Beiträge von Dr. Oliver Marc Hartwich
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24.01.2007 12:12
Slippery slope
So spannend es auch ist, in der Politikberatung zu arbeiten, so sehr wünsche ich mir doch, mittelfristig in den Journalismus zu wechseln. Und daher freue ich mich auch immer besonders, wenn ich für Zeitungen schreiben darf wie heute erstmals für den Guardian.
Mein Artikel über die sozialen Probleme der Hauspreisinflation unter dem Titel “Slippery slope” kann hier abgerufen werden, und bei den Kollegen vom Antibürokratieteam berichte ich von den ersten (vorhersehbaren) Reaktionen auf unseren neuen Raumplanungsreport.
24.01.2007 09:16
Warum ist IKEA so teuer?
Als ich vor knapp drei Jahren nach England gezogen bin, brauchte ich für die Einrichtung der Wohnung noch einige Möbelstücke: ein Bücherregal, einen kleinen Tisch und ein paar Stühle. So führte mich der Weg zu einem Londoner IKEA-Markt, der sich in nichts von einer deutschen Filiale zu unterscheiden schien. Auch in England muss man auf dem Weg zu dem nützlichen Kleinkram, den man bei IKEA kurz vor den Kassen findet, durch die Abteilungen für Küchen, Kinderzimmer und Wohnzimmer laufen. Auch gibt es exakt dasselbe Menü im IKEA-Restaurant mit Lachs und Köttbullar an Preiselbeerkompott. Aber etwas schien mir dann doch merkwürdig, denn so billig, wie ich IKEA in Erinnerung hatte, kamen mir die Preise dann doch nicht vor.
Ich nahm also einen IKEA-Katalog mit nach Hause und rief meine Freundin Jenny an. Jenny ist nicht nur ein großer Fan von IKEA, sie lernt seit neuestem sogar Schwedisch (als ob …
23.01.2007 08:38
What have the Americans ever done for us?
Nun ist es beinahe amtlich: Deutschland ist das amerikakritischste Land der Welt. In einer Umfrage von BBC World zum Image der Vereinigten Staaten in 25 Ländern gab es in keinem anderen Land eine negativere Sicht des US-Einflusses auf die Weltpolitik. 74 Prozent der Deutschen halten ihn für überwiegend negativ. Zum Vergleich: Im Libanon sagten dies nur 58 Prozent und in Polen gerade einmal 24 Prozent.
Die BBC fasst die deutsche Stimmung so zusammen:
German views of US influence have worsened significantly over the last year, with negative attitudes increasing from 65 to 74 percent. Only 16 percent of respondents say they have a mostly positive view of US influence in the world, down from 21 percent. Negative attitudes about the US are also reflected in …
22.01.2007 16:25
Wer hat an der Uhr gedreht?
Die Antwort auf diese Frage lautet Tim Yeo. Der konservative Umweltpolitiker, der zuletzt durch seine Forderung nach einem Verbot von Inlandsflügen und merkwürdige Reiseberichte auf sich aufmerksam machte, schlug vor, die Briten sollten aus Gründen des Umweltschutzes und der Verkehrssicherheit ihre Uhren ganzjährig um eine Stunde vorstellen. Ein Gesetzentwurf von ihm wird in dieser Woche im Parlament beraten.
“Doppelte Sommerzeit” nennt Mr Yeo seinen Vorschlag. Man könnte darin allerdings auch den Beitritt Englands zur Mitteleuropäischen Zeitzone sehen, was dem europhilen Politiker wahrscheinlich gefallen dürfte. Aber so kann man natürlich auf der Insel nicht argumentieren. Wer möchte schon, dass Londoner und Brüsseler Uhren dieselbe Zeit anzeigen?
Die Erfolgsaussichten für eine Zeitumstellung in England …
20.01.2007 14:45
Keine Zigaretten bei Muslimen?
Der britische Bloggerkollege Iain Dale hat eine Meldung in den Cambridge Evening News entdeckt, die man sich wirklich nicht ausdenken kann. In einer Filiale von WH Smith weigerte sich eine Angestellte, einer Kundin eine Packung Zigaretten zu verkaufen - aus religiösen Gründen. Als Muslima sei es ihr nicht erlaubt, Tabakwaren abzugeben.
Warum sie sich dann ausgerechnet von WH Smith einstellen lässt, wo es bestimmt noch andere Dinge gibt, die ein strenggläubiger Muslim vielleicht nicht verkaufen möchte (FHM, das “Whisky Magazine” oder Weihnachtskarten zum Beispiel), ist nicht bekannt. Sehr wohl ist aber bekannt, warum WH Smith sie eingestellt hat: eine Diskriminierung gegenüber potentiellen muslimischen Arbeitnehmern wäre nämlich rechtswidrig gewesen.
Übrigens sollte nicht unerwähnt bleiben, dass ein Sprecher der muslimischen Gemeinde in Cambridge erklärt hat, dass es im Islam überhaupt kein Verbot von Zigaretten gibt. …
20.01.2007 13:35
Briten müssen draußen bleiben
Wer als Backpacker nach Cardiff kommt, der musste sich bislang die Unterkunft seinem Reisepass entsprechend aussuchen. Das “Cardiff Backpackers Hostel” gab es nämlich gleich in zwei Varianten: eine nur für Ausländer und eine nur für Briten. Die Begründung der Geschäftsführung leuchtet unmittelbar ein:
Hostel owner Sion Llewelyn did not want to comment but told the South Wales Echo that the rule was because he did not want unruly British guests spoiling the experience of foreign visitors. Mr Llewelyn added that he was not discriminating as British guests could use his sister hostel in a nearby street.
Doch es kann natürlich nicht sein, dass man ausländische Touristen vor Briten schützt, und so hat sich nun die walisische Kommission für Rassengleichbehandlung (Comisiwn Cydraddoldeb Hiliol, also die Commission for Racial Equality) eingeschaltet. Sie verlangt, dass die Hotelleitung die diskriminierende Praxis sofort beendet und …
20.01.2007 11:42
Der größte Fortschritt seit 1840? Sauberes Wasser.
Was war der größte Durchbruch in der Medizin seit 1840? Das wollte das in eben jenem Jahr gegründete British Medical Journal von seinen Lesern wissen. Die Ergebnisse dieser Umfrage liegen nun vor. Zur Wahl standen am Ende unter anderem die Entdeckung der DNA-Struktur, der Computer, Antibiotika, die Pille, Impfungen und Anästhesie. Doch so bedeutend diese Fortschritte für die Medizin sicherlich waren, der Gewinner der Umfrage hieß schlichtweg “sanitäre Einrichtungen”.
Sauberes Wasser und die Entsorgung von Abwasser waren für die insgesamt 11.000 Teilnehmer an der Umfrage der größte medizinische Durchbruch der vergangenen 166 Jahre. Durch den Zugang zu sauberem Wasser und die Verbesserung der Kanalisation konnten in den heute hoch entwickelten Ländern der Welt Krankheiten wie Cholera und Durchfallerkrankungen drastisch reduziert werden.
Leider liegt bei der Wasserversorgung und der Abwasserbehandlung in ärmeren Regionen noch vieles im Argen, …
19.01.2007 15:58
Wider die Sozialverschmutzung
An den Zertifikatehandel zur Verringerung der Emissionen von Treibhausgasen haben wir uns gerade halbwegs gewöhnt, da droht bereits der nächste Emissionshandel. Diesmal geht es aber nicht um irgendwelche Umweltgifte, die damit bekämpft werden sollen, sondern um Salz, Zucker, Fett und Alkohol. Folglich ist die Rede in diesem Zusammenhang auch nicht mehr von Umweltverschmutzung, sondern von “sozialer Verschmutzung” (social pollution). Diese ist wie folgt definiert:
The concept of environmental pollution is widely understood – the emission of toxins into the natural world in such a way as to cause damage to the eco-system. Polluters are increasingly expected to clean up the pollution that they cause. It seems logical therefore to apply the term ‘pollution’ to emissions into society of things that cause harm. Obesity might be seen as an effect of social pollution in the same way as global warming is the effect of environmental pollution.
Das …

