Beiträge von Dr. Oliver Marc Hartwich
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13.01.2007 10:30
Brown warnt vor “Balkanisierung” Großbritanniens
Solche Schlagzeilen machen neugierig: Brown’s manifesto for Britishness, Gordon Brown: We need a United Kingdom, Gordon Brown defends Great Britain. All diese Überschriften stammen aus der heutigen Online-Ausgabe des Daily Telegraph und beziehen sich auf einen Gastbeitrag des Schatzkanzlers, den er für die Zeitung geschrieben hat.
Gordon Brown beginnt seinen Beitrag mit der Erinnerung an den Act of Union von 1707, mit dem England und Schottland zum Königreich von Großbritannien zusammengefasst wurden. Der eigentliche Anlass für Brown, sich zum Zustand des Vereinigten Königreichs zu äußern, dürfte jedoch nur wenige Tage zurückliegen und nicht dreihundert Jahre. Am Dienstag stellte der Fernsehsender Channel 4 nämlich eine Umfrage vor, die eine große Unterstützung für die Loslösung Schottlands vom Vereinigten Königreich zeigte. Gestern erst erschien eine andere Umfrage in …
12.01.2007 17:57
Mit dem Privatjet zum Golfen, aber alle anderen Inlandsflüge verbieten
Es soll ja Politiker geben, die aus ehrlicher Sorge um die Umwelt alle Inlandsflüge am liebsten verbieten möchten. Nur zu dumm, wenn sich dann in ihren veröffentlichungspflichtigen Angaben Einträge wie diese finden:
Gifts, benefits and hospitality (UK)
* 31 May 2005, loan of a private jet for two domestic flights from Netjets plc. (Registered 14 June 2005)Overseas visits
* 6-8 November 2005, to Cyprus, as a guest of Lanitis Development, owners of Aphrodite Hills, a hotel and golf resort. (Registered 21 November 2005)
* 3-10 January 2006, to California, US. My fares and three nights’ accommodation provided by the World Affairs Council of Orange County. (Registered 14 February 2006)
* 3-6 April …
12.01.2007 15:45
Kritik an Stern
Seitdem Sir Nicholas Stern seinen Bericht zur Ökonomie des Klimawandels veröffentlicht hat, gilt er in Großbritannien und darüber hinaus als der Experte zu diesem Thema schlechthin. Wahrscheinlich ist es nur eine Frage der Zeit, bis aus Sir Nicholas Lord Stern wird, und auch der Berufung zum Fellow der Royal Society wird er sich nicht auf Dauer entziehen können, so meine Prognose.
Es dauerte einige Wochen, bis sich Sterns Ökonomen-Kollegen durch Sir Nicholas’ 700 Seiten umfassendes Werk gearbeitet hatten. Die bislang umfangreichste Kritik ist nun in der Zeitschrift World Economics erschienen und kann hier heruntergeladen werden.
12.01.2007 14:08
Haushaltsabschluss 2006: Kein Grund zum Zurücklehnen
Es sind zweifellos gute Neuigkeiten, die Bundesfinanzminister Peer Steinbrück heute verkünden kann. Der Bund hat im vergangenen Jahr deutlich weniger neue Schulden gemacht als zunächst erwartet. 27,9 Mrd. Euro waren es am Ende und nicht, wie noch vor Monaten befürchtet, 38,2 Mrd. Euro. Damit sank das Defizit auf 1,9 Prozent des Bruttoinlandsproduktes und lag zum ersten Mal seit 2001 wieder unter der Maastricht-Vorgabe von 3,0 Prozent.
Doch so erfreulich diese Zahlen auch sind, Anlass zu finanzpolitischer Euphorie geben sie nicht, und zwar aus mehreren Gründen. Zunächst wird in der öffentlichen Diskussion gerne übersehen, dass der Stabilitäts- und Wachstumspakt nicht nur aus der Regel für die jeweilige Neuverschuldung eines Jahres besteht, …
12.01.2007 09:25
Selbstmord gescheitert, Schadensersatz gewonnen
Über manche Nachrichten in der britischen Presse kann man sich nur wundern. Da versuchte ein junger Strafgefangener, Selbstmord zu begehen, wurde aber vom Gefängnispersonal gefunden und erfolgreich wiederbelebt. So weit, so gut - könnte man meinen. Doch weit gefehlt: der gescheiterte Selbstmörder verklagte den Staat auf Schadensersatz und erhielt, wie nun bekannt wurde, in einer außergerichtlichen Einigung tatsächlich £575.000 (ca. €867.000). Bislang sind nur wenige Einzelheiten des Falles bekannt geworden, aber es wird davon ausgegangen, dass der Schadensersatzanspruch mit einem Verstoß gegen die Menschenrechte des Gefangenen begründet wurde.
Wenigstens regt sich nun Kritik, nicht nur an der Zahlung an sich, sondern vor allem an der Geheimniskrämerei um diesen Fall. Abgeordnete aus dem Haushaltsausschuss des Parlaments bemühen sich um Aufklärung, während das Zentralorgan der englischen Volksseele, The Sun, einen …
11.01.2007 17:50
Gefährlicher als die Luftwaffe
Seit über zwei Jahren befasse ich mich mit der Frage, warum britische Häuser so alt, so klein und so teuer sind. Das Ergebnis der Untersuchungen: es liegt vor allem am Raumplanungssystem. Dirk Maxeiner hatte seinerzeit davon berichtet.
Auch aufgrund unserer Publikationen hatte Gordon Brown, der britische Schatzkanzler, die Ökonomin Kate Barker von der Bank of England beauftragt, einen Bericht zur Reform des britischen Planungswesens anzufertigen. Diesen veröffentlichte sie im Dezember und sprach sich darin - allerdings sehr, sehr vorsichtig - für eine Deregulierung aus. Das brachte ihr damals diese wenig schmeichelhafte Charakterisierung in der Sunday Times ein:
Britain’s most dangerous woman is a mild-mannered, middle-aged mumsy lady who hides away in a bank. Though she might not appear an architect of doom, her …
11.01.2007 12:10
Rettet den Planeten: Opfert Kühe!
Zu den besonderen Vergnügen, die Lesern des Daily Telegraph vergönnt sind, gehört die Kolumne von Boris Johnson. Jeden Donnerstag bringt Bo-Jo, wie er hier auch genannt wird, das aktuelle Tagesgeschehen bissig, respektlos und, wenn es sein muss, gnadenlos polemisch auf den Punkt. Das ist um so erstaunlicher, wenn man bedenkt, dass Mr Johnson in erster Linie kein Journalist (mehr) ist, auch wenn er bis Ende 2005 noch Herausgeber des Nachrichtenmagazins The Spectator war. Tatsächlich sitzt er nämlich seit 2001 als Abgeordneter für den Wahlkreis Henley, der in Oxfordshire liegt, im Unterhaus. Dort hat er es inzwischen zum konservativen Schattenminister für Bildung gebracht.
Wer nun aber erwartet hätte, dass sich Bo-Jo von Parteidisziplin, Sprachregelungen und Sachzwängen einengen lassen würde, der wird allwöchentlich im Daily Telegraph eines Besseren belehrt. Wortgewaltig macht er sich über die Absurditäten der britischen Politik lustig und schlachtet dabei eine …
10.01.2007 15:08
“… occasionally drunk, much misunderstood.”
For two years, I was Germany’s only Euro-sceptic columnist. The editor of Die Welt had approached me because, tellingly, he couldn’t find a single German writer prepared to criticise Brussels. The readers’ letters I got during those two years opened my eyes to a very different Germany. Die Welt is, as it were, Germany’s Daily Telegraph: intelligent, cultured, Right-of-centre. Its readers were cosmopolitan, and they loathed the Brussels racket. Every article I wrote provoked a crop of exasperated emails. “Why does it take a foreigner to write as you do,” they would ask. “Why won’t anyone in Germany say these things?”
So beginnt ein hervorragender Artikel von Daniel Hannan in der heutigen Ausgabe des Daily Telegraph. Darin erklärt er, dass die Deutschen im Grunde ihrer Seele mindestens genauso EU-skeptisch sind wie die Briten. Kein Wunder, schließlich …

