Beiträge von Dr. Oliver Marc Hartwich
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09.01.2007 09:30
Heuchelei in Politik und Medien
In den Schlagzeilen der Londoner Abendzeitungen durfte gestern ein Wort nicht fehlen: “hypocrisy” (Heuchelei) - fett gedruckt, unterstrichen und mit einem Ausrufezeichen versehen. Bezogen waren diese Anschuldigungen auf Ruth Kelly, Kommunalverwaltungsministerin in Tony Blairs Kabinett, und sie setzen sich in den heutigen Zeitungen von “Sun” bis “Telegraph” fort. Doch was sich den Lesern offenbar als veritabler Skandal darstellen soll, sagt mehr über den Zustand der britischen Presse aus als über das angebliche Fehlverhalten einer Politikerin.
Worin bestand also die “Heuchelei” von Mrs Kelly? Mrs Kelly war bis vor acht Monaten Bildungsministerin und ist Mutter von vier Kindern. Drei dieser Kinder besuchen staatliche Schulen. Ein Sohn jedoch fiel in der Schule jüngst durch Lernschwächen auf, woraufhin sich Mrs Kelly entschied, ihn in einem privaten Internat anzumelden, das sich auf die Förderung solcher …
08.01.2007 11:07
Zeit für ein wenig Heldenverehrung
Die BBC Politics Show hat zu einer Online-Umfrage eingeladen, in der “politische Helden” gesucht werden. Es sieht sehr nach einem Kopf-an-Kopf-Rennen aus: Auf der einen Seite Tony Benn, der Hauptvertreter des linken Flügels der Labour Party - sozusagen das britische Gegenstück zu Erhard Eppler. Auf der anderen Seite Margaret Thatcher, Premierministerin von 1979 bis 1990, sozusagen das britische Gegenstück ... zu wem eigentlich?
Wie auch immer: Derzeit führt Tony Benn noch mit einem hauchdünnen Vorsprung von 0,09 %. Aber das könnte man ja ändern ...
Zur Umfrage, die am Donnerstag um 11.00 Uhr deutscher Zeit enden wird, geht es hier.
08.01.2007 09:20
2007 - das Jahr der Westminsterastrologie
Die britische Politik bietet derzeit gute Beschäftigungsmöglichkeiten für arbeitslose Kremlastrologen. Wir erinnern uns: zu Zeiten des Kalten Krieges war es oft kaum möglich, eindeutige Stellungnahmen sowjetischer Politfunktionäre zu erhalten. Also war man darauf angewiesen, zwischen den Zeilen offiziöser Verlautbarungen zu lesen. Das war zwar nicht unbedingt eine zuverlässige, aber doch die einzige Möglichkeit, sich ein Bild von den Plänen der Regierung zu machen.
Nicht viel anders geht es derzeit in Westminster zu. Nachdem Tony Blair von der Opposition in seiner eigenen Partei dazu gedrängt worden war, öffentlich zu erklären, dass er sein Amt bis spätestens zum nächsten Gewerkschaftskongress im September 2007 niederlegen wird, blühen die Spekulationen über die Zukunft der Regierung. Genährt werden sie dabei von sibyllinischen Äußerungen aus dem Kabinett und der Partei.
Es gibt mehrere Gründe, warum es derzeit so schwer ist, die Zeit nach Tony Blair vorherzusagen. Noch ist nicht einmal klar, wann …
07.01.2007 19:40
Noch ein Neuer
Liebe Leser,
nachdem sich gestern bereits der Kollege David Harnasch hier vorgestellt hat, bin ich heute an der Reihe. Ich grüße Sie aus London.
Hauptberuflich arbeite ich seit etwa zwei Jahren bei “Policy Exchange”, einem liberal-konservativen Think Tank in Westminster. Dort kümmere ich mich vor allem um die Wirtschaftspolitik, in der auch auf der Insel einiges im Argen liegt. Die Vorstellung vom wirtschaftsliberalen Großbritannien ist nämlich leider ein kontinentaleuropäischer Mythos.
Über meine Erfahrungen mit der britischen Politik habe ich bislang bereits in der Rubrik “London Calling” beim Antibürokratieteam und seit neuestem auch im Magazin Capital geschrieben. Ich werde nun zusätzlich auch an dieser Stelle aus dem Westminster Village …
23.12.2006 19:46
Have yourself a merry little Winterval
Beim Besuch des Nürnberger Christkindlesmarktes am letzten Wochenende konnte ich mich persönlich davon überzeugen, dass der Advent in Deutschland immer noch ganz traditionell begangen wird. Da gab es neben Glühwein und Lebkuchen die altvertrauten Weihnachtslieder, einen Posaunenchor und holzgeschnitzte Krippen. Niemand würde wohl in Nürnberg oder sonstwo auf deutschen Weihnachtsmärkten auf die Idee kommen, das Weihnachtsfest um angeblich nicht mehr zeitgemäße, religiöse oder als politisch unkorrekt angesehene Elemente zu bereinigen. Genau das passiert aber gerade in England.
An die Grußkarten mit „Season’s Greetings“, also „jahreszeitlichen Grüßen“, musste man sich schon seit einigen Jahren gewöhnen. Neu ist allerdings, dass heute nicht einmal mehr entfernt christliche Motive auf ihnen abgebildet sind. Es gibt ja schließlich auch Atheisten, Juden, Muslime oder Buddhisten, denen man mit einem Weihnachtsgruß vielleicht zu nahe treten könnten – selbst wenn die meisten von ihnen offenbar selbst ein (säkularisiertes) Weihnachten feiern. Auf Londons Einkaufsstraßen sind Musliminnen mit …
06.12.2006 14:03
Kein Krebs durch Mobiltelefone
Ab und zu gibt es selbst im alarmistischen Independent gute Nachrichten, zum Beispiel heute. Eine gross angelegte Studie (420.000 Teilnehmer) kommt zu dem Schluss, dass von Mobiltelefonen kein Krebsrisiko ausgeht.

