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16.09.2011 09:05
Über das Für und Wider von Interventionen
Für Militärinterventionen lassen sich gute Gründe finden. Gute Gründe dagegen ebenso. Und man kann Gutes wollen und Böses schaffen. Weiter hier.
07.07.2011 08:58
Klatsch den Diktator
Angst vor Lächerlichkeit haben all diese großen und kleinen Diktatoren nicht: In Teheran lässt Ahmadinedschad seine Bassidsch-Milizen Jagd auf Autofahrer machen, die an der Ampel westliche Popmusik hören, in Caracas grölt Hugo Chavez ein Krebs-Genesungs-Lied, in Peking lassen die chinesischen Parteigranden Jubelgesänge zum 90.Geburtstag ihrer massenmörderischen Politformation aufführen, während in Minsk Präsident Lukaschenko das eisige Schweigen nach einer seiner Reden mit breitem Grinsen genießt. http://www.welt.de/print/die_welt/kultur/article13473031/Klatsch-den-Diktator.html
30.06.2011 10:02
Regenbogen über Tel Aviv
Zur Beschreibung von Geschehnissen in Israel verwendet man in Deutschland verdächtig gern die Bezeichnung “alttestamentarisch”. Dabei wird das dort angeblich herrschende Gesetz des “Auge um Auge, Zahn um Zahn” nicht etwa als eine alte Zivilisationsleistung gewürdigt, die Verhältnismäßigkeit herstellt, sondern in vermeintlich christlicher Sanftmut als atavistische Verstocktheit getadelt. Jenseits dieser verqueren Zuschreibungen aber ließ sich an diesem Wochenende entdecken, dass man sogar im ganz und gar weltlichen Tel Aviv durchaus “alttestamentarisch” ist - und zwar im Sinne der selbstkritischen Friedensvisionen aus den Büchern der sogenannten “kleinen Propheten” Amos, Hosea, Micha oder Hesekiel. http://www.welt.de/print/die_welt/kultur/article13428220/Regenbogen-ueber-Tel-Aviv.html
27.06.2011 18:26
Was wären wir ohne… Ironie?
Wären Philip Roth, Saul Bellow oder Woody Allen denkbar ohne das osteuropäische, das jüdische Erbe mit seinem Lächeln unter Tränen und dem Wissen um die Fragilität und Doppelgesichtigkeit der Dinge, der man am besten mit einer gewappneten Flexibilität im Denken, Schreiben und Sprechen begegnet? Die dortige Traditionslinie - mit Markierungspunkten von Kafka bis Imre Kertész - wagt nämlich sogar das Äußerste, die Konfrontation mit den letzten Fragen. Und wer auch immer gedacht haben mag, Ironie sei lediglich unverbindliche Tändelei für die guten Tage des Lebens, könnte eines Besseren belehrt werden bei dem skeptisch gläubigen Katholiken Czeslaw Milosz, der kurz vor seinem Tod schrieb: “Es kann einem nichts Besseres passieren, als dass man von seinem Leben Abschied nimmt, indem man es als bloßen Kommentar zu einigen Gedichten auffasst.” Was wären wir wohl ohne die höhere Heiterkeit solchen Denkens, solcher Sätze?
http://www.welt.de/print/die_welt/debatte/article13449389/Zwischen-den-Zeilen.html
20.05.2011 14:55
Eine Lanze für den echten Casanova
Denn was ist davon zu halten, wenn so oft die aufgeräumte Rede vom “flotten Dreier” geht, als wäre dies Ringelpietz mit Anfassen oder eine Reise nach Jerusalem per Bett anstatt eine veritable Herausforderung, um die fragile Balance zwischen Aufmerksamkeit und Lust zu halten? Und weshalb werden korrupte VW-Bonzen mit der wundersam flirrenden Vokabel “ausschweifend” nobilitiert, wenn sie doch lediglich auf Betriebskosten nach Rio fliegen, um sich - die Ärmsten! - Sex zu kaufen? Wo doch gerade dort der großherzige Cupido seine Gratis-Pfeile nach jedem schießt, der mit mutwilligem Lächeln am Strand flaniert anstatt als Gefangener einer vermeintlich bedeutenden Sozial-Position mit Bauchwampe und Ärmelschoner-Jacketts in dämmrigen Hotelbars herumzustolzieren. http://www.welt.de/print/die_welt/kultur/article13383259/Eine-Lanze-fuer-den-echten-Casanova.html
14.05.2011 23:02
Kreuzberg bleibt doitsch!
Es sind zu viele Fremde hier. Kommen und gehen, verstopfen die Bürgersteige, feiern bis in die Puppen, machen Musik unter freiem Himmel – ein Skandal. Am besten also, man zeigt ihnen, wie unbeliebt sie sind – etwa mit Aufklebern, auf denen dem Namen der bedrohten Stadt ein durchgestrichenes Herz und sodann ein U folgt, was immerhin kompatibel ist zur Zeichensprache der Generation Facebook und nicht ganz so rüde wie jenes alte “Ausländer raus!” in bester Frakturschrift.
http://www.welt.de/kultur/article13368627/Auslaender-lasst-uns-nicht-mit-Kreuzbergern-allein.html
11.05.2011 11:56
Mysterien von Damaskus
Trotz der Horror-Nachrichten über Hunderte erschossener Demonstranten ahnt man, wo er sich in diesen Tagen aufhalten wird: Im Café der Scheshbesh-Spieler am al-Marjeh-Platz, dessen Name an die Füsilierten eines gescheiterten Aufstandes gegen die französische Protektoren im Jahre 1925 erinnert. Dort wird er sich aus dem offenen Fenster lehnen, resigniert an seiner Wasserpfeife schmauchen und mit den Freunden halblaut darüber räsonieren, was unsicherer sei - Hotmail, Yahoo, Facebook oder die Websites für private Kontaktanbahnungen. “Sie wissen sowieso alles über uns, doch so lange wir uns ruhig verhalten...” http://www.welt.de/print/die_welt/kultur/article13362567/Mysterien-von-Damaskus.html
26.04.2011 22:33
Hawaii des Ostens
Als jedenfalls dieser Autor vor einiger Zeit die Insel besuchte, sprach ihm die Vizebürgermeisterin der Bademetropole Sanya folgendes in den Schreibblock: “Wir sagen auf Entscheidung der Zentralregierung: ,Hainan - Hawaii des Ostens’. Außerdem: 4 A, das heißt oberste Attraktivitätskategorie. Wir haben zahlreiche Standorte dieser Art, sie werden effizient kontrolliert, und jetzt schreiben Sie bitte endlich mit, damit die Leute bei Ihnen die Wahrheit erfahren.” Dann begann Frau Qi - im Tonfall und mit ihrem streng ondulierten Haar verblüffend Walter Ulbrichts furchtbarer Juristin Hilde Benjamin gleichend - ihren eigenen Worten rhythmisch Beifall zu klatschen. Zudem, referierte die Genossin, habe man seit kurzem eine Buddha-Statue errichtet, die zwölf Meter höher sei als die New Yorker Freiheitsstatue. “Zwölf Meter - ein weiteres 4 A!” Krude Symbolik der Macht, die im Grunde alles andere als komisch und skurril ist. http://www.welt.de/print/die_welt/kultur/article13265106/Affen-mit-Schlagstoecken.html


