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10.12.2010 11:06
Das Wunder von Taiwan
Linda Arrigo sagt mit einem entschuldigenden Lächeln: „Damals begann eine Geschichte, die in meinem linken Weltbild eigentlich gar nicht vorgesehen war – die Transformation einer rechten Diktatur in einen prosperierenden kapitalistischen Wohlfahrtsstaat, in dem es auch heute zwar beträchtliche Einkommensunterschiede gibt, aber die Zahl der absolut Armen gegen Null tendiert. Eine harte Nuss für eine alte Linke wie mich, was meinen Sie?“ http://www.welt.de/kultur/literarischewelt/article11508719/Taiwans-Demokratie-macht-Menschenrechtlern-Mut.html
21.11.2010 19:49
Mater Dolorosa der Demokratie
Doch siehe da, die angeblich Entrückte erweist sich als ungeheuer „cool“. Sie paralysiert auf geschickte Weise das Kalkül der Militärs, die das Land auch nach den angeblichen Wahlen im Würgegriff halten. Sie steckt sich eine Blume ins Haar, setzt sich aufrecht vor eine BBC-Kamera und sagt diese Sätze: „Ich wünsche den Generälen nichts Böses. Ich möchte, dass sie die Leute sind, die entschieden haben, dass die Bürger das Recht auf Freiheit und Sicherheit haben. Ich möchte, das sie Helden werden – warum nicht?“
http://www.welt.de/debatte/kommentare/article11059188/Suu-Kyi-wird-zum-Problem-fuer-Birmas-Generaele.html
25.10.2010 22:48
Miriam lebt!
Vor einer Woche war an dieser Stelle ein melancholischer Nachruf auf die in Tel Aviv lebende israelische Foto-Pionierin Miriam Weissenstein zu lesen gewesen. Nun stellt sich glücklicherweise heraus, dass die alte Dame, 1913 geboren und 1921 aus der damaligen Tschechoslowakei ins damalige Palästina gekommen, noch überaus lebendig ist. Huschigkeit des Chronisten oder gar ein Beleg dafür, dass in der traditionellen Fabelwelt des Nahen Ostens inzwischen ein magischer Realismus lateinamerikanischer Provenienz Einzug gehalten hat? Viva Miriam…
Tatsache jedenfalls ist, dass die schwarzgerahmten Bilder in der Ladenvitrine, die Frau Weissenstein in beinahe allen Lebensaltern präsentieren – die eindrucksvollsten zeigen sie als junge Schönheit singend und springend am Meer oder zusammen mit einem David Ben Gurion in weit offenem Hemdkragen und weißem Wuschelhaar – keineswegs ihr Ableben signalisieren sollten, sondern eine Art Geburtstagswürdigung darstellen. Zugegeben, wie hätte man derlei ahnen sollen, umso mehr „Photo Prior“, gelegen am pittorsk heruntergekommenen Strandende von …
20.10.2010 20:51
Kunst im Koma
„Es gibt einen nationalen Konsens, Scharons Image nicht zu berühren, an den ich mich allerdings nicht halte“, sagt der 49-jährige Noam Braslavsky, der sich in der internationalen Kunstszene vor allem durch seine Rauminstallationen einen Namen gemacht hat. Womöglich aber lebt er bereits zu lange in Berlin, um zu erkennen, dass es in Israel niemals und nirgendwo einen nationalen Konsens darüber gegeben hat, wie ein Politiker einzuschätzen sei.
http://www.welt.de/kultur/article10429041/Eine-Installation-zeigt-Ariel-Scharon-im-Koma.html
19.10.2010 14:45
Ach, der Tod
Miriam Weissenstein, die Besitzerin des Ladens und Witwe des 1992 verstorbenen Fotografen Rudi Weissenstein, ist nun dahin gegangen, wo sie selbst weder die Hölle noch das Paradies erwartete. Wie oft hatte sie darüber gescherzt: Jahrgang 1913, 1921 aus der damaligen Tschechoslowakei ins damalige Palästina gekommen und ab 1936 mit ihrem geliebten Rudi als Foto-Pionier unterwegs. “Ach, der Tod”, pflegte die Greisin mit fröhlich wegwerfender Geste und einem Anflug von k.u.k.-Akzent zu sagen, während sie sich durchs toupierte Haar fuhr.
http://www.welt.de/print/die_welt/kultur/article10390723/Die-alte-Dame-und-der-Hetzer.html
13.10.2010 09:42
Cool in Israel
"Inzwischen gilt es doch als cooler, sich per Facebook spontan zu verabreden, um für eine von Schließung bedrohte Sushi-Bar zu demonstrieren, anstatt sich mit wirklichen Schicksalsfragen zu beschäftigen. Keine Generation war jemals konservativer und apolitischer als unsere.”
http://www.welt.de/print/die_welt/kultur/article10233734/Nur-mit-offenen-Augen-kann-man-wirklich-lieben.html
12.10.2010 14:11
Die Besserwisser
Die eher durchwachsenen medialen Reaktionen auf die Vergabe des Literaturnobelpreises an Mario Vargas Llosa zeigen vor allem eines: Es funktioniert noch immer. Um eine politisch-intellektuelle Position zu verteufeln, genügt es nach wie vor, sie als „neoliberal“ zu kennzeichen. Anschließend – die Mechanik folgt eigenen Gesetzen – muss der Delinquent entweder der Komplizenschaft mit einem imaginären, bösartig marktliberalen Mainstream überführt werden („Es kann kein Zufall sein, dass gerade jetzt…“) oder es wird im Gegenteil dessen völlige Isolation inmitten der Volksgemeinschaft behauptet: „Mag halb Lateinamerika auf der Suche nach Alternativen sein: Für Vargas Llosa bleibt Marktliberalismus das einzige Allheilmittel.“
Nun kommen allerdings solch altväterlich scheltenden Urteile nicht etwa aus der kubanischen Regierungsagentur mit dem sprechenden Namen „Granma“, sondern aus der deutschsprachigen Presse, wo man von TAZ bis NZZ einigermaßen fassungslos zu sein scheint, und der Lateinamerika-Korrespondent der SZ (der es wahrlich besser wissen müßte), sogar von Vargas Llosas „Rechtsruck“ orakelt. …
11.10.2010 12:10
Neugier.de (10): Melancholisch zurückgelassen
....Seltsam und spannend, denkt der deutsche Gast angesichts der feierabendlosen Aktivitäten seines indischen Freundes: Wie der kapitalistische Entdecker- und Erfindergeist des Alten Europa nun in andere, einst kolonisierte Kontinente ausgewandert ist, in unseren Breiten wenig mehr zurücklassend als Melancholie, ökonomisch unbeleckte All-Verteilungsrhetorik, Globalisierungsparanoia und ein suspektes Bild des Unternehmers, dem man längst abgesprochen hat, eigentlicher Motor eines (später dann möglicherweise auch zu verteilenden)gesellschaftlichen Wohlstands zu sein.
„Wie ist dein Eindruck von Ghana, warst du schon in Mosambik? Wir wollen da investieren und Hotels bauen, Experten sagen einen Tourismusboom in den nächsten Jahren voraus.“ Und wieder schaut mich das Familientrio großäugig und Kaugummi kauend an, diesmal jedoch von ihren Bürostühlen aus, von denen auch Chettinadu Mansions, ein Hotel auf den Malediven sowie das Ferienressort oben in den Bergen gemanagt wird, eine sanfte Idylle inmitten von Teeplantagen.
Der deutsche Besucher aber erinnert sich wieder an die Mahagonischaukel vor …


