zweieinhalb Millionen mehr als hundert Steuermillionen für meinen verschuldeten Haushalt ergattern könnte. Das Diebesgut empört zurückweisen oder freudig einsacken? Man ist hin- und hergerissen. Gibt es denn keinen Mittelweg? Keinen Kompromiss?
http://www.community.augsburger-allgemeine.de/forum/blogs/rainer+bonhorst/2587-die-cd-oder-warum-wir-deutschen-genetisch-kompliziert-sind.html


