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04.04.2011 16:24
Mr. Graham Greene, Experte für menschliche Krisen
s bleibt Greenes Verdienst – und ist möglicherweise auch eine Erklärung für seinen ungebrochenen Nachruhm –, dass seine Romane eben diese Unruhe, die permanente menschliche Krise, nicht nur im Politisch-Sozialen packend ausbuchstabieren, sondern auch den Mut zu jenen letzten Fragen haben, vor denen abgebrühte Atheisten meist zurückschrecken. http://www.welt.de/kultur/literarischewelt/article13041643/Mr-Graham-Greene-Experte-fuer-menschliche-Krisen.html
20.03.2011 14:52
Mit dem Taxi zur Revolte
"Plötzlich hieß es, dass die absolute Anschnallpflicht gilt und ein Verstoß gegen sie fünfzig ägyptische Pfund kostet. Dann tauchten in den Läden echt teure Gurte auf, keiner unter zweihundert Pfund. Natürlich waren in den Deal hohe Tiere involviert, sehr hohe Tiere! Sie importierten die Gurte, verkauften sie und verdienten damit Millionen. Das Innenministerium verteilte Tausende von Strafzetteln und verdiente ebenfalls nicht schlecht. So ein Gurt zieht nur an, wenn man stark bremst. Aber wenn du in unsren lahmen Wagen auf die Bremse tritt, löst sich der Gurt höchstens.” http://www.welt.de/print/die_welt/vermischtes/article12883906/Mit-dem-Taxi-zur-Revolte.html
07.03.2011 10:02
Kein Gaddafi in Abu Dabi
Regimekritik auf Hochglanzpapier: Die “Gulf News” des Emirats Abu Dhabi erscheinen täglich als nobel gestaltete Tiefdruckausgabe mit opulenten Fotostrecken zu den blutigen Ereignissen in Libyen. Ob aus Schadenfreude über die Diktatorendämmerung oder aus wirtschaftlichen Erwägungen - die Berichterstattung über die Revolten in der arabischen Welt erfüllt alle Standards modernen Journalismus’. Interessanter ist freilich ein Blick in den täglichen Meinungsteil der Kolumnen und Gastbeiträge. Wagen hier einheimische Journalisten bereits Reflexionen darüber, weshalb sie es im Unterschied zu ihren westlichen Kollegen so lange an Kritikermut vor Herrscherthronen hatten fehlen lassen, machen andere Wortmeldungen deutlich, welcher Wind tatsächlich weiterhin in den Emiraten weht. http://www.welt.de/print/die_welt/kultur/article12719355/Kein-Gaddafi-in-Abu-Dhabi.html
12.02.2011 10:29
Kalter Krieger mit heißem Herzen
"Mel”, schreibt seine Witwe, “war ohne jeden sozialen Dünkel, er wusste nicht einmal, was damit gemeint ist. Intellektuell jedoch war er von großer Arroganz. Nur das Beste zählte, und was das war, oblag seinem persönlichen Urteil.” Der Diskretion halber erwähnt sie Laskys mündliche Urteile über Hannah Arendt ("diese aufgeblasene Kuh") jedoch ebenso wenig wie über Günter Grass ("Och, so ein bornierter Quatschkopf") oder andere Lieblinge der linksliberalen Intelligenz. http://www.welt.de/print/die_welt/vermischtes/article12515733/Kalter-Krieger-mit-heissem-Herzen.html
12.02.2011 10:16
Ein Extremist der Mitte
Hans Habe alias Janos Bekessy, geboren am 11. Februar 1911 in Budapest als Sohn eines ruchlos-genialen, bereits von Karl Kraus geschmähten Journalisten, gestorben 1977 in Ascona. Robert Neumann, der Nachbar am Lago di Maggiore, war bereits zwei Jahre zuvor verstorben – und hatte in seinen letzten Lebensjahren noch zu Protokoll gegeben, seine Häme gegen den schillernden Kollegen täte ihm inzwischen leid. Kunststück: Schließlich waren sie beide Flüchtlinge, als mitteleuropäische Juden Hitlers Mordmaschinerie gerade noch entkommen und nach dem Krieg zumindest publizistisch in die junge Bundesrepublik zurückgekehrt, die allerdings mit dem polemisch-urbanen Schliff der ehemaligen Emigranten nicht allzu viel anzufangen wusste.
http://www.welt.de/kultur/history/article12510870/Hans-Habe-konservativer-Extremist-der-Mitte.html
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01.02.2011 01:05
Diktatoren kommen, Diktatoren gehen
Ben Ali flieht aus dem seit Jahrzehnten stagnierenden Tunesien, während gleichzeitig der feiste Jean-Claude Duvalier alias “Baby Doc” wieder Einzug hält im geschundenen Haiti. Dazu jährt sich am 1. Februar jener verhängnisvolle Tag von 1979, an dem der exilierte Ayatollah Khomeini auf dem Flughafen von Teheran düsteren Blickes einer Air-France-Maschine entstiegen war, um den bis dahin autoritär regierten Iran in das Korsett eines religiösen Totalitarismus zu pressen. Fast scheint es deshalb, als wäre dieses Auf und Ab nun einmal der Lauf der Welt und nur zu ertragen mit jener halb heiteren, halb zynischen Gelassenheit, wie sie in Enzensbergers Gedicht von der “Prästabilisierten Disharmonie” aufscheint: “Für jeden Minensucher,/ der seine Haut riskiert,/ ein Waffenhändler, und umgekehrt./ Für jedes Monster/ eine sanfte Madonna, und umgekehrt./ Da ist kein Ende in Sicht.” http://www.welt.de/print/die_welt/debatte/article12393192/Umwege-der-Freiheit.html
20.01.2011 06:43
Die Teppiche von Cordoba
Dazu muss man Folgendes wissen: Der Initiator dieses “Toleranzmuseums” ist der Franzose Roger Garaudy, einst ideologischer Einpeitscher der KP, anschließend dissidentischer Marxist, danach Christ, inzwischen konvertierter Muslim und 1998 in Frankreich gerichtlich verurteilter Auschwitz-Leugner, der sich zuvor bereits in seiner vom saudiarabischen Fernsehen verfilmten Autobiographie wahren Hassausbrüchen gegen Israel hingegeben hatte. Ausgerechnet dieser sinistre Mann soll also diese unschuldige Ausstellung konzipiert haben, in der bei Zimbelmusik ein an idyllische Spielzeugeisenbahnen erinnerndes Miniatur-Universum aus Häusern, Schulen, arabischen Bädern, Moscheen, Synagogen und Kirchen gezeigt wird? http://www.welt.de/print/die_welt/kultur/article12199374/Die-Teppiche-von-Cordoba.html
03.01.2011 23:04
Das andere China
Je mächtiger China wirtschaftlich und damit auch politisch wird, desto mehr wird Taiwan zum Paria der Weltgemeinschaft. Dabei repräsentiert die abtrünnige Insel ein anderes, besseres China. Denn der Autokratie Tschiang Kai-scheks ist im Lauf der Jahrzehnte ein demokratisches Gemeinwesen entwachsen.
http://www.nzz.ch/nachrichten/kultur/aktuell/der_grosse_steuermann_hiess_nicht_mao_1.8968134.html


