Beiträge von Dr. Oliver Marc Hartwich
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05.06.2007 07:51
Britische Muslime: Verschwörungstheorien zu 7/7
Am 7. Juli 2005 töteten vier Attentäter in drei Londoner U-Bahnen und einem Doppeldeckerbus 52 Menschen. Der Hergang der Ereignisse konnte durch die Aufzeichnungen von Überwachungskameras praktisch lückenlos rekonstruiert werden, und es bestehen keine Zweifel daran, dass es sich bei den Attentätern um Hasib Hussain, Mohammad Sidique Khan, Germaine Lindsay und Shehzad Tanweer, vier britische Muslime, handelte.
Gestern veröffentlichte der Fernsehsender Channel 4 die Ergebnisse einer Umfrage unter britischen Muslimen, aus der hervorgeht, dass in dieser Gruppe Zweifel an der offiziellen Version der Ereignisse bestehen: Über die Hälfte der Befragten (52 Prozent) glaubte demnach, dass der britische Geheimdienst Beweismaterial gefälscht hat, um die Täter zu identifizieren; knapp ein Viertel (24 Prozent) hielt die vier als Attentäter identifizierten Männer nicht für die Anschläge verantwortlich; 59 Prozent glauben, dass die Regierung die vollständige Wahrheit über die Anschläge zurückhält. Über zwei Drittel (68 …
04.06.2007 16:32
No logo
London wird bekanntlich im Jahr 2012 die Olympischen Spiele ausrichten. Ob bis dahin alle Sportstätten fertiggestellt sein werden, steht zwar noch in den Sternen. Auch ob es bis dahin gelingt, die Londoner U-Bahn zu modernisieren, darf bezweifelt werden. Aber immerhin gibt es seit heute schon ein Logo für die Spiele, das man sich unter diesem Link ansehen kann.
Angeblich soll das Logo 400.000 Pfund gekostet haben, aber trotzdem reicht es nur zu einem an die 1980er Jahre erinnernden Street Art-Design.
Bürgermeister Ken Livingstone zeigte sich jedenfalls begeistert von der “message of welcome and diversity”, die er in dem Logo ausgemacht haben will. Mit etwas weniger Phantasie kann man aber durchaus auch zwei SS-Runen darin erkennen. Oder auch etwas sexuell Anstößiges (meinte zumindest ein Kommentator bei Comment is Free).
Warum habe …
04.06.2007 07:32
Drei Stunden und fünfzehn Minuten für ein neues Gesetz
Zu meinem Beitrag “Die deutschen Briten” gab es vor allem eine Reaktion: Überraschung. Scheinbar möchte man auf dem Kontinent einfach nicht glauben, dass Großbritannien nicht das liberale, deregulierte Musterland ist, für das es heute immer noch gehalten wird.
Für alle, die meiner These skeptisch gegenüberstehen, dass die Briten mit ihrem Hang zur Überregulierung inzwischen die besseren Deutschen sind, hier noch eine aktuelle Statistik aus dem Daily Telegraph. In der Amtszeit Tony Blairs hat es viele neue Gesetze gegeben - sehr viele. Im Schnitt ein neues Gesetz alle drei Stunden und fünfzehn Minuten. Das macht ganze 2.685 Gesetze pro Jahr, und diese beinhalten noch nicht einmal neue EU-Vorschriften.
Dabei galt Tony Blair doch noch als liberaler als sein Schatzkanzler und Nachfolger Gordon Brown - womit sich Befürchtungen erübrigen, dass britische Juristen in Zukunft beschäftigungslos werden.
02.06.2007 10:43
Pech gehabt, Mr Johnston
Noch ein kurzer Nachtrag zur Entführung von Alan Johnston. Gestern habe ich zum ersten Mal seine Eltern im Fernsehen gesehen und mich gefragt, warum sie noch nicht beim Papst waren, warum sie nicht kreuz und quer durch Europa fahren und dabei Botschafter, Staats- und Regierungschef treffen, warum Sky News keinen Ü-Wagen vor ihrem Haus stehen hat, warum keine Zeitung eine Belohnung für die Ergreifung der Täter ausgesetzt hat und warum sich David Beckham noch nicht zu dem Fall geäußert hat. Auch im Parlament wurden keine gelben Schleifen gesichtet, jedenfalls nicht für Mr Johnston.
Und dann fiel mir ein, dass Mr Johnston keine blonden Haare hat (genaugenommen hat er so gut wie gar keine Haare mehr) und auch nicht so niedliche Kulleraugen wie Madeleine McCann. Da er ansonsten auch keine Niere zu verschenken hat und dummerweise von Terroristen entführt wurde, die mitteleuropäische Gutmenschen für ihre nahöstlichen Artverwandten halten, hat …
02.06.2007 06:49
Fiktion: BBC-Reporter von Israelis entführt
Charles Moore, der Aufsichtsratschef meines Think Tanks Policy Exchange und frühere Chefredakteur des Daily Telegraph, stellt heute in seiner Kolumne die Frage, wie die Welt wohl reagieren würde, wenn der BBC-Journalist Alan Johnston nicht von Palästinensern, sondern von Israelis entführt worden wäre. Die Antwort: Mit Entsetzen, Abscheu und nicht etwa mit Verständnis für “die israelische Sache”. Mit palästinensischen Terroristen muss man aber anscheinend vorsichtiger umgehen, schreibt Charles:
“But of course in real life it is Arabs holding Mr Johnston, and so everyone treads on tip-toe. Bridget Kendall of the BBC opined that Mr Johnston had been “asked” to say what he said in his video. Asked! If it were merely an “ask”, why did he not say no?
Throughout Mr Johnston’s captivity, the BBC has continually emphasised that he gave “a voice” to the Palestinian people, the implication being that he supported their cause, and should …
29.05.2007 16:32
Greenpeace: Sprich nicht mit den Schmuddelkindern
Iain Dale vom Londoner Internet-Fernsehsender 18 Doughty Street durfte erfahren, was passiert, wenn man Greenpeace zu einer Diskussion mit einem “Klimaskeptiker” einlädt. Greenpeace lehnte dankend ab, denn mit Vertretern solcher Positionen setze man sich grundsätzlich nicht mehr an einen Tisch, um sie nicht aufzuwerten.
Die erstaunliche Absage von Greenpeace ist auf Dales Blog dokumentiert. Dale selbst kommentierte dies so: “That really tells me all I need to know. Anyone who seeks to constrain debate on this hugely important issue is adopting the tactics of crypto-fascists.”
29.05.2007 15:54
Die deutschen Briten
Kaum ein Land kann auf eine so reiche liberale Tradition zurückblicken wie Großbritannien. Man denke nur an Meilensteine der Rechts- und Verfassungsgeschichte wie die Magna Carta, die Petition of Right, den Habeas Corpus Act oder die Bill of Rights. Man kann es auch an liberalen Persönlichkeiten festmachen, wobei einem beispielsweise die Namen John Locke, David Hume, Adam Smith oder auch David Ricardo einfallen.
Keine Frage: Die Freiheitsliebe war einmal Teil des “genetischen Codes” der Briten. Man war stolz auf seinen staatsfernen Eigensinn, und so gab es in der britischen Ideengeschichte vor dem 20. Jahrhundert auch keine metaphysische Überhöhung des Staates. Etwas zugespitzt formuliert: Die Briten hatten Locke, Smith und Ricardo, die Deutschen Hegel, Marx und Sombart, und damit waren beide Nationen fast hinreichend charakterisiert.
Nach wie vor glaubt man sowohl in Großbritannien aber auch auf dem Kontinent, dass das freiheitliche Element auf der Insel besonders stark …
29.05.2007 10:36
Großbritannien führt (beim Staatsanteil)
Nun ist es wohl soweit: Der britische Staatsanteil ist höher als die deutsche Staatsquote, berichtet die heutige Ausgabe der Daily Mail unter Berufung auf eine Untersuchung des Londoner Centre for Economics and Business Research.
Als ich vor einigen Jahren nach London gegangen bin, da hatte ich eigentlich gehofft, in eine liberale Wirtschaftsordnung mit einem weniger aufgeblähten Staatsapparat zu ziehen. Während aber der Kontinent seitdem einige Reform-Trippelschritte in die richtige Richtung gemacht hat, verfolgt “New” Labour eine klassisch sozialdemokratische Tax-and-Spend-Politik. Das Ergebnis: Die britischen Wettbewerbsvorteile erodieren, und der Kontinent holt auf.
Vor Jahren hatte ich noch gewitzelt, dass ich in dem Moment nach Deutschland zurückziehe, wenn der britische Staatsanteil den deutschen überholt. Nun muss ich mir wohl einmal überlegen, wie ernst ich das damals gemeint hatte.


