Beiträge von Dr. Oliver Marc Hartwich
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14.09.2008 12:50
Zurück aus dem Sommerloch
Eines habe ich in den letzten Wochen gelernt: Wenn man einen großen Umzug vorbereitet, dann sollte man möglichst nicht gleichzeitig eine große Medien-Debatte auslösen. Beides auf einmal ist einfach zu viel. Während ich eigentlich damit beschäftigt war, Formalitäten für unseren bevorstehenden Umzug nach Australien vorzubereiten, tat sich in Großbritannien das Sommerloch auf und zog mich in sich hinein.
Unser Bericht über die gescheiterte Regionalpolitik schlug bekanntlich hohe Wellen. Ich habe wohl noch nie zuvor an einem einzigen Tag 30 Radio- und Fernsehinterviews gegeben. Am Abend nach der Veröffentlichung erhielt ich einen Anruf von meinem guten Bekannten Toby Helm, der für den Observer arbeitet. Ihm hatte ich vor Wochen einen Artikel angeboten, den ich über das hohe britische Preisniveau geschrieben hatte. Leider war er damals nicht erschienen, doch nun wollte Toby ihn unbedingt haben. “Toby,” sagte ich, “ich habe im Moment wirklich andere Probleme. Mach damit, was …
18.08.2008 20:13
Ein Brite kommt nach Hause
Der britische Soziologie-Professor Peter Saunders hatte die letzten neun Jahre in Australien verbracht. Nun kehrte er nach England zurück, und ich habe das Gefühl, dass er Sydney schon vermisst:
http://www.theaustralian.news.com.au/story/0,,24187186-7583,00.html
17.08.2008 07:00
Ich bin der “Hammer of North”
Die Kontroverse um unseren letzten Bericht hat mir nicht nur den Zorn ganz Englands eingebracht, sondern nun auch einen Spitznamen. “Hammer of North” nennt mich der Sunday Observer heute in einem Artikel:
Hammer of North turns ire on London
Controversial think-tank chief attacks the ‘rip-off’ South before heading for Australia
Not content with offending huge swaths of northern England, an academic who caused uproar by saying the regeneration of cities such as Liverpool and Sunderland had failed, has delivered a second outspoken assault - this time on London.
Dr Oliver Marc Hartwich, the German-born chief economist at David Cameron’s favourite think-tank, Policy Exchange, is set to embark on a new career in Australia in October. In a hitherto unpublished article, he has expressed his frustration at …
15.08.2008 19:33
Verschwörungen und Enthüllungen
Noch immer rätselt man in Großbritannien, wie es dazu kommen konnte, dass sich der Konservativen-Chef David Cameron so über seinen “Lieblings-Think Tank” Policy Exchange aufregen konnte. Zwei Theorien kursieren in der englischen Blogosphäre:
1. Cameron und Policy Exchange haben alles nur inszeniert.
Das glaubt jedenfalls der Guardian-Kolumnist David Hencke. Die Verbindungen seien für die Öffentlichkeit zu eng und offensichtlich geworden, weshalb es einen öffentlichen Clash brauchte, um dann doch klammheimlich weiter zusammenzuarbeiten.
2. Policy Exchange wurde heimlich von Liberaldemokraten unterwandert.
Das ist die Theorie des Daily Telegraph-Kolumnisten Jonathan Isaby, die dieser in nicht weniger als drei Akten vorträgt (Teil 1, Teil 2, Teil 3).
Wahrscheinlich bin ich einer der wenigen Insider, der die ganze Wahrheit kennt - es war schließlich …
15.08.2008 08:28
Im Sommerloch
Die letzten Tage waren ziemlich verrückt. Policy Exchange hatte einen neuen Bericht vorgestellt, für den ich verantwortlich war. Es ging um ein eigentlich relativ kompliziertes (um nicht zu sagen: langweiliges) Thema, nämlich die britische Stadterneuerung und Regionalpolitik. Damit lockt man normalerweise niemand hinter dem Ofen hervor, und Titelseiten in der Boulevardpresse füllt man damit für gewöhnlich auch nicht. Doch diesmal kam alles anders.
Worum ging es also? Wir haben ein paar Probleme in unserem Bericht Cities Unlimited angesprochen, die wir für offensichtlich hielten. Es sollte unstrittig sein, dass sich die britische Wirtschaft in den letzten 150 Jahren verändert hat. Aus einer Wirtschaft, die stark auf Kohle, das produzierende Gewerbe und die Schiffahrt ausgerichtet war, ist eine “postmoderne” Dienstleistungswirtschaft geworden. Nicht mehr die Nähe zu Kohlevorkommen oder Seehäfen ist ein strategischer Vorteil, sondern die Nähe zu internationalen Flughäfen oder Autobahnen. Gleichzeitig hat die Mitgliedschaft in der EU den Fokus …
13.08.2008 15:45
Zweifrontenkrieg
Während ich heute etwa zwanzig Radio- und TV-Interviews in Großbritannien geben musste, um ein paar kontroverse Vorschläge zur britischen Regionalpolitik zu erläutern, habe ich in Australien gleich schon einmal eine neue Front eröffnet. In meinem ersten Artikel für die Tageszeitung “The Australian” kritisiere ich die jüngsten Bemerkungen des australischen Premierministers Kevin Rudd über F. A. Hayek:
Ich hoffe, ich kann mich trotzdem noch in Australien sehen lassen. Hier bin ich nach unserem neuen Bericht endgültig zu einer Hassfigur geworden. In einer Radiosendung sagte mir ein Anrufer “I wouldn’t even pee on you if you were burning” während mir ein anderer vorwarf, ich würde ethnische Säuberungen in Nordengland vorschlagen. Noch besser war der Kommentar des konservativen Parteichefs David Cameron, der meinen neuen Bericht öffentlich “insane” genannt hat. Das ist schon …
08.08.2008 13:49
Geschafft
Ich habe es geschafft: in meinem Reisepass klebt seit gestern ein Visum inklusive Arbeitserlaubnis für Australien.
Die australische Botschaft in London hat sich selbst übertroffen. Statt der angekündigten 12 Wochen Bearbeitungszeit benötigten sie gerade einmal drei Wochen für die Prüfung meines Falles. Warum das nun doch so schnell ging, darüber kann ich nur spekulieren. Aber wahrscheinlich war es günstig, dass ich bereits einen Arbeitsplatz vorweisen konnte. Vielleicht hatte auch geholfen, dass ich schon mehrfach in Australien war und dort auch für eine Zeit studiert hatte. Aber wie auch immer: Es war eine große Erleichterung, denn nun lässt sich der Umzug nach Sydney viel besser planen.
Die gute Nachricht erhielt ich per Email, als ich gerade in Bangkok einen Zwischenstopp auf dem Rückflug von meinem Kurztrip nach Australien machte. Die Freude darüber konnte auch dadurch nicht getrübt werden, dass British Airways das …
26.07.2008 20:42
Australische Trockenübungen
Das Projekt “Umzug nach Australien” geht weiter. Seit Anfang der Woche wird nun mein Visumsantrag bei der australischen Botschaft in London bearbeitet, was ich zunächst daran bemerkte, dass man mir als erstes die Gebühr von 725 Pfund von meinem Konto abgebucht hat. Ein paar Tage später dann die Aufforderung, nun noch dringend ein deutsches Führungszeugnis in beglaubigter Übersetzung beizubringen (was zu diesem Zeitpunkt schon längst beantragt war, aber eben seine Zeit braucht). Eine Geburtsurkunde wollte man auch noch sehen, zum Glück aber nur in beglaubigter Kopie und nicht in beglaubigter Übersetzung der beglaubigten Kopie. Die Deutschkenntnisse meines Sachbearbeiters ersparen mir damit 63 Pfund.
Heute schließlich hat mir der von den australischen Behörden bestellte Arzt eines Londoner Privatkrankenhauses bestätigt, dass ich für das Land gesund genug bin - jedenfalls, wenn auch die angeforderten Röntgen-, Hepatitis-, HIV- und sonstigen Bluttests gut ausfallen. Mit den 330 Pfund …

