Beiträge von Dr. Oliver Marc Hartwich
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20.01.2007 13:35
Briten müssen draußen bleiben
Wer als Backpacker nach Cardiff kommt, der musste sich bislang die Unterkunft seinem Reisepass entsprechend aussuchen. Das “Cardiff Backpackers Hostel” gab es nämlich gleich in zwei Varianten: eine nur für Ausländer und eine nur für Briten. Die Begründung der Geschäftsführung leuchtet unmittelbar ein:
Hostel owner Sion Llewelyn did not want to comment but told the South Wales Echo that the rule was because he did not want unruly British guests spoiling the experience of foreign visitors. Mr Llewelyn added that he was not discriminating as British guests could use his sister hostel in a nearby street.
Doch es kann natürlich nicht sein, dass man ausländische Touristen vor Briten schützt, und so hat sich nun die walisische Kommission für Rassengleichbehandlung (Comisiwn Cydraddoldeb Hiliol, also die Commission for Racial Equality) eingeschaltet. Sie verlangt, dass die Hotelleitung die diskriminierende Praxis sofort beendet und …
20.01.2007 11:42
Der größte Fortschritt seit 1840? Sauberes Wasser.
Was war der größte Durchbruch in der Medizin seit 1840? Das wollte das in eben jenem Jahr gegründete British Medical Journal von seinen Lesern wissen. Die Ergebnisse dieser Umfrage liegen nun vor. Zur Wahl standen am Ende unter anderem die Entdeckung der DNA-Struktur, der Computer, Antibiotika, die Pille, Impfungen und Anästhesie. Doch so bedeutend diese Fortschritte für die Medizin sicherlich waren, der Gewinner der Umfrage hieß schlichtweg “sanitäre Einrichtungen”.
Sauberes Wasser und die Entsorgung von Abwasser waren für die insgesamt 11.000 Teilnehmer an der Umfrage der größte medizinische Durchbruch der vergangenen 166 Jahre. Durch den Zugang zu sauberem Wasser und die Verbesserung der Kanalisation konnten in den heute hoch entwickelten Ländern der Welt Krankheiten wie Cholera und Durchfallerkrankungen drastisch reduziert werden.
Leider liegt bei der Wasserversorgung und der Abwasserbehandlung in ärmeren Regionen noch vieles im Argen, …
19.01.2007 15:58
Wider die Sozialverschmutzung
An den Zertifikatehandel zur Verringerung der Emissionen von Treibhausgasen haben wir uns gerade halbwegs gewöhnt, da droht bereits der nächste Emissionshandel. Diesmal geht es aber nicht um irgendwelche Umweltgifte, die damit bekämpft werden sollen, sondern um Salz, Zucker, Fett und Alkohol. Folglich ist die Rede in diesem Zusammenhang auch nicht mehr von Umweltverschmutzung, sondern von “sozialer Verschmutzung” (social pollution). Diese ist wie folgt definiert:
The concept of environmental pollution is widely understood – the emission of toxins into the natural world in such a way as to cause damage to the eco-system. Polluters are increasingly expected to clean up the pollution that they cause. It seems logical therefore to apply the term ‘pollution’ to emissions into society of things that cause harm. Obesity might be seen as an effect of social pollution in the same way as global warming is the effect of environmental pollution.
Das …
17.01.2007 15:26
Pink fühlt sich von PETA benutzt
Die Popsängerin Pink fühlt sich getäuscht und benutzt, und zwar von der Tierrechtsorganisation PETA. Das sagte sie dem australischen Fernsehsender Nine (das Interview kann auf der Ninemsn.com-Website angesehen werden).
Im Dezember hatte Pink eine PETA-Kampagne gegen das so genannte “Mulesing” unterstützt. Dabei werden Schafen Teile der Haut entfernt, um damit die Fliegenmadenkrankheit zu verhindern. Gegen diese angeblich grausame Praxis haben Tierrechtsorganisationen wie PETA schon lange protestiert, und Pink schloss sich dem Protest mit einem Boykottaufruf gegen australische Wolle an. “Sadistisch” sei das Mulesing, sagte sie in einer Videobotschaft für PETA.
Es war nicht überraschend, dass sich die australische Wollindustrie gegen Pinks Aufruf verteidigte. Viel erstaunlicher ist aber, dass Pink in dem nun ausgestrahlten Interview zugibt, dass sie selbst nicht richtig über das Mulesing informiert war, als sie …
16.01.2007 16:14
Ein Parlament für England?
Die demokratische Ordnung Großbritanniens hat eine Reihe von Eigenschaften, die ausländischen Beobachtern merkwürdig vorkommen dürften. Es gibt zum Beispiel keine geschriebene Verfassung (jedenfalls nicht in einem einzigen Dokument), dafür aber eine ungewählte zweite Kammer des Parlaments, die gleichzeitig (noch) als oberstes Gericht fungiert. Das politische System des Vereinigten Königreichs kann nur historisch erklärt und verstanden werden. Aber das heißt nicht, dass es grundsätzlich nicht verändert werden könnte.
Eine solche einschneidende Veränderung zeichnet sich seit längerem ab. Sie betrifft die so genannte West Lothian Question. Dieser Ausdruck bezeichnet ein parlamentarisches Kuriosum, das sich aus der Dezentralisierung von Gesetzgebungskompetenzen ergeben hat. In der Vergangenheit wurden Zuständigkeiten von Westminster nach Nordirland, Schottland und Wales abgegeben und dort regionale Volksvertretungen eingerichtet. In Schottland gibt es das Scottish Parliament, in Wales die National Assembly for Wales und in Nordirland die Northern Ireland Assembly (die zur Zeit allerdings suspendiert …
16.01.2007 09:15
Royaume-Uni?
Britische Zeitungsmacher sind hinsichtlich ihrer Überschriftengestaltung oft sehr kreativ. Aus der Meldung, dass es in den 1950er Jahren Bestrebungen auf französischer Seite gab, dem Commonwealth beizutreten, werden in den britischen Medien zum Beispiel folgende Schlagzeilen:
Daily Mirror: Oh, mon Dieu! France wanted union with UK
Daily Telegraph: Queen Elizabeth II of France? Mais non
The Guardian: Incroyable, but true ... France’s 1956 bid to unite with Britain
The Times: Were we nearly les franglais? und That would have been une catastrophe
Channel 4: Entente super-cordiale
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15.01.2007 20:39
Stoiber tritt nicht mehr an - eventuell
Ich fasse es nicht. Da ist man einmal nur ein paar Jahre weg aus Deutschland, und dann fällt erst das Ladenschlussgesetz (womit ich zu meinen Lebzeiten nicht mehr gerechnet hätte), und nun erklärt Edmund Stoiber, dass er eventuell nicht mehr Ministerpräsident in Bayern sein will. Manchmal bewegen sich die Dinge in Deutschland doch schneller, als man denkt.
Kann man sich denn auf gar nichts mehr verlassen?
15.01.2007 08:38
Extremismusbekämpfung down under
Policy Exchange, der Think Tank, für den ich arbeite, hat den früheren Stabschef des australischen Premierministers John Howard, Gerard Henderson, nach London eingeladen. Wir möchten von Mr Henderson wissen, welche Erfahrungen Australien bei der Bekämpfung des islamischen Extremismus gemacht hat.
Heute berichtet Mr Henderson davon bereits in einem Gastbeitrag in der Times, der zu dem Schluss kommt:
There is little backing in Australia for the extremist right-wing view that Muslim immigration should be banned. But there is bipartisan support for tackling the real threat posed by radical Islamism in a direct, even blunt, manner.
Dass die Aussies ein pragmatisches Volk sind, kann ich als großer Australienfan aus eigener Erfahrung bestätigen. Es scheint, als ob der Aussie Way auch in der Terrorbekämpfung funktioniert, und daher: Leseempfehlung! …

