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04.03.2012   03:38

“The Artist”, “Hugo”, “Midnight in Paris”

Gerade eben habe ich den Film gesehen, der die meisten Oscars des Jahres 2012 kassiert hat: „The Artist“ von Michel Hazanavicius, mit Jean Dujardin und Bérénice Bejo in den Hauptrollen. Es ist ein Stummfilm (jedenfalls beinahe), in Schwarz und Weiß gedreht. Jean Dujardin spielt einen Stummfilmstar im Hollywood des Jahres 1927. Er lebt in einer offenbar katastrophalen Ehe mit einer reichen Dame zusammen, er verliebt sich keusch in eine junge schöne Frau, er ist stolz und ein bisschen doof. Als 1929 der Börsencrash sein Vermögen vernichtet ... und als er darauf besteht, am Afang der der Tonfilmära einen Stummfilm zu drehen (natürlich wird er ein Flop) ... und als seine Gattin ihn aus der Villa wirft ... da sieht er plötzlich ganz alt aus. Die schöne junge Frau wird unterdessen zum Filmstar, denn sie besteht nicht darauf, auf der Leinwand kein Wort zu reden. Am Schluss rettet sie ihn aus seiner Seelennot, die beiden steppen zusammen, und in der allerletzten Minute wird der Stummfilm doch zum Tonfilm: Jean Dujardin sagt mit französischem Akzent den Satz: „I will be delighted.“ Es ist das einzige, was er in dem Film sagt.

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29.02.2012   20:52

Verspätete Anmerkungen zur Totalitarismustheorie

Je näher ich mir die Totalitarismustheorie anschaue, desto fremder schaut sie zurück. Gewiss, ich verstehe schon: Als Hannah Arendt diese Theorie entwickelte, wollte sie darauf aufmerksam machen, dass der Nationalsozialismus weniger dem italienischen Faschismus ähnlich sah (der doch eine Operette war) als vielmehr dem Stalin´schen Kommunismus. Dieselben Aufmärsche, dieselben Fahnen, dieselben blutigen innerparteilichen Säuberungen, diese zentrale Bedeutung der Geheimpolizei. Aber wenn ich die Nazi-Herrschaft mit dem sowjetischen Kommunismus vergleiche, fallen mir doch vor allem die Unterschiede ins Auge.

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24.02.2012   22:34

Das Dynamit des Dr. Finkelstein

In der vergangenen Woche hat Norman Finkelstein einem pro-paleastinensischen Aktivisten namens Frank Barat in Oxford ein Interview gegeben. Dieses Interview kann man auf einem Video besichtigen. Interessant ist nicht nur, was Finkelstein dabei sagte; interessant ist auch, was er nur andeutete.
Ran Baratz erklaert den Hintergrund: hier.

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17.02.2012   17:19

Israelische Eltern, israelische Kinder

Grossartiger, uebrigens auch schoener und ergreifender, d.h. poetischer Blogeintrag von der Frau, die aus Israel ihre “Letters from Rungholt” bloggt.

“Die israelische Supernanny erzieht die Eltern zu mehr Verständnis für die Kinder, statt die Kinder zu disziplinieren (sie arbeitet nach dem Modell des Adler-Zentrums in Haifa). Die meisten Eltern, die ich kenne, erziehen fast ohne Strafen. Demütigung von Kindern wird vermieden, statt zu sagen “du garstiges kleines Monster” sagt man “hitbalbalta”, “du hast einen Fehler gemacht, du hast was durcheinandergebracht” (bilbul ist Verwirrung). Sprüche wie “Kinder die was wollen, die kriegen was auf die Bollen”, die es hoffentlich in Deutschland auch nicht mehr gibt, habe ich hier nie gehört. “Der böse Willen” oder “der Bock”, die ausgetrieben werden müssen, kennt man hier gar nicht. Vielleicht ist das in anderen Milieus anders, aber ich kenne doch inzwischen eine Menge Leute, und die allermeisten Kinder, die ich kenne, die wachsen …

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09.02.2012   03:58

Nachtgedanken

Gut: Assad wird stürzen—eine Diktatur weniger. Schlecht: Nach dem Sturz von Assad wird in Syrien nicht das Reich der Freiheit an-, sondern erstmal ein langer und blutiger Bürgerkrieg ausbrechen.

Gut: Mit Assad verliert die “Islamische Republik Iran” ihren wichtigsten Verbündeten. Schlecht: Was macht der Kampfhund Hisbollah, wenn kein berechenbarer und rationaler barbarischer Herrscher ihn mehr an der Leine führt?

Gut: Israel hat keinen Friedensvertrag mit Syrien, der Golan ist also immer noch in israelischer Hand. Schlecht: Syrien hat ganz unbezweifelbar Raketen mit Giftgasspengköpfen, über die nach dem Fall des syrischen Regimes Allah-Weiß-Wer bestimmen wird.

Nennt man das jetzt Dialektik?

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07.02.2012   07:02

Unterdessen im Iran

Ali Khamenei, der im Unterschied zu diesem Clown Achmidingsbumsda ueber wirkliche Macht im Iran verfuegt, hat eine Rede gehalten. In dieser Rede hat er gesagt, dass das iranische Regime jetzt aber wirklich, wirklich Ernst damit machen will, den “zionistischen Krebs zu entfernen”. Ausserdem werde der Iran jede Gruppe unterstuetzen, die gegen Israel kaempft. (Anmeldungen werden wahrscheinlich per E-Mail entgegengenommen; oder Sie fragen einfach Ihre naechstgelegene iranische Botschaft.) Aber vermutlich waren das jetzt wieder lauter Uebersetzungsfehler.

Gleichwohl erklaert Barry Rubin—kein Mitglied der Anti-Israel-Lobby, eher im Gegenteil --, warum es Hysterie ist, wenn man davon ausgeht, dass Israel morgen oder im April, spaetestens aber um den Juni herum einen Praeventivschlag gegen die “Islamische Republik Iran” fuehren werde. Er macht ausserdem klar, warum ein Militaerschlag gegen den Iran wohl kontrapriduktiv waere. Lesen. Es lohnt sich.

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06.02.2012   18:34

Warum ich für die These von der menschgemachten Klimakatastrophe bin

Wie ich aus der Ferne mitbekomme, kippt in Deutschland gerade die Klimadebatte auf die andere Seite. (Siehe hier, hier, hier, hier und hier.) Ich finde das äußerst bedenklich. Mir wäre lieber, das Dogma vom menschgemachten Treibhauseffekt bliebe felsenfest stehen. Warum?

Kurz gesagt: Weil ich—trotz Fukushima, zum Teil aber auch wegen Fukushima—für die Kernenergie bin. (Trotz Fukushima: weil dies eine Katastrophe war, die besser nicht passiert wäre. Wegen Fukushima: die Zahl der Todesopfer aufgrund des Atomunfalls steht weiterhin bei einer runden schwarzen Null.) Mir kommt es so vor, als sei Atomenergie sauber, effizient und sicher. Gewiss nicht hundertprozentig sauber; nicht hundertprozentig effizient; nicht hundertprozentig sicher—was ist das schon? --, aber doch vergleichsweise sauber etc. pp.

Staudämme, nur so zum Beispiel, sind ein brutaler Eingriff in die Ökologie, außerdem verlieren bei jedem Staudammbau hunderte, manchmal tausende Menschen ihre …

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03.02.2012   15:09

Fanniegate

Wer ist nun eigentlich schuld an der Wirtschaftskrise, die uns 2008 in einen wirbelnden Mahlstrom schauen ließ, in dem der gesamte Reichtum der Welt zu verschwinden drohte, als würde er im Klo heruntergespült? Waren es ein paar Bankiers an der Wall Street, die beim Monopolyspielen ein bisschen zu heftig gewürfelt hatten? War es George Soros, der, wie ein ultrarechter amerikanischer Fernsehstar mutmaßte, einen boshaften Plan verfolgte, Amerika in den Ruin zu treiben? Steckten die Juden dahinter? Und wenn die Juden, warum dann nicht auch die Mormonen und die Radfahrer? Oder war es etwa der Kapitalismus selbst, der sich hier hektisch sein Grab schaufelte?

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