Beiträge von Michael Miersch
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15.11.2011 22:50
Der Botschafter protestiert in aller Form
Die Botschaft von Sri Lanka beschwert sich bei der WELT wegen einer Kolumne von Maxeiner und mir, die sich mit einer Sendung des britischen TV-Senders CHANNEL 4 befasste.
Dieser und noch ein andere Beitrag waren auch auf der ACHSE DES GUTEN erschienen. Siehe:
http://www.achgut.com/dadgdx/index.php/dadgd/article/80_mal_my_lai/
http://www.achgut.com/dadgdx/index.php/dadgd/article/anschauen_und_weitersagen/
Wortlaut des Schreibens an die Chefredaktion der WELT:
Wir protestieren in aller Form gegen den Inhalt des Artikels und stellen kategorisch fest, dass Ihr Artikel auf nicht substantiierte Anschuldigungen aufgebaut ist, die von Parteien gestreut werden, die ihre eigene Agenda gegen die Regierung von Sri Lanka und die Bürger Sri Lankas vertreten.
Es wird festgestellt, dass Ihr Bericht einzig und allein auf dem Channel 4 Video mit dem Titel Sri Lankas Killing Fields aufbaut, dass mit zweifelhaften Videoaufnahmen produziert wurde, die von Quellen mit Kontakten zur LTTE zur Verfügung gestellt wurden. Die …
02.11.2011 16:17
Leider kein Lubitsch
Ich war gestern in „Hotel Lux“ und hatte danach, so ein seltsames Gefühl: Der Film tat mir leid. Überzeugende Kulissen und Kostüme und ein wichtiges, überaus spannendes Thema (der große Terror in der Sowjetunion der 30er Jahre). Eigentlich auch eine gute Story (deutscher Komiker muss vor den Nazis fliehen, verirrt sich nach Moskau, und wird durch eine Verwechslung Stalins Astrologe). Aber es gab leider, leider, leider kaum zündende Pointen. Da hilft es auch nichts, wenn man den Film zu einer „Tragikomödie“ erklärt. Die Vorbilder hießen ganz offensichtlich Mel Brooks, Ernst Lubitsch und Billy Wilder. Die sind kaum erreichbar, okay. Aber „Hotel Lux“ kommt beim Griff nach den Sternen nicht mal bis zur Dachrinne. Zehn bis zwanzig zündende Pointen und es wäre ein guter Film. Zugegeben: Diese Pointen zu finden wäre verdammt schwer. Denn anders als bei Hitler-Komödien fehlt in Deutschland beim Thema Stalinismus das historische Halbwissen, welches man für witzige …
30.10.2011 19:57
Schon wieder was mit Hirschen
Wer diesen Vortrag von mir lesenswert fand, dem gefällt vielleicht auch mein Text „Todesstrafe für Hirsche“, der morgen im FOCUS zu lesen sein wird (Nur in der Print-Ausgabe, nicht online!). Es geht um die rigorose Verminderung der Rothirsche in Bayern, die dort nur noch in zehn Toleranzzonen auf 14 Prozent der Landesfläche leben dürfen. Verlassen sie diese Gebiete, müssen sie abgeschossen werden. Begründet wird dieser behördliche Schießbefehl mit den Waldschäden, die die Tiere anrichten. Doch im Interview gestand der bayerische Forstminister Helmut Brunner, dass es gar keine landesweite Erhebung der Schäden gibt. O-Ton: „Das lässt sich nicht beziffern.“
30.10.2011 19:26
Fortschritt gibt es wirklich. Neue Beweise!
Das wichtigste Buch des Jahres ist für mich Steven Pinkers „Gewalt: Eine neue Geschichte der Menschheit“. Untermauert mit Daten, Fakten und Statistiken weist Pinker nach, dass die Menschen immer menschlicher werden – ganz im Gegensatz zu den populären kulturpessimistischen Behauptungen. Brutalität und Grausamkeit wurde im Laufe der Geschichte immer mehr geächtet. Mit Blick auf die Weltkriege, Genozide und antikolonialen Konflikte des 20. Jahrhunderts erscheint seine These geradezu bizarr. Doch wir vergessen dabei, dass man die Gewaltopfer ins Verhältnis zur Gesamtzahl der Menschen stellen muss. Wie viele von 100 Soldaten sterben bei einem Krieg? Wie viele von 100 Zivilisten? Und wie viele von 100 Menschen werden in Friedenszeiten ermordet oder verfolgt, weil sie den Herrschern missfallen? Die relativen Zahlen zeigen, dass das Risiko für den Einzelnen, durch Gewalt zu sterben, in Stammesgesellschaften mit Abstand am größten war.
Ein Buch, das auf überzeugende …
28.10.2011 19:20
Anschauen! Weitersagen!
Die Channel 4 Dokumentation „Sri Lanka’s Killing Fields“ hat mir gestern den Schlaf geraubt.
http://srilanka.channel4.com/index.shtml
(Man muss sich erstmal durchklicken und bestätigen, dass man über 18 ist. Bitte den Altersvorbehalt ernst nehmen. Kinder sollten diese Bilder keinesfalls sehen!)
Der Film zeigt, wie die Armee im Jahr 2009 den Endkampf gegen die Terrororganisation „Tamil Tigers“ im Norden der Insel führte. 330 000 Menschen wurden durch die perfide Strategie der Armeeführung in eine vermeintlich sichere Schutzzonen gelockt. Die Aktion war offenbar von vornherein darauf angelegt, diese Sammelstellen massiv unter Panzer- und Kanonenfeuer zu nehmen, wodurch etwa 40 000 Zivilisten ihr Leben verloren. Das ist die fünffache Opferzahl des Massakers von Sebrenica – doch die Welt nahm nicht die geringste Notiz davon (und die UN hielt sich raus). Die Bilder des Films – hauptsächlich von Opfern und Tätern per Handy aufgenommenes Amateurmaterial – sind kaum erträglich. Unerträglich …
28.10.2011 11:47
220 000
Der aus dem Amsterdamer Zoo stammende Pelikan, der sich nach Rheinland-Pfalz verirrt hatte, ist von einer Windkraftanlage zerteilt worden, berichtet die Bildzeitung. Der Biologe Hermann Hötker vom Naturschutzbund Deutschland (NABU) schätzt, dass für jedes Windrad in Deutschland bis zu zehn Vögel im Jahr ihr Leben lassen müssen. Also bei 22 000 deutschen Anlagen bis zu 220 000. Man stelle sich vor, im Umkreis der deutschen Atomkraftwerke würden 220 000 tote Tiere aufgefunden…wie wäre wohl die Reaktion der Öffentlichkeit?
Auf meiner Facebook-Seite hat sich eine Diskussion darüber entwickelt, ob mein Vergleich mit Atomkraftwerken völlig daneben ist. Siehe:
http://www.facebook.com/profile.php?id=100001986801206
26.10.2011 22:00
Jetzt mal ein ganz anderes Thema: Der Rothirsch in den Medien
Vortrag, gehalten auf dem Rotwild-Symposium der Deutschen Wildtier Stiftung
Bevor ich zum Rothirsch komme, möchte ich ein paar Worte darüber sagen, unter welchen Bedingungen Tiere überhaupt in die Medien geraten. Wenn ich hier den unscharfen Begriff Medien benutze, meine ich die Tageszeitungen, die Publikumszeitschriften, Radio und Fernsehen. Es gibt natürlich darüber hinaus zahlreiche Fachzeitschriften und wissenschaftliche Publikationen und – im Falle des Rothirsches – die in Deutschland sehr vielfältige Jagdpresse. Diese Veröffentlichungen sind nicht gemeint, denn dort sind der Rothirsch und andere Wildtiere Dauerthema. Ich spreche von jenen Medien, die sich an jedermann wenden. Auch an die Menschen, die – und das sind gar nicht wenige – die das Reh für das Weibchen des Hirsches halten.
Also: Wann machen Tiere Schlagzeilen?
Im Großen und Ganzen lässt sich dies in drei unterschiedliche Kategorien einteilen:
Erstens: Tiere machen Schlagzeilen als Protagonisten unterhaltender, anekdotischer Geschichten. …
16.10.2011 18:10
Schmutzige Klima-Geschäfte
Morgen im FOCUS: Die schlimmen Folgen des Kohlendioxid-Handels für Mensch und Umwelt - ein Report von Robert Thielicke. Außerdem: Vince Ebert über Naturwissenschaft im Fernsehen und ein Interview mit „Siri“, der virtuellen Helferin im neuen iPhone. Alles nur in der Print-Ausgabe, nicht online.


