Beiträge von Dr. Oliver Marc Hartwich
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14.04.2008 15:36
So schön kann TV-Satire sein …
Endlich, endlich: Bremner, Bird & Fortune is back. Für die Nichteingeweihten: BBF ist Großbritanniens wahrscheinlich beste Satiresendung. Wenn man wissen möchte, wie die politische Lage des Vereinigten Königreichs wirklich ist, muss man am Sonntagabend um 19.00 Uhr Channel 4 einschalten.
Gestern konnte man dort zum Beispiel lernen, was es mit Gordon Browns neuen PR-Beratern auf sich hat:
http://www.youtube.com/watch?v=Y-nq9R4PbLk
Außerdem wissen wir nun, warum Gordon Brown keine Gelegenheit auslässt, über sein Lieblingsthema “Britishness” zu sprechen:
http://www.youtube.com/watch?v=nrFNEyk9fug
Und dann gibt es da natürlich den konservativen Kandidaten für das Amt des Londoner Bürgermeisters, Boris Johnson, der ein absolut überzeugendes Wahlprogramm hat, das mit einem einzigen Wort auskommt: “Boris!”
http://www.youtube.com/watch?v=QzMh71GCTyU
Auch auf anderen Sendern gibt es Satire, zum Beispiel auf ITV 1. Dort läuft seit wenigen Wochen “Headcases”, eine Art “Spitting Image” als Digitalanimation. …
13.04.2008 23:05
Paying for Success - Internationale Erfahrungen mit der Privatisierung der Arbeitsvermittlung
Es ist eines der umstrittensten innenpolitischen Vorhaben der britischen Regierung: die Teilprivatisierung von Arbeitsvermittlungsdienstleistungen.
Ursprünglich in die Debatte gebracht wurde der Vorschlag von Regierungsberater David Freud am Ende der Amtszeit Tony Blairs. Blairs Nachfolger Gordon Brown konnte sich zunächst nicht dafür erwärmen, aber in jüngster Zeit scheint Browns neuer Sozialminister James Purnell doch wieder den privaten Sektor in die Vermittlung von Arbeitslosen einbinden zu wollen.
Dabei würde Großbritannien mit dieser Politik Neuland betreten, und von den Erfahrungen anderer Länder weiß man in London bislang auch nichts Genaues.
Grund genug für Policy Exchange, Experten in fünf Ländern um Einschätzungen ihrer jeweiligen Arbeitsmarktreformen zu bitten. Ergebnis ist der Bericht “Paying for Success”, den ich gemeinsam mit dem früheren Industrie- und Sozialminister The Rt. Hon. Peter Lilley MP herausgebe und heute in London der …
13.04.2008 21:31
I’m a pirate, get me out of here!
Manchmal fällt es schwer, den britischen Nachrichten Glauben zu schenken. Die Sunday Times berichtete heute:
THE Royal Navy, once the scourge of brigands on the high seas, has been told by the Foreign Office not to detain pirates because doing so may breach their human rights. Warships patrolling pirate-infested waters, such as those off Somalia, have been warned that there is also a risk that captured pirates could claim asylum in Britain. The Foreign Office has advised that pirates sent back to Somalia could have their human rights breached because, under Islamic law, they face beheading for murder or having a hand chopped off for theft.
Merke: Piraten dürfen nur noch dann gefangen genommen werden, wenn davon ausgegangen werden kann, dass Piraterie in ihrem Heimatland als Kavaliersdelikt angesehen wird. Versehentlich gefangen genommene Piraten aus dem islamischen Kulturkreis genießen hingegen Asyl im Vereinigten Königreich. …
12.04.2008 16:34
Now I know
Während ich mich noch darüber wunderte, warum Telefongesellschaften sich für das Gestammel der Briten interessieren, klärte mich Achgut-Leser Stephan Lahl dankenswerterweise auf:
“Das ist linguistische Grundlagenforschung (Computational Linguistics bzw. Linguistische Informatik) die schon länger von TelCos finanziert wird. Die Rolle und ungefähre Zahl der Füllworte/Füllphrasen in der verbalen Kommunikation ist schon ziemlich lange bekannt, aber da sich der Sprachgebrauch ändert, ändern sich auch die verwendeten Füllphrasen, deren Gebrauch und Häufigkeit.
In der Anwendung sind genaue Kenntnisse über Art, Häufigkeit und sprachliche Umgebung dieser Füller sehr wichtig, um automatische Spracherkennung vom telefonisch gesteuerten Computersystem bis zur staatlichen Telefonüberwachung betreiben zu können.
Eine fiese Sache ist zum Beispiel das Füllstottern bei vielen Amerikanern, wenn sie beim Sprechen über etwas nachdenken: I think, this, isis a, a, is a, is, is, a, is a very important ish-issue …
12.04.2008 09:34
You know, you know, you know
Ehm, dass die Briten mit ihrer, you know, Sprache irgendwie basically ein Problem haben, dass, um, hatte ich schon immer gedacht. At the end of the day, kommen sie eben mit einem, actually, sehr reduzierten Wortschatz aus. The thing is, “huge” ist zum Beispiel so ein Wort. In England, er, hört man das nämlich in jedem zweiten, you know, Satz. Alles ist “huge”: die nächste Krise der Regierung, das Chaos an, er, Heathrow, oder der letzte, like, Ausverkauf von, well, Marks & Spencer. Und als ich zuletzt ein Interview mit, er, David Beckham gehört habe, schaffte er es, in weniger als einer Minute zehn “you know” unterzubringen.
Aber seit heute weiß ich basically, dass ich mir das, you know, nicht einbilde, dass hier niemand mehr, ehm, vernünftiges Englisch, wie sagt man, spricht:
09.04.2008 10:11
Gordon Brown: Was kümmert ihn sein Geschwätz von gestern?
Gordon Brown, damals britischer Schatzkanzler, in der Haushaltsdebatte vom Juli 1997:
“For most people the acquisition of a house is the biggest single investment they will make. Homeowners rightly expect their investment to be protected by sensible policies pursued by Government. I am determined that as a country we never return to the instability, speculation, and negative equity that characterised the housing market in the 1980s and 1990s. Volatility is damaging both to the housing market and to the economy as a whole. So stability will be central to our policy to help homeowners. And we must be prepared to take the action necessary to secure it. I will not allow house prices to get out of control and put at risk the sustainability of the recovery.”
Elf Jahre später hört sich das bei Mr. Brown, inzwischen Premierminister,
09.04.2008 08:19
Fallende Hauspreise keine Garantie für erschwinglichere Immobilien
In zahlreichen Publikationen und Artikeln habe ich in den letzten Jahren argumentiert, dass die Hauspreise in GB fallen müssen, damit sich Normalverdiener wieder ein Dach über dem Kopf leisten können. Jetzt fallen die Preise zwar tatsächlich, aber das Problem ist damit trotzdem nicht gelöst. Warum das so ist, das erklärt mein Freund und Kollege Dr. Tim Leunig heute in der Financial Times - und Tim hat (wie eigentlich immer) Recht:
There are two ways in which house prices can fall without increasing affordability. First, we could have a recession. Lower wages would mean people could afford less and prices would fall. But affordability would not increase, since the fall in prices would simply reflect falls in incomes.
Finally, we have the current experience: price falls caused by a credit crunch. People can no longer get as large a mortgage as before, therefore they cannot bid up …
08.04.2008 14:29
Die Blase platzt
Nein, prophetische Gaben besitze ich eigentlich nicht, aber bei den heutigen Wirtschaftsmeldungen aus Großbritannien wurde ich an einen Artikel erinnert, den ich vor etwa zwei Jahren für die NZZ geschrieben hatte. Darin hatte ich gewarnt:
“In der Tat wuchs die britische Wirtschaft in den vergangenen zehn Jahren stärker als andere europäische Länder, wenngleich sich jüngst das Wachstum etwa abgeschwächt hat. Dabei sollten aber zwei Faktoren beachtet werden: Einerseits hat der Staat in den letzten Jahren seine Aktivität massiv und zum Teil eben auch schuldenfinanziert ausgeweitet. Andererseits haben sich auch die Privathaushalte stark verschuldet. Ihre Gesamtverschuldung beläuft sich mittlerweile auf etwa eine Billion Pfund und wird nicht zuletzt auf die durch das Planungswesen künstlich aufgeblähten Hauspreise gestützt. Es ist aber zweifelhaft, wie lange sich ein solches schuldenfinanziertes Wachstum fortsetzen lässt. Fallende Hauspreise oder Eintrübungen der Weltkonjunktur könnten die britische Wirtschaft daher in Zukunft besonders …

